Der Engländer schreibt Grußkarten für sein Leben gerne. Egal welcher Anlass, jeder freut sich eine zu bekommen. Der Nachbar hat ein neues Auto? Prima, dann schickt man eine Karte. Die Kollegin soll ein Projekt übernehmen? Klar, Karte kaufen und ihr in die Hand drücken. Das habe ich tatsächlich schon erlebt und bis heute die Frage nicht klären können, warum man denn nicht einfach die Glückwünsche verbal übermittelt? Aber das scheint dem Engländer nicht zu reichen. Er will es schwarz auf weiß und wäre schwer enttäuscht keine Karte zu bekommen.

 

Wer eine Karte von der Queen bekommen hat, kann sie den Enkeln und Urenkeln zeigen oder für viel Geld versteigern. Geschmacksache.

 

Jetzt zu Weihnachten ist Karten-Hochsaison. Auf einige Dutzend sollte man es bringen (verschicken/erhalten); geborene Insulaner, wie George, schaffen auch deutlich mehr. Da wird das Schreiben natürlich zu einer aufwendigen Übung und damit das nicht passiert, begnügt sich der Empfänger mit dem Namenszug, den man schwungvoll unter den vorgedruckten Text platziert. In England ist das besonders praktisch, denn die Leute kennen nur den Vornamen. Das reicht aus. Viel wichtiger ist die Karte selbst. Die sollte bitte einen guten Witz enthalten. Selbst Beileidsgrüße vermitteln oft wenigstens ein gefühltes ‘hellgrau’.

 

Labour Boss und Oppositionsführer Jeremy Corbyn wählte dieses Mal eine elegante weisse Taube. Ich brauchte etwas Zeit, um das Tier zu entdecken. Eine schöne Karte, aber für den englischen Geschmack etwas langweilig. Wo ist denn da der Witz?

 

Großes Interesse finden die Christmas cards der Prominenten. Kein Politiker kann auf seine special edition verzichten. Gerne wird da ein Foto der Familie auf die Vorderseite gedruckt. Kind und Kegel, Hund und Ehefrau posieren in bunten xmas jumpern vor einem Weihnachtsbaum. Aber das ist nicht gerade sehr einfallsreich. Ein bißchen komplexer darf die Botschaft schon sein. Und dieses Jahr hat vielleicht David Cameron den Vogel abgeschossen. Der Ex-Premierminister und seine nicht minder prominente Frau Samantha, genannt Sam Cam, haben den Cartoonisten vom Daily Telegraph um Hilfe gebeten. Er hat den beiden eine Karte in seinem ureigenen Stil gezeichnet und die wird jetzt an Freunde tausendfach veschickt. Falls wir so eine bekommen, dann wird sie ganz vorne auf dem Kaminsims ihren Platz finden.

 

Die Weihnachtskarte der Camerons wurde von Matt Pritchett gezeichnet. – Der Ex-Premier und seine Frau zeigen ganz schön viel Selbstironie, genau so mögen es die Engländer. Merry Christmas to you all!