So werden die Pendler genannt, die jeden Morgen mit dem Zug nach London zur Arbeit fahren und abends wieder zurück. Manche wohnen ganz an der Küste und nehmen die einstündige Fahrzeit ohne Murren hin. Einerseits können sie sich in London sowieso kein Haus leisten und andererseits lebt man in East Sussex am Ärmelkanal ohnehin viel gesünder. Trotzdem wundert mich die Geduld, die die Pendler täglich zeigen. Sie haben sich längst mit den langen Abwesenheiten während der Woche arrangiert, nehmen die Unbequemlichkeiten der englischen Zugverbindungen klaglos hin, -ich sage nur Verspätungen, Überfüllung, wochenlange Streiks … -, und was ich kaum glauben konnte, für all das zahlen sie unfassbar hohe Preise. Gerade hat wieder eine der inzwischen längst privatisierten Bahnbetreiber seine Ticketpreise erhöht und damit erstmals die 10.000 Pfund Grenze überstiegen. Gemeint ist damit, dass die Pendler dieser Strecke für ihr Jahresabo sage und schreibe diese stolze Summe zahlen müssen. Das sind pro Monat 833 Pfund, also aktuell 900 Euro! Das muß man sich mal vorstellen. Gut, das ist jetzt richtig teuer, aber mit mehreren hundert Euro pro Monat muß man als Pendler rechnen. Aber wenn die Engländer darüber nicht Jammern, dann sollte ich es auch nicht machen. Und eigentlich will ich ja auch von ganz anderen ‘commuter’ erzählen. Es gibt nämlich Neuigkeiten vom Buckingham Palace. Dort, bzw. ganz in der Nähe, werden ab sofort täglich Schafe im Einsatz sein. Sie werden jeden Morgen von den Docklands zum Green Park gefahren und kehren abends in ihren Stall zurück.

 

Ab sofort muß sich der Tourist entscheiden. Household Guards beim Wachwechsel zusehen oder lieber Commuter Sheep fotografieren?

 

Ein Projekt bei dem Prinz Charles ganz wesentlich die Finger im Spiel hatte. Statt Rasenmäher sollen die Schafe den Rasen kurz halten. Testweise grasen sie zur Zeit im Green Park, das ist sozusagen der Garten des Buckingham Palastes. Die Tiere gehören zu einer inzwischen raren alten Rasse und werden auf der Mudchute Farm in East London gezüchtet. Sie haben einen ‘Arbeitsvertrag’ erhalten, der vorsieht, dass sie von 9 am bis 5 pm in Mayfair (oder ist das noch Belgravia?) grasen. Natürlich nur fünf Tage in der Woche, denn auch ein Schaf muß sonntags ausschlafen. Irgendwie eine ziemlich verrückte Idee, man könnte glauben ein neuer Filmplot für ‘Sean das Schaf’, aber irgendwie auch wieder typisch englisch.

 

Die Mudchute Farm in den Docklands von London. Ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Im Hintergrund die Hochhäuser des Bankenviertels.

 

Wenn sich die Sache bewährt, dann sollen die Woolies auch im Hyde Park und im Regent’s Park das Gras kurz halten. Man hat immerhin schon mal über eine halbe Million Pfund dafür locker gemacht, -natürlich Spendengelder, was sonst ?-, das sollte eine Zeit lang reichen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie demnächst in London den Buckingham Palace besuchen und ein lautes Blöken hören. Gut möglich, dass Ihnen ein Schäfer mit seinen Tieren entgegenkommt. Für Fotografen sogar eine besondere Freude, denn endlich kann man ein Foto vom Palast machen, das nicht schon achthundertmillionen Mal gezeigt worden ist. 

 

Die blökende Bande fällt auf. So manches Londoner Schulkind hat noch nie ein lebendiges Schaf gesehen.