Gerne spreche ich vom Engländer. Dieser fiktive Musterbrite, genannt ‘John Doe’, muß sich alle meine Klischees überstreifen lassen. Das gleiche gilt natürlich auch für sein deutsches Pendant, der mir vertrauter ist und dem ich wohl deshalb manche Eigenart durchgehen lasse. Dem Deutschen sagt man nach, dass er ziemlich ‘verkopft’ durchs Leben rennt. Hätte er die Wahl, sofort ins Paradies einzuziehen oder erst einmal darüber zu diskutieren, dann wird er die Gesprächsrunde wählen. Da würde sich der Engländer anders entscheiden.

Allerdings kennt auch der Engländer Situationen, wo er sich lieber theoretisch mit einer Sache auseinandersetzt. Zum Bespiel wenn es um Sex geht. Seine Schüchternheit lässt ihn vor der Schlafzimmertür kehrt machen. Das befriedigt natürlich nicht seine Neugier. Die verführt ihn dann kurz über lang zu erotischen Gedanken oder gar Aktionen, die sich schnell seiner Kontrolle entziehen. Und so kann es dann passieren, dass sich der Engländer in aller Öffentlichkeit ‘exhibitioniert’. Bevorzugt im Pub, in der Underground oder mitten auf dem Trafalgar Square. Da legt er dann los, stets in der Absicht alle glücklich zu machen. Engländer sind geborene Schauspieler, die keine größere Freude kennen, als das Hineinschlüpfen in eine möglichst absurde Rolle. Wenn dann der ganze Saal lacht, dann freut sich der Spaßvogel von ganzen Herzen. Er hat nicht etwa einen Statusverlust erlitten, nein, er wurde gerade zum Helden des Abends. Alle werden noch tagelang über ihn reden, sich immer wieder die Lachtränen abwischen und vergnügt sein. Und genau das war der Zweck.

 

Mitten im Weihnachtskonzert tritt David Walliam im Cake Costume auf. Weder der Chor noch der Dirigent hatten eine Ahnung.

 

Und dann doch noch ein Versuch es zu erklären:

Der Engländer ist sich stets des ‘inneren Kindes’ bewußt und gibt ihm regelmäßig Nahrung, Freiraum und Anerkennung. Während der Deutsche es anstrebt, diesen Teil seiner Persönlichkeit ab dem Erwachsenenalter zu ignorieren, pflegt der Engländer lebenslange Freundschaft. Mir hat es ungeheuer gut getan, als ich es in England erleben und vor allem ausleben konnte. Diese tägliche Übung, hat mich nachhaltig gesunder gemacht. Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Allerdings stoße ich in Deutschland damit nicht immer auf Verständnis. – Und in England würde ein Erklärungsversuche wie dieser Anlass sein, die rechte Augenbraue ein kleines Stück hochzuziehen 😉