Der Brite, sein Humor und das leckere Bier sind eine brisante Mixtur, die regelmäßig explodiert. Besonders oft nach dem abendlichen Pubbesuch, wenn unbedingt noch irgend ein Blödsinn auf dem Heimweg verzapft werden muß. Das rundet den Abend erst richtig ab. Und in dieser Disziplin übt sich nicht alleine die Jugend. Ich erinnere mich an die Alt-Herrenrunde, die um Mitternacht einen Dinosaurier auf die Straße stellte und damit eine ganzes Dorf um den Schlaf brachte (siehe ‘Ganz schön witzig’). Jetzt ereignete sich etwas ähnliches hoch im Norden. Dort ist Farmland und obwohl es noch Januar ist, stehen bei den Bauern bereits viele hochschwangere Kühe im Stall. Jeden Moment kann es losgehen, die Kälber 2018 wollen geboren werden. Und deshalb haben die Farmer in diesen Tagen einen besonders leichten Schlaf, immer hören sie mit einem Ohr in Richtung Kuhstall. So auch ein Jungbauer, 24 Jahre alt, der in diesen Tagen immer noch eine Kontrollrunde über das Hofgelände geht, bevor er sich schlafen legt. Dabei blickt er natürlich auch noch einmal in den Kuhstall. Und da sieht er etwas im Heu liegen, dass ihn furchtbar erschreckt, denn er erkennt das exotische Tier sofort.

 

 

Es hat sich ein ausgewachsener Tiger in den Stall geschlichen! Der Bauer muß erst einmal tief einatmen und kann dann mit zitternder Hand, aber ziemlich geistesgegenwärtig, ein Foto machen, dass er anschließend der Polizei postet. Die sind nicht minder überrascht, denn sie wissen nichts von einem entlaufenden Tiger. Und wo ist der eigentlich entwischt? Weder ein Zoo noch ein Zirkus ist in der Nähe, allerdings weiß auch niemand so genau, wie weit hungrige Großkatzen nachts laufen können. Der Farmer kann seine Aufregung am Telefon nicht unterdrücken und die Beamten nehmen seine Meldung sehr ernst. Besonders als sie das Foto sehen. Sofort machen sie sich auf den Weg und alarmieren auch gleich die Spezialeinheit. Man muß wissen, dass in Groß Britannien trotz Terrorangriffen die ‘normalen’ Polizisten noch immer auf Waffen verzichten.

Vor Ort berät man sich mit den Kollegen. Soll man versuchen das Tier einzufangen? Soll man es lieber gleich erlegen? Wie gefährlich ist ein Tiger und was passiert mit den Kühen? Alleine die nächtliche Aufregung tut den werdenden Tiermüttern nicht gut. Es kommen immer mehr Polizisten auf dem Hof an, leider hat aber niemand irgendwelche Erfahrung im Umgang mit Großkatzen. Dann verteilt man sich rund um die Scheune. Egal was passieren wird, der Tiger soll auf keinen Fall entweichen. Schließlich, nach fast 45 Minuten, wird der Zugriff gestartet. Der nervenstärkste Kollege öffnet das Scheunentor, nur einen kleinen Spalt breit, und nähert sich vorsichtig der Raubkatze. Die liegt noch immer ganz ruhig auf dem Boden, dreht den Polizisten den Rücken zu und hat offensichtlich die im Heu liegenden Kühe fest im Blick. Nicht gut, das ist alles nicht gut. Zum Glück sind Schotten alles andere als ängstlich. Wer Nessie aushält, kann auch einem Tiger ins Auge sehen. Schritt für Schritt nähert sich der Polizist und schließlich ist er nahe genug herangekommen. Wird er schießen? Nein, er lässt die Waffe sinken, geht noch einen Schritt weiter nach vorne und fängt dann lauthals an zu lachen.

 

Da liegt ein lebensgroßer Tiger im Stall, allerdings ist Pussy aus Plüsch. Wer ihn hier hinlegte ist bisher unbekannt und wird es wohl auch bleiben. Aber wenn man es unbedingt herausfinden will, sollte man vielleicht im Pub mit der Spurensuche beginnen.

 

Der Farmer kann einem ein bißchen leid tun. Seine Geschichte wurde sofort in ganz England bekannt und mit Begeisterung im Fernsehen erzählt. Schnell beteuerte er, dass er nüchtern war, nichts trinkt solange die Kühe ihre Kälber nicht zur Welt gebracht haben. Etwas verlegen sagt er dann: “I had absolutely no doubt it was real. I got a hell of a scare. I was worried it was going to eat all my cows before police managed to shoot it.” Die Polizisten trösteten ihn, versicherten ihm “you really did everything right”. Und dann stiegen sie in ihre Autos und fuhren zur Wache zurück. Dort angekommen, schrieben sie ins Protokoll: Roaring shift.