Er ist ein unkomplizierter Mensch und deshalb dürfen wir ihn auch alle mit seinem Vornamen ansprechen. Christo ist der Künstler, der u.a. den Reichstag in Berlin attraktiv einpackte und damit große Wirkung erzielte. Ich gehörte damals zu den Leuten, die nicht sofort von der Idee der Verhüllung begeistert waren. Aber ich habe meine Meinung geändert. Die meist ziemlich großen Projekte von Christo sind spannende Kunstwerke, denn sie helfen uns ein ganz neue Sicht auf Altbekanntes zu werfen. Jetzt hat sich Christo in London angemeldet, im Juni 2018 wird er dort seine erste Installation präsentieren. So mancher Londoner reagiert ähnlich wie ich es damals tat, und fragt sich wozu es gut sein soll. Zur Zeit sind eigentlich genug Gebäude in der Stadt unter Zeltplanen verdeckt, denn es wird gebaut und restauriert. Beim Parlamentsgebäude leckt es durch das Dach, Big Ben bekommt einen Aufzug und die Royal Albert Hall scheint auch von Grund auf renoviert zu werden. Es wird nicht lange dauern und dann rücken die Bauarbeiter im Buckingham Palast an. Wird Christo da überhaupt noch auffallen, wenn er sein Werk präsentiert? Ja, ganz sicher.

 

 

 

 

Es handelt sich, wie so oft bei ihm, um ein ziemlich großes Ding. Er wird eine Art Pyramide auf ein Floß in die Serpentine stellen. Das ist einer der großen Teiche im Hyde Park. Es handelt sich um eine sogenannte Mastaba, das ist ein Grabbau, ein Vorgänger der alt-ägyptischen Pyramide. Als Bausteine dienen ihm Fässer, insgesamt über 7.500, die aufgeschichtet werden. Das Floß ist 30 x 40 Meter groß und der Körper wird dann an die 20 Meter hoch sein. Trotzdem wird er nur 1% der Wasseroberfläche bedecken, denn das war für die Schwimmer wichtig, die ganzjährig in der Serpentine baden gehen. 

 

 

Christo ist inzwischen über 80 Jahre alt, aber fit genug um sich selbst um die Aufbauarbeiten zu kümmern. Er hat einer englischen Tageszeitung ein Interview gegeben und viele seiner Antworten gefielen mir gut. Sein Konzept, -Aufbau, Ausstellung, Abriß-, unterscheidet sich grundlegend von der Arbeit anderer Künstler. Christo sagt dazu: “I have no reason to justify myself as an artist. I cannot explain my art. Everything I do professionally is irrational and useless. I make things that have no function – except maybe to make pleasure.” Das ist eigentlich genau das Lebensmotto der Engländer, die werden ihn lieben. Er hat natürlich Recht, wenn er darauf hinweist, dass es für sein Ausstellungen keine Tickets gibt, keine Reservierungen, keine Besitzer und das jeder eingeladen ist sich das Werk anzusehen; es ist ein temporäres Geschenk an die Londoner und alle Besucher. “Artists – and above all architects – seek permanence,” sagte er. “I don’t. I like leaving nothing. That takes courage.”

Christos Frau, Jeanne-Claude, starb vor einigen Jahren. Beide wurden am selben Tag geboren, nämlich am 13. Juni. Sogar das Jahr ist identisch. Dieses Jahr wird Christo dann also seinen 83. Geburtstag in London feiern. Da könnten wir uns eigentlich zusammen tun, denn am Vortag springt der Zähler meiner ganz persönlichen Jahresuhr um ein Feld vor.