Während der Durschnittsengländer sich auf seine zwei Wochen Sommerurlaub an der Küste vorbereitet, wahlweise auch Mittelmeerraum, verabschiedet sich das Parlament für ganze neun Wochen in die Ferien. Vorher muß noch ein sehr englisches Problem geklärt werden: The Big Mac problem. Nanu, dachte ich mir, hat die immer stärker um sich greifende Übergewichtigkeit (jeder vierte Erwachsene ist fettleibig / obese) inzwischen auch die Politiker erreicht? Weit gefehlt. Engländer denken beim Namen Mac nicht sofort an die Bouletten, sondern eher an die Nachbarn in Schottland oder Irland. Dort fangen viele Namen mit ‘Mac’ oder ‘Mc’ an. Und das bringt das ganze schön austarierte Gleichgewicht im House of Parliaments durcheinander.

Bei jeder Abstimmung werfen die Abgeordneten ihre Stimmkarten in eine Box. Davon gibt es drei und davor bilden sich lange Schlangen. Die beliebten queues. Das ist für den Engländer an und für sich keine Herausforderung, im Anstehen hat er Übung. Aber man ist es leid, dass die Warteschlange an der Box für die Namen G-M  immer die längste ist.

Was tun? Einer schlug vor eine neue, vierte Box nur für die Macs aufzustellen. Das erschien anderen zu priviligiert, man fand es einfacher, wenn alle Macs künftig ihre Wahlzettel in die N-Z Urne werfen. “The easiest way to do this would be to consign all members whose surname begins with Mac to the outer darkness of the N-Z queue.” Das würde aber das Grundproblem nur verschieben, denn dann wäre eben vor dieser Box das Warten lang. Schließlich, nach langen Nachdenken, kam Mr Grayling auf die perfekte Lösung. Man wird nicht die Namensträger Mac verbannen, sondern die erste Box um den Buchstaben G erweitern. Perfekt!

Das der Sommer naht und damit auch das Nachrichtenloch, -wetten das Nessie demnächst auftaucht-, merkt man auch an den Umfragen. Sie werden ‘spezieller’. Gerade wollten die Statistiker wissen, welchen Dialekt man am wenigsten mag. Und obwohl alle glaubten zu wissen, wer ganz hinten liegen wird, war es dann doch eine Überraschung. Es waren die Brummies (keine Überraschung), aber noch vor ihnen wurde die Option ‘stumm bleiben’ gewählt. Das ist bitter. Die Schlagzeile lautete: “Brummie accents worse than staying silent, study shows“. Gemein.

In und um Birmingham wird Brummie English gesprochen. Früher nannte man die Bewohner der Stadt Brumms und das hat mit dem alten lateinischen Namen ‘Brummagem’ zu tun. Heute ist Brummie-English bei den Comedians sehr beliebt. Alleine der Dialekt bringt die Leute zum Lachen.

akzent

Als besonders intelligent werden Leute eingeschätzt die den Yorkshire Accent draufhaben. Das ist das sogenannte Queen’s English oder heute auch BBC-English genannt. Wer früher im deutschen Gymnasium acht Jahre Englischunterricht hatte, kann es ziemlich gut nachmachen. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht.

In Nordengland, rund um Newcastle, wird Geordie Accent gesprochen. Sie sagen we anstelle von us und me anstelle von my. Das hat meine Oma auch immer verwechselt. Machte aber nichts, denn sie war die nettere und ich liebte sie für ihre Herzensbildung.

Besonders melodisch und akzentuiert hört sich der Liverpool-Accent an. Man nennt ihn Scouse. Die Menschen in Merseyside reden so. Das Wort scouse ist eine Abkürzung von Lobscouse. Ein altes Seemannsgericht, ja es ist identisch mit dem Hamburger Labskaus!!! (Kein Wunder, daß George es klaglos gegessen hat.)

Und ganz vertrackt wird es in London. Der ‘ur-eingeborene’ Londoner spricht Cockney und das versteht kein Mensch. Nicht das es so ganz anders klingt, nein es ist die komplizierte Wortverdrehung und Unterlassung. Man sagt was ganz anderes als man meint und komischerweise versteht es der andere. Aber nur, wenn er im Umfeld von der Kirche St Mary-le-Bow (City of London) geboren wurde. Wer die Glocken dieser Kirche hören konnte, darf sich Cockney nennen.

le bow
Die Kirche St Mary-le-Bow in der City, Cheapside London EC2V

Meine Beobachtung, dass die Londoner statt ‘th’ einfach ‘f’ sagen ist richtig. Es ist übliches Cockney-English. Aber dann gibt es diese komischen Reime, die sich der Cockney auf alles mögliche macht: Feet reimt sich auf plate of meats. Davon nutzt man aber nur den Anfang, also anstatt feet sagt man plate!!! My plates hurt. Darauf muß man erst einmal kommen. Geplanter Versprecher.

Ein Beispiel ist mir geläufig: I’m on the dog, bedeutet ich telefoniere. Erst jetzt habe ich den Zusammenhang herausgefunden: phone reimt sich auf dog and bone. Irrwitzig. Ob es da wohl ein Lexikon gibt. Ich werde mal nachfragen, wenn ich wieder in London bin.

Und dann gab es noch eine sehr ergreifende Trauerfeier. Das Bild in der Zeitung zeigt ein Dutzend ältere Herren, mit Knautschhut in den Fäusten und traurigen Blick in den See. Dort war die Heimat von einem giant carp namens Two Tone. Der Riesenkarpfen bekam den Namen Zweifarbig aufgrund seines rot-goldenen Schuppenkleides. Er soll 45 Jahre alt geworden sein und wog gut 30 Kilo. Er ist ein fetter Bursche, aber ich kenne zwei Hamburger Angler*), die haben ähnlich große Karpfen aus heimischen Gewässern ans Land gezogen (und wieder freigelassen).

*) Die beiden jungen Männer aus Rahlstedt haben einen fantastischen Film über ihr faszinierendes Hobby gedreht. Ich bin kein Angler, aber die Naturaufnahmen haben mich begeistert. Ich kann die DVD nur empfehlen. Hier bekommt ihr mehr Infos und einen ersten Eindruck: Moments of Adrenaline.

Two Tone war so beliebt bei den Anglern, daß viele alles vergaßen, wenn sie ihm auf den Fersen (? wie sagt man? Flossen?) waren. Wer das Glück hatte ihn an der Angel zu haben, fühlte sich im siebten Himmel. Natürlich wurde der Fisch wieder ins Wasser zurückgesetzt, sobald das Selfie geknipst war. Es gibt glaubhafte Stories von Männern die jeden Termin sausen liessen, sobald sie die Luftblasen von Two Tone im Wasser aufsteigen sahen. Das ist der Grund warum der Nickname des dicken Karpfens marriage wrecker lautete. Ein Ehe-Killer. – Gut, daß George nicht angelt.

Two_Tone
Two Tone war der dickste Karpfen der je in England gesichtet wurde.

To-die yaouw wrote nothen abart me? Nee, heute mal nicht. Fast nicht. Aber im nächsten Beitrag kommst du ganz bestimmt wieder vor.