Wie fast immer beginnt George den Tag mit Joggen. Wenn er pustend zurückkommt, wird es für mich höchste Zeit aufzustehen. Auf dem Weg zur Dusche ruft er mir zu: “There’s an elephant in Regent’s Park. You gotta see it.” Schon dreht er das Wasser auf, zu spät für Rückfragen. Aber warum soll ich mir die Elefanten im Regent’s Park ansehen? Wir waren etliche Male dort im London Zoo, das ist nix Besonderes. Wahrscheinlich habe ich ihn mal wieder völlig falsch verstanden.

 

Der Regent’s Park liegt sehr zentral und bietet viel: Sport, Natur, einen richtigen Zoo und viele kulturelle Veranstaltungen. Im Regent’s Park sollen übrigens die letzten Igel leben. Sie sind in den Londoner Gärten so gut wie ausgestorben. Dafür kann man immer häufiger ganze Hirschrudel nachts in der City sehen. (Richtige, keine feiernden Junggesellen).

 

Es gibt Tage, da fällt mir kein englisches Wort ein. Die einfachsten Dinge kann ich dann nicht mitteilen. Es ist, als hätte ich über Nacht die Sprache verlernt. Letztens aber, wußte ich sofort beim Aufwachen, dass ich in Englisch geträumt hatte. Wow, ich konnte es kaum fassen. Das hatte ich mir immer gewünscht. Sofort erzählte ich es George, und die Worte kamen mir mühelos über die Lippen, aber er wollte meine Begeisterung nicht teilen. “You dreamed of me? Why? I’m sleeping at your side?” “Nein, nicht von dir, sondern in englischer Sprache. Ist das nicht toll?” “And what’s the point for me?” – Etwas später beim Einkauf in Waitrose, eines der großen Supermarktketten, zweifelte ich dann auch an meinen Sprachkenntnissen. Da entdecke ich ein Schild, das mich stutzig machte:

 

Zum Schulanfang wird den Lehrern ein Sonderangebot gemacht. Ich würde sagen, zwei Fehler in drei Worten. Nicht schlecht.

 

Also das Angebot, drei Artikel einzupacken und nur zwei davon zu bezahlen, ist die übliche Art, wie Londoner einkaufen. Man kann ‘Angeboten’ nicht widerstehen und greift inzwischen nur noch bei solchen Offerten zu. Aber darum geht es nicht, sondern um die großzügig verteilten Apostrophs (sagt man so?). Auch da scheint man mehr zu bekommen, als man wollte. Keine Frage, kein einziges wäre nötig, beide sind falsch, denn hier geht es einfach um den Plural.

Speck und Eier sind gebraten, der Teekessel pfeift und schon kommt George in die Küche gestürmt. Er lässt mich mal schnuppern, denn das neue Eau de Toilette verspricht: ‘… maskulin und sexy, eine nonkonformistische Vision von Männlichkeit’. Ja, es geht in Ordnung, tragbar. Zum Glück hat er die Flasche nicht leer gesprüht. Jetzt kann ich endlich nachfragen, was es mit den Elefanten auf sich hat. Er grinst und gibt ein weiteres Detail preis. “There’s an elephant standing on his head. In the ‘Inner Circle’, near to Garden Café.” Dann fällt der Groschen und ich weiß was er meint. Die Skulpturen Show hat begonnen. Sie findet jährlich im Regent’s Park statt, diesmal aber früher als sonst. Letztes Jahr hatten wir schon Spätherbst, als die oft witzigen Großfiguren im Park aufgestellt wurden. Jetzt im Sommer ist das eine viel bessere Idee. Die Tage sind lang, der Park lädt zum Bootsfahren ein oder man sucht sich einfach einen Liegestuhl. Echte Londoner haben natürlich stets einen gut gefüllten Picknickkorb und eine karierte Decke dabei. Damit lagert man sich einfach auf das nächste freie Stück Rasen. Das ist überall erlaubt.

 

 

The London Zoo (TLZ) nimmt nur einen Teil der Parkfläche ein und kostet natürlich Eintritt. Man muß aber gar nicht unbedingt hineingehen, denn man kann auch sehr gut rundherum spazieren. Einfach immer den ‘Broad Walk’ entlang, dann sieht man manches Gehege, zumindest von der Rückseite. Aber mindestens genauso spannend finde ich die Straßenzüge, die den Regent’s Park begrenzen. Beispielsweise an der Ostseite, wo ein prachtvolles Haus neben dem anderen steht. Hier ist London hoch herrschaftlich und architektonisch bildschön. Die Straße dort heißt ‘Outer Circle’ und zieht sich eigentlich einmal komplett um den Regent’s Park herum. Aber nur an der Ostseite, also zwischen Bahnhof Euston und Park, stehen die typischen schneeweißen Stadtvillen, sogenannt ‘townhouses’, wo sich selten eine Tür öffnet. Wenn es aber doch einmal passiert, dann erwarte ich eigentlich immer Lady Marjorie am Arm ihres Gatten Richard Bellamy, Viscount of Haversham, die Treppe herunter schreiten. Schon seit Jahren werden nur noch wenige Londoner unter den Eigentümern dieser Häuser zu finden sein. Die meisten Besitzer sind arabische Scheichs. Sie kaufen diese Immobilien als Geldanlage und wohnen höchst selten dort. Bisher ging der Plan auf, denn der Häusermarkt steigt jährlich noch immer zwischen 5-10 Prozent an Wert. Aber das wird irgendwann zu Ende sein, die Finanzblase wird platzen und man muß kein Anlage Genie sein um zu ahnen, dass der Brexit dies ungemein beschleunigen könnte. Also falls Ihnen diese Villen genauso gut gefallen wie mir, dann warten Sie noch ein paar Monate, bevor Sie den Makler aufsuchen. I’m keeping my fingers crossed for you.

 

Der Triton Fountain ist ein beliebtes Fotomotiv im Regent’s Park. Der Brunnen liegt am Inner Circle, nahe beim Open Air Theatre. Dort ist auch eines der Garten Cafés zu finden. Übrigens versteht der Engländer unter ‘Café’ eher einen Imbiß. Statt Kuchen gibt es Fish and Chips. Und meistens keinen Alkohol.