Eigentlich wollen wir nächsten Mittwoch Geburtstag feiern. Nun ist das Datum plötzlich historisch geworden. Jedenfalls im Kalender der EU27. Ja, sorry, so heissen die jetzt in England. Erfinder des Ausdrucks war aber Donald Tusk, Europräsident. Zählt der jetzt runter? Ganz wie im Kinderlied ‘Ten little Indians’? Aber egal, auch wenn nächsten Mittwoch der Brexit offiziell verkündet wird, findet die Birthday Party ungebremst statt. – Übrigens war der Zeitplan typisch englisch. Wie wurde der Termin angekündigt? Richtig, erst hieß es ‘soon’, dann ‘end of the year’ (2016), dann kam überraschend Weihnachten dazwischen und man legte sich auf ‘beginning of next year’ fest, korrigiert schnell mit ‘first quarter’ und garantierte schlußendlich den verdutzten EU-Bossen ‘during March’. Hat geklappt, eine echt englische Punktlandung.

Ich bin guten Mutes, ich glaube die Briten kriegen das hin und werden sich deutlich wohler fühlen, wenn sie wieder alleine ihre Entscheidungen treffen können. Dieses bürokratische Ringen um einstimmige Ergebnisse ist nicht ihr Fall. Das dauert zu lange, das ist vergeudete Lebenszeit. Und die will mit Freude und Genuss gefüllt werden. Damit beschäftigte sich auch George heute morgen. Er schrieb seinen Terminkalender um, damit er den ‘afterglow’ optimal auskosten kann. Ja, Sie vermuten richtig, es geht um Sex. Wie man auf eine so bescheuerte Idee kommt? Ganz einfach, man überfliegt in der Morgenzeitung die Schlagzeilen und reimt sich den Rest selbst zusammen. Womit nebenbei bewiesen wäre, welchen Stellenwert die Engländer dem EU-Austritt beimessen: keinen. 

 

Der Engländer amüsiert sich über sich selbst. Von Matt Pritchett wurde es auf den Punkt gebracht. – Bei der Umfrage nach den glücklichsten Nationen, belegte Deutschland Platz 16 und England (eigentlich UK) Platz 19.

 

Dabei müsste es momentan politisch eigentlich recht ausgewogen auf der Insel zugehen. Denn die fünf wichtigsten Ämter sind aktuell alle mit Frauen besetzt: Da wäre erst einmal die Queen, dann Theresa May (Premierminsterin), Nicola Sturgeon (First Minister of Scotland), Amber Rudd  (Home Secretary) und Cressida Dick (British senior police officer). Geballte Frauen Power an der Spitze des Staates, wohl erstmals in der Geschichte Britanniens. Und die Damen machen eigentlich alle eine sehr gute Figur. Sowohl im Amt als auch ganz privat. 

 

Theresa May privat mit Ehemann Philip und zu Hause am Kamin. Sie hat Ausstrahlung und Stil.

 

Nein, mir ist um Englands Zukunft nicht bange. Und solange die Briten sich noch selbst so wunderbar auf den Arm nehmen, wie heute morgen wieder im Daily Telegraph zu sehen war, fühle ich mich hier als Gast noch immer sehr wohl. Oder wie George es heute wohl formulieren würde: Es glüht noch.