Die Königin ist formell die Oberbefehlshaberin über die Britischen Gesamtstreitkräfte, aber nur die Navy und die Air Force tragen den Zusatz ‘Royal‘ im Namen. Für die Landstreitkräfte gilt das nicht, denn sie verstehen sich als Parlamentsheer. Übrigens ausschließlich aus freiwilligen Soldatinnen und Soldaten gebildet. Einige von ihnen sind in London stets präsent, beispielsweise als Wachen vor dem Buckingham Palace. Ihre bunten Uniformen und die Bärenfellmütze machen sie zum beliebten Fotoobjekt. Ich hatte Gelegenheit eine solche Fellmütze anzufassen, -natürlich nicht auf dem Kopf eines Soldaten, sondern im Horseguard Museum-, und ich war überrascht. Das ist ein ganz anderes Gefühl als ich es vom Katzenfell oder Hundehaaren kenne. Irgendwie sehr weich, sehr glatt und doch ist das Haar viel kräftiger. Aber davon will ich gar nicht erzählen. Heute soll es um einige ungewöhnliche Mitglieder der britischen Armee gehen, die hohe Popularität geniessen, denn sie sind ohne Frage die heimlichen Stars der Truppe. Da wäre zum Beispiel Lance Corporal Derby. Er gehört dem Merciant Regiment an und steht immer in der ersten Reihe, wenn sich hoher Besuch angemeldet hat.

 

Ziegenbock Derby dient der Armee im Rang eines Gefreiten (Lance Corporal).

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Kamerad Shenkin hat denselben Dienstgrad und auch wenn ich nicht dabei war, möchte ich wetten, dass Prince Charles gerade einen Witz über die Bärte von der Bergziege und dem Soldaten zum Besten gegeben hat. – Ich glaube er wird ein sehr guter Thronfolger werden und zur Überraschung aller den Namen ‘George’ wählen.

 

Bevor sich nun bei irgend einem Leser Bauchgrummeln einstellen sollte, weil er/sie es gar nicht komisch findet, wenn man sich über die Armee despektierlich äußert, will ich schnell das Ergebnis einer Umfrage bekanntgeben. Man wollte von den Briten wissen: “Should the Army keep its ceremonial animal mascots?” und 98% antworteten: “Yes, they are a long-standing tradition”. Das ist wohl eindeutig. 

Ein anderer tierischer Kämpfer ist der Wolfshund ‘Domhnall of Shantamon’. Er ist auf der Insel ziemlich bekannt, vermutlich weil er öfters an der Geburtstagsparade der Queen in London teilnimmt, und das obwohl er keinen militärischen Rang (bisher) verliehen bekommen hat. Er ist einfach nur ein Hund, aber was für einer. Er gehört zu den Irish Guards und ist meines Wissens der einzige seiner Art, der einen roten Rock tragen darf. 

 

Man beachte die blanken Knöpfe am Brustteil. Also beim Hund, nicht bei Kate. Das hat doch wirklich Klasse. Ich weiß nicht genau was hier gemacht wird, aber es sieht so aus, als wenn dem Wolfshund gerade eine Auszeichnung ans Fell geknüpft wird. Weil das eine wichtige Sache ist, blicken alle bierernst. Selbst Domhnall scheint die ‘Ehrenlast’ zu spüren.

 

Ganz anders ist das mit dem Pony Cruachan. Als Spezie ist er nicht einmalig, denn es  gibt es ja jede Menge Pferde in der Armee, aber er scheint einen guten englischen Humor zu haben. Cruachan kann auf eine ganze Reihe gleichnamiger Vorgänger verweisen, er ist die Nummer IV und ebenfalls ein Lance Corporal, im Royal Regiment of Scotland. Und vielleicht liegt es an der schottischen Herkunft, dass er ein besonders charakterstarkes, um nicht zu sagen eigenwilliges Tier ist. Wann immer er in Aktion tritt, kann man sich auf Überraschungen freuen, die nicht im Protokoll standen. Gerade mußte das Meghan Markle erfahren, als sie mit ihrem Verlobten Prince Harry bei der Truppe zu Besuch war. Cruachan war griesgrämig und schnappte gleich mal nach der herzlich ausgestreckten Hand.

 

Der ranghohe Captain Prinz Harry macht dem Gefreiten Vierbeiner klar, wo die rote Linie verläuft.

 

Auf dem Foto kann man auch die vielen Medaillen sehen, die das Pony inzwischen gesammelt hat und stolz über dem Rangabzeichen zur Schau trägt. In Reih und Glied wurden die blanken Stücke an seine ‘dark tartan’ Pferdedecke geheftet. Sie zeigt ein dunkles, grün-blaues Schottenmuster, Farben voller Tradition. Und witzigerweise trägt Meghan einen Mantel im gleichen Design. Britischer Humor vom Feinsten. Man könnte fast meinen Cruachan hätte absichtlich die Decke gewählt, denn für medien taugliche Gags ist der Miniaturgaul stets zu haben. Als letztes Mal die Chefin persönlich vorbeikam, ging sie sofort nach Übergabe des obligatorischen Begrüßungssträußchens zu Cruachan. Die beiden kennen und mögen sich und gar nicht schüchtern, wußte der Schotte seine Königin zu begrüßen. Herzhaft biß er in ihren Blumenstrauß. Aber auch die Queen weiß solche Situationen zu meistern. Blitzschnell ließ sie den ‘posie’ hinter ihrem Rücken verschwinden. Dann sah sie Cruachan tief in die Augen und machte ihm klar, dass das gar kein gutes Benehmen war. Der schaute sie treuherzig an und als sie sich umdrehte, um endlich die Soldaten in Augenschein zu nehmen, biß Cruachan ein zweites Mal ins saftige Grün.

 

Als Pferd kann man sich so ziemlich alles bei der Königin erlauben, als menschlicher Gast sollte man die Regeln der Etikette penibel einhalten.

 

Traumpaar Meghan und Harry war zu Besuch in Edinburgh und dabei erzählte sie von ihrer Vorbereitung eine Britin zu werden. Sie will sich noch vor der Hochzeit einbürgern lassen und muß wie jeder Antragsteller einen Test bestehen. Der ist aber nicht allzu schwer, ich habe es mal versucht und hätte bestanden. Man sollte sich ein bißchen in der Geschichte auskennen (1066 und 1666 sind die Jahreszahlen mit Bedeutung), ein paar Königsnamen kennen und sich mit der britischen Mentalität vertraut gemacht haben. Davon erzählte Meghan als sie lachend bekannte: “Being I’m in the UK, all I talk about is the weather now.” Ich würde sagen, sie hat die Hürde genommen. Da kann eigentlich nix mehr schiefgehen.