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Lonely Maggie

Wollen sie die Aufmerksamkeit der Engländer haben, dann erzählen Sie eine Tiergeschichte. Ein Hund sollte die Hauptrolle spielen. Tragen Sie ruhig dick auf, dann werden Emotionen geweckt, das funktioniert. Manchmal auch zu gut, dann kann man die Geister gar nicht mehr einfangen, die man freigelassen hat.

So passierte es letzte Woche in England. Den hundeverrückten Briten wurde eine todtraurige Geschichte per Zeitung und TV erzählt. Ein richtiges Hundeschicksal. Schon die Schlagzeile traf mitten ins Herz: Britain’s loneliest dog wants a new home after 11 years of rejection! Die inzwischen 13-jährige Maggie, Mischling, wünscht sich nichts sehnlicher als ein Zuhause. Schnieeeef. Sie hat ihr ganzes Leben im Tierheim verbracht. Ungefähr 50.000 Besucher hat sie Kommen und Gehen gesehen. Etwa 5.000 andere Hunde wurden in den Jahren vermittelt. Aber niemand hat sie mitgenommen. Immer wurde sie übersehen. Doppel-schnieeeeeeef.

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Am Mittwoch erschien dann dieses gekonnt aufgenommene Foto von der tapferen, aber einsamen Maggie. Ganz England hielt die Luft an, wischte sich eine Träne weg und wurde dann aktiv. Gut, zur selben Zeit waren gerade wieder einige Tausend Flüchtlinge in Südeuropa angekommen und einige Hundert Menschen versuchten die Züge in Calais zu entern. Aber das ist den Briten eher lästig. Und ich bin die letzte, die sie dafür anklagt. Man ist dem sog. Schengen-Abkommen nie beigetreten. Das darf man nicht vergessen. – Bleiben wir lieber bei der einsamen Maggie. Ihr könnte man helfen. Irgendwo wird doch wohl ein Plätzchen für sie sein, das etwas mehr Wärme ausstrahlt, als ihr “Zimmer” im Tierheim.

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The thought of Maggie curled up in front of a fireplace at Christmas time in a nice loving family is just amazing.

Selbst George zeigte größte Aufmerksamkeit, sagte sich dann aber wohl: Ein alte Frau im Haus reicht mir. Zum Glück braucht Maggie ihn auch gar nicht. Schon am nächsten Tag stand das Telefon nicht mehr still. Menschen aus allen Teilen der Insel wollten Maggie gerne aufnehmen. Ein Ehepaar meldete sich aus Kanada und auch ein Angebot aus Neuseeland lag vor. Über Nacht hatte man die Qual der Wahl. Maggie wird ganz sicher das Weihnachtsfest bei ihrer neuen Familie feiern und die Mitarbeiter des Tierheimes müssen sich schon mal auf den Abschied von ihrem langjährigen Gast vorbereiten. “We’d miss her if she found a home because we’ve all formed such a strong bond with her but it would be absolutely wonderful to see her in a nice family home.”

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Und gerade weil die Welt in diesen Wochen Problem mit sich selbst hat, die kaum lösbar scheinen, tun mir Geschichten dieser Art gut. Auch ein Vorteil des Alters, man darf öffentlich trivial sein, ohne Kritik zu ernten.