Die Engländer sind konsequent und das mag ich. Da wird nicht rumgeeiert; wenn einer die Regeln misachtet, dann wird er zur Verantwortung gezogen. Das gilt ganz besonders im Straßenverkehr. Kommen Sie bitte nie auf die Idee, mal eben das Auto im Halteverbot abzustellen. Man wird es entdecken und dann kann es richtig teuer werden. Letztens war ich bei Bekannten in East Finchley. Sie wohnen in einer ruhigen Straße, die inzwischen nur noch den Anliegern freies Parken erlaubt. Jeder Haushalt hat eine Plakette für den eigenen Wagen zur Verfügung und eine zweite für Besucher. Genau diese wollte ich mir abholen und als ich dann zum Auto zurückkomme, da sehe ich schon den Strafzettel unter dem Scheibenwischer. Die Polizistin stand nicht weit weg, war aber nicht zu erweichen. Nächstes Mal werden meine Freunde am Straßenrand stehen müssen, damit sie mir sofort die Plakette geben können.

 

In East-Finchley (Borough Barnet) können nur Anlieger tagsüber parken. Nachts und sonntags kostet es Gebühr.

 

In Londons Innenstadt geht man schärfer gegen Falschparker vor. Da wird der Wagen entweder mit einer Radkralle versehen oder gleich abgeschleppt. Man muß hart durchgreifen, denn die Straßen sind eng, der Verkehr ist gewaltig und jeder Falschparker bringt das ganze System zum Kippen. Gebiete wo die Kralle eingesetzt wird, warnen mit Schildern: Warning! Wheel clamping in operation. Nehmen Sie das bitte ernst, denn monatlich werden so um die 9.000 Fahrzeuge per Kralle still gelegt. (Da sind dann allerdings auch Steuersünder dabei, die auf diese effiziente Weise schnell von der nötigen Zahlung überzeugt werden.) Was macht man aber, wenn dann doch das gelbe Metallstück am Rad hängt? Nun, dann hat man hoffentlich auch einen großen gelben Zettel an der Windschutzscheibe. Das ist das sogenannte INF32 leaflet und darauf sollte eine Telefonnummer notiert sein. Rufen Sie einfach dort an. 

 

In East-Finchley (Borough Barnet) können nur Anlieger tagsüber parken. Nachts und sonntags kostet es Gebühr.

 

In Kensington oder Belgravia kann es passieren, dass das Auto gleich abgeschleppt wird. Natürlich droht das einem auch in Soho, kurz vor der St Paul’s Cathedrale oder am Buckingham Palace. Also überall, wo es keinen Parkraum gibt. Ist das Auto futsch, dann muß man erst einmal herausfinden, wohin es gebracht wurde. Am besten geht man zum nächsten Polizeirevier. Entweder sie wissen es oder die freundlichen Beamten nehmen gleich ihre Anzeige auf. Denn dann war wohl ein Dieb am Werk. Nehmen wir an, die Polizei hat ihr Auto in Beschlag genommen, dann entschuldigen Sie sich erst einmal. Und zwar ausgiebig, also mehrfach. Anschließend murmeln Sie: “I have learnt the lesson”. Dann ist alles vergeben und Sie müssen nur noch bezahlen. Das geht auch bei der Polizei mit Smartphone und Kreditkarten App. Besser ist es aber, man hält sich streng an alle Vorschriften.

 

Die Ausrede ‘die anderen mache es doch auch …’, zählt nicht. Zum Glück, möchte ich hinzufügen. – Hier wurden Parker in Westminster ‘gekrallt’.

 

Der Londoner Verkehr wird lückenlos per Video überwacht und es fällt sofort auf, wenn ein Auto eine Brücke befährt, obwohl der Fahrer für das Fahrzeug noch keinen Zoll entrichtet hat. Dann flattert am nächsten Tag die Rechnung in den Briefkasten. Technisch ist das alles sehr ausgefeilt, denn man nutzt Hochgeschwindigkeitskameras. Sie erfassen fehlerfrei jedes Nummernschild, identifizieren es und gleichen es gegen Datenbänke ab. Seien Sie sich also immer bewußt, dass die Polizei virtuell auf dem Beifahrersitz mitfährt. Eigentlich finde ich das ganz gut, und auch der Engländer hat gegen diese lückenlose Überwachung nichts einzuwenden, denn es ist ein gerechtes System. Wer sich an die Regeln hält, hat nichts zu fürchten, aber Rowdies und Schwarzfahrer werden erkannt und müssen sich verantworten. Yes, that’s alright.