Seit über 10 Jahren verfolge ich Snooker im Fernsehen (Eurosport) mit großer Begeisterung. Bei Snooker handelt es sich um eine Billardvariante, die in England bzw. im  gesamten Britischen Empire überaus populär ist. Ich bin inzwischen eine Kennerin des Sports und der Szene geworden, wenngleich ich auch niemals ein Match selbst besuchen konnte. 

Gestern abend nun fand das Finale des UK Masters im Alexandra Palace, im Norden von London, statt. Der mir über alles sympathische Shaun Murphy spielte gegen den nicht minder charmanten Australier Neil Robertson. Seit Beginn des Turniers in der letzten Woche drückte ich Shaun beide Daumen und er schien mir diesmal fest entschlossen den Titel zu holen.

shaun
Sympathisch! Der englische Snooker Star Shaun Murphy.

Wir, George und ich, hatten es nicht weit bis zum “Ally Pally”, wie der Londoner den Veranstaltungsort gerne nennt, der bis auf den letzen Platz ausverkauft war. Man hatte die Besucher zusammenrücken lassen, sodaß schließlich 1.700 Zuschauer Platz fanden. Eine tolle Stimmung und ich war fest im Sattel, denn Snooker ist mir wie gesagt bestens geläufig. Selbst George war beeindruckt, denn ich wußte wann es Zeit war laut aufzustöhnen und wann frenetischer Beifall angemessen war. 

autogramm
Obwohl es um viel ging, hatte Shaun Murphy Zeit für Autogramme.

Snooker ist ein Gentleman-Sport und nomalerweise ist es totenstill während der Spiele. Das Londoner Publikum ist aber dafür bekannt, dass man gerne den eigenen Mann lauthals anfeuert und das wurde auch gestern abend hemmungslos gemacht. “Come on, Shaun, show ’em who’s Boss“. Der Engländer Murphy war ganz klar der Favourit, aber er zeigte auch Snooker vom Feinsten. Fast fehlerfrei, mit zahlreichen longpots der Extraklasse, gewann er deutlich mit 10:2. Und damit ist Shaun Murphy nun auch einer der wenigen Spieler, der die “Triple Crown” (Masters, WM und UK Championship) gewonnen hat. Endgültig gehört er nun zu den ganz Großen im Snookersport und ich kann ihm nur gratulieren.

Sehr gelacht wurde, als Shaun nach dem Spiel interviewt wurde. Seine Verlobte war unter den Zuschauern. Sie ist es noch ganz und gar nicht gewöhnt im Mittelpunkt der Aufmersamkeit zu stehen. Überglücklich, aber etwas scheu, applaudierte sie ihrem Sieger zu, der sich mit Mikrofon in der Hand zu ihr umdrehte und sagte: “Don’t think it’s always like this, honey“. – George nickte zustimmend in meine Richtung. Was soll das nun bedeuten?

sieger
Congratulations! Shaun Murphy hat das Masters gewonnen und damit die Triple Crown. Das stolze Preisgeld von gut 260.000 Euro, -für das Masters-, zeigt die Bedeutung des Snookers in England.

Wegen des klaren Ergebnisses, war der Abend früher als erwartet zu Ende. Wir gingen noch ein Stück durch den Park, in dem das Alexandra Palace steht. Es ist ein Freizeitpark, der vieles zu bieten hat. Hier gibt es einen besonders großen Wochenmarkt mit frischen Obst und Gemüse; ein ‘garden centre’, ohne das der Engländer nicht leben kann; einen öffentlichen Golfplatz und eine ‘herd of fellow deer’! Man hält hier tatsächlich eine große Gruppe Damwild, die den Rasen im Park kurzhalten soll. Ich bin völlig von den Socken, denn der Park ist keine 4 km von George’s Haus entfernt. Das ist ja fast wie im Duvenstedter Brook.

Hirsche im nördlichen London, Haringey, Alexandra Park
Hirsche im nördlichen London, Haringey, Alexandra Park

George hat inzwischen etwas anderes entdeckt und kündigt an, daß wir uns unbedingt den 3. April merken müssen. Dann wird im Park das ‘Springfest‘ gefeiert, das ein original ‘German Bier Festival’ sein soll. Ein Blick auf das ‘VIP package for just £35’ läßt Schlimmes ahnen.

Für die stolzen 46 Euro erhält man einen ‘garantierten Sitzplatz’ und das “Special German themed menu“, akkustisch begleitet von der “Oompah Band”:

  • 1 x pint of Meister German Pils or a 187ml of Red or White wine
  • Main Course Bratwurst
  • Sauerkraut
  • Fritte
  • Remoulade Sauce
  • Dessert Apple Strudel and whipped cream 

(Abgeschrieben vom Einladungs-Flyer, inkl. aller Schreibfehler.)

Na Mahlzeit! Nach den Bildern aus dem Vorjahr zu urteilen, muß es der Versuch sein, das Münchner Oktoberfest nachzuahmen. Und das Kampftrinken ist auch dem Engländer geläufig, er nennt es nur anders: “binge-drinking”

Gleich mal eine andere Verabredung am 3. April festzurren; dann bleibt mir diese Peinlichkeit erspart. Aber die Hirsche besuche ich ganz bestimmt. Und George kann dann das ‘garden-centre’ solange erkunden, wie es ihm Spaß macht. Da ist er ganz Engländer. Der Garten, seine Pflege, das Anpflanzen von Obst und Gemüse (!) ist das Größte überhaupt und wird auch von ihm ganzjährig mit Begeisterung verfolgt. Allerdings hat er, -wie alle Engländer-,  keinen grünen Daumen sondern “green fingers“. 


Übrigens hat das ‘garden-centre’ natürlich 7 Tage in der Woche geöffnet. Das ist in London ganz selbstverständlich. Und ja, es gefällt mir. 

Und noch eine Anmerkung: Das nächste offizielle Snooker Tournier, mit allen großen Stars, also auch Shaun Murphy und Neil Robertson, findet in Berlin statt! Dank Eurosport ist inzwischen auch ein German Masters etabliert worden! Vom 4.-8. Februar, im Tempodrom, kann man allerfeinstes Snooker hautnah erleben.