Von der Queen ausgezeichnet zu werden, ist wohl für jeden eine ganz große Ehre. Das dürfte ein Tag sein, den man nicht mehr vergisst. Für die Königin ist es allerdings eher Alltag. Ich weiß nicht wie oft sie es gemacht hat, vielleicht einige tausend oder zehntausend Mal? Schon seit einiger Zeit überlässt sie die Zeremonie gerne ihren Kinder und Enkeln. Jeder wünscht sich natürlich den Orden aus ihrer Hand zu erhalten aber manchmal sind es die königlichen Gastgeber, die sich um einen Termin drängen. So war es jedenfalls letzte Woche, als Kylie Minogue mit dem Britain-Australia Society Award geehrt wurde. Da war Prince Philip nicht mehr zu halten,  denn er ist bekennender Fan von Kylie. Zum Glück ist er auch Patron der Britisch-Australischen Gesellschaft und damit kam natürlich niemand anders infrage. Was die beiden dann miteinander geredet haben ist nicht bekannt, aber es wurde hemmungslos gekichert. “Laughing and joking throughout the meeting.” 

 

Kylie Minogue erhält ihre Auszeichnung von Prinz Philip in Windsor überreicht.

 

Philip ist für seinen deftigen, oft auch schrägen, also britischen Humor bekannt. Wo immer er auftaucht umlagert ihn die Presse und wartet auf wenigsten einen königlichen faux-pas. Ich bin fest davon überzeugt, dass ihm das keineswegs versehentlich passiert, sondern dass er stets in seiner ‘Rolle’ ist. Er spielt nicht grundlos den Witzbold, den nur allzumenschliche Ehemann und den royalen Prinzen, der dem Protokoll wenig Bedeutung beimisst. Denn dadurch lässt er sich und seine Frau sehr normal und sehr sympathisch erscheinen. Er gibt der Queen damit viel Spielraum und das weiß sie zu schätzen. Die beiden sind ein verdammt gut eingespieltes Team. Das sollte man nicht unterschätzen. Philip trägt mit seinem Humor massiv zur breiten Akzeptanz des Königshauses bei. Andererseits muß er sich wohl nicht sehr verstellen, denn er scheint mir ein wirklich sehr netter Mann zu sein, der nie die Bodenhaftung verloren hat. Oder wie Kylie es nach ihrem Besuch in der Berkshire Residence in Windsor formulierte: “His Royal Highness the Duke of Edinburgh was absolutely lovely. We had a good old chat. He was charm personified.”

Und dass das nicht übertrieben war, bewies Prince Philip in diesen Tagen in London. Er verblüffte nicht nur die Presse mit der Mitteilung, das er sein privates Auto nun aufgeben wird, weil es kostspielige Reparaturen benötigt. Der Wagen, ein dieselbetriebener Ford, ist immerhin fast 18 Jahre alt und kommt dahin, wo er hingehört: In das Sandringham Museum, wo einige royale Autos schon auf ihn warten. Die eigentlich Sensation war aber das Auto selbst. Es ist nämlich eine dunkelgrüne Londoner Taxe, die man überall auf der Strasse sieht! Kein Panzerglas, keine Extras. Gut, inzwischen haben die Taxifahrer neuere Modelle, aber einige Metrocabs mit diesem Design fahren noch immer herum. Das ist wieder so ein typischer Philip Witz. Da kurvt er seit fast zwei Jahrzehnten in einer Taxe durch London und niemand erkennt den Mann am Steuer. Offiziell gehörte der Wagen einem Angestellten, aber das war nur eine kluge Vertuschungsstrategie. 

 

Kein Witz. Diese Taxe war seit 1998 das private Auto von Prinz Philip. Ein Taxenschild scheint er allerdings nicht gehabt zu haben.

 

Seine Autoschlüssel will Philip allerdings noch nicht an den Nagel hängen. Ein neues Auto ist schon bestellt und alle rätseln ob es wieder ein Taxe sein wird. Auf der Webseite der Royal Garages wurde aktuell veröffentlicht: “HRH The Duke of Edinburgh’s taxi, which he used for travelling to both official and private engagements in London, has arrived at Sandringham.” Die (echten) Londoner Taxifahrer haben mit geteilter Freude reagiert und meinten sie würden den Duke auch gerne gegen Geld in London herumfahren. Aber das würde vielleicht Elizabeth nicht recht sein, denn die Queen gilt als sparsam. ‘Spinning around in London in a taxi’ ist in ihrem Budget nicht vorgesehen.

 

Als vor einem Jahr die Obamas auf Staatsbesuch in London waren, staunte der Präsident nicht schlecht, als sich der damals 94-jährige Duke ans Steuer setzte und von Heathrow nach Windsor kurvte. Einzig die Queen schien die Fahrt zu genießen. Die Gäste wirkten angespannt. Ihr Sicherheitsservice war kurz vor dem Herzinfarkt.

 

Philip gilt übrigens als ‘sportlich ambitionierter’ Fahrer. Genau wie seine Frau, die hat sich allerdings noch nicht in der Kurve überschlagen und fing auch keine handfeste Auseinandersetzung mit einem Taxifahrer an. Allerdings waren das Jugendsünden von Philip, denn in letzter Zeit wurde nichts derartiges bekannt. Aber das die angestellten Chauffeure im Buckingham Palace dem Boss nur höchst ungern das Auto überlassen, ist kein Geheimnis. Ein Fahrer gab zu: “There is a general reluctance to have Philip take out any of our beautifully kept cars, which might be returned to us with unsightly dents and buckled fenders.” Weil ich mir selbst auch gerade ein neues Auto geschenkt habe, freue ich mich besonders für HRH. Bin gespannt womit er demnächst herumkurven wird, auf jeden Fall sollte man auf Londons Straßen auch mal in die unauffälligeren Autos blicken. Wer weiß wer da am Steuer sitzt. Und deshalb wünsche ich ihm, allen Lesern und mir selbst: Enjoy yourselves and have a great ride

 

2005: Prince Philip hat die Zügel in der Hand. Er betreibt die Kutschfahrt als Sport. Inzwischen darf er es nicht mehr. Seine Frau bat ihn letztes Jahr auf den nicht ganz ungefährlichen Spaß zu verzichten.