Am Montag gibt es ordentlich was zu feiern. Am 17. Juli wird Camilla, die Duchess of Cornwall, 70 Jahre alt. Happy Birthday! Und später dazu mehr. Erst einmal widmen wir uns dem zweiten Ereignis, das ebenfalls am Montag, im Hause Windsor, stattfindet. Wahrscheinlich wird es nicht gefeiert, obwohl es ein runder, hunderster Geburtstag ist. Und zwar für die ganze Royal Family. Das passiert auch nicht alle Tage. Werfen wir doch mal einen Blick auf die Ahnen:

 

 

Ja, ich habe ein paar unterschlagen. Die Queen und Ehemann Philip haben auch noch einen Sohn namens Andrew, einen weiteren namens Edward und die Tochter Anne. Aber das wäre zu sehr in die Breite gegangen. Und gleich noch einen Hinweis: Prince Harry wurde auf den Namen Henry getauft. Das ist kein Schreibfehler. Ich hoffe, ich kann Sie damit überraschen. Schließlich gab es wenigsten acht englische Könige mit dem Namen Heinrich und nie einen namens Harald. Eigentlich möchte ich Ihre Aufmerksamkeit aber auf George V lenken. Er wurde 1865 in London geboren und war der Enkel des deutschen Prinzen Albert von Sachsen und seiner berühmten Frau Queen Victoria. George V lebte bis 1936; er war der Großvater von Queen Elizabeth II, die sich gewiss noch an ihn erinnern kann. Nun, dieser George war auch König als die Briten im zweiten Weltkrieg auf den Schlachtfelder Frankreichs gegen den Feind, sprich Deutschland, kämpften. Und das war der Anlass für ihn und seine Familie alle Verbindungen nach Deutschland zu kappen. Dazu gehörte natürlich auch der Name. Der hieß nämlich bis dahin ‘Saxe-Coburg and Gotha’. Mal abgesehen davon, dass das sowieso kein Engländer richtig aussprechen kann, entschied man sich für den viel griffigeren Namen ‘Windsor’. Ich schätze mal nach dem Schloss, im gleichnamigen Städtchen in Berkshire, süd-westlich von London. Diese Namensänderung passierte am 17.07.1917, also vor genau 100 Jahren. Happy Birthday! For a second time. – Was die vielen Handwerker, Schreiber, Künstler, Wäschestickerinnen usw. wohl froh waren. Bis dahin mußten sie stets 18 Buchstaben plus einem Minuszeichen einziselieren und nun waren es nur noch 7 Lettern. Hurra.

 

Elegant, schick, sexy. Camilla ist für Charles der Hauptgewinn. Für mich die wahre märchenhafte Geschichte seines Lebens.

 

Kommen wir in die Gegenwart. Der Geburtstag von der künftigen Königin wird groß gefeiert. Man hat schon letzte Woche angefangen und setzt die Parties nahtlos bis Mitte nächster Woche fort. Das ist, wie ich schon oft geschrieben habe, in England Sitte und deshalb kann ich auch schon heute, am Vortag, gratulieren. Ja, Camilla wird Königin werden, wenn wir mal annehmen, dass Charles seiner Mutter auf den Thron folgen wird. Und nichts spricht dagegen. Offiziell wäre Camilla die Princess Consort, aber Charles selbst betont immer wieder, dass er seine Frau zur Königin machen wird und dann wird sie auch den Titel tragen. Das ist dann tatsächlich seine Entscheidung. 

Lange mußte Camilla warten bis das Volk sie akzeptierte. Heute wird sie geliebt, respektiert, bewundert und man ist froh sie an der Seite von Charles zu haben. Als die beiden heirateten, war sie eine gehaßte Person. Schon die Hochzeit, die für den 8. April 2005 geplant war, stand unter einem ganz schlechten Stern. In letzter Minute wurde die Feier um einen Tag verschoben, denn gerade war der beliebte Papst Johannes Paul II gestorben und dann, wenn ich es richtig erinnere, auch noch Prinz Rainier von Monaco. Und dessen Schwiegersohn lag auch noch mit lebensgefährlicher Krankheit im Bett. Mit anderen Worten, die Welt hatte gerade wichtigeres zu tun, als der Einladung zur zweiten Hochzeit der Briten zu folgen. Und am allerwenigsten Zeit hatte der europäische Hochadel. Irgendwie war das alles ziemlich glanzlos.

 

Für jeden Witz zu haben. Ein Grumpy-Farmer auf dem Gemüsemarkt bittet um seinen Ritterschlag. Camilla erfüllt den Wunsch mit einer Lauchzwiebel. Authentischer Humor.

 

Heute aber steht das Thronfolgerpaar ganz anders da. Heute feiert man Charles und seine Frau. Er wurde in der zweiten Ehe ein glücklicher Mann und das ist niemanden verborgen geblieben. Und sie ist der Motor der ganzen Metamorphose, die da stattgefunden hat. Die Menschen mögen Camilla und sagen es auch: “She is simply by being herself. – She has performed a peerless service to her country. – She is charming, engaging, sincere and fun. – She looks after him and knows how to manage him.” Alles sind sich einig, Camilla ist ein Hauptgewinn für die Monarchie und das sehe ich genau so. Was gibt es Schöneres als ein Paar im reifen Alter, dass sich liebt und glücklich macht? Charles spricht von seiner Frau immer als ‘my darling wife’ und da kann man bestenfalls neidisch werden. 

Charles war nach der Scheidung von Diana ein verbitterter Mann. Er war unsicher, sein Ruf war nachhaltig beschädigt und er galt als herzloser Snob. Seine engsten Mitarbeiter denken ungern an die Zeit zurück, denn damals war die Stimmung um den Thronfolger düster: “The atmosphere around him and his household is nothing like a walking-on-eggshells grimness of the 1990s. And often he shared his father’s salty vocabulary in expressing his displeasure.” Damit ist wohl deutscher Klartext gemeint, das kann der Engländer gar nicht vertragen. – Zum Glück ändern sich die Zeiten und auch wir selbst. Inzwischen sind Charles und Camilla sehr beliebt, nicht nur im Volk sondern auch in der eigenen Familie. Weder mit der Queen noch mit den Stiefsöhnen gibt es irgendwelche Animositäten. Man merkt allen an, dass sie sich miteinander wohl fühlen. Camilla sagte mal, sie hätte sich in Charles verliebt, als sie merkte, dass sie beide über dasselbe lachen können. Eine gute Grundlage für eine gemeinsame Zukunft. 

 

Das Pony Pedro gilt als übellaunig. Aber die Pferdekennerin Camilla kommt mit dem Griesgram sofort in Kontakt. Ihre Liebe zu den Tieren wird von der Queen und Familie geteilt.

 

Camilla ist bodenständig geblieben. Aus guten, ja hochherrschaftlichen Haus, kam es ihr zugute, dass ihre Eltern sie sehr liebevoll aufzogen. Sie mußte zwar auch, standesgemäß, Internate im Ausland besuchen (Schweiz und Frankreich), aber zuhause gab es keine Berührungsängste. Das hat Charles anders erleben müssen. Deshalb gelingt Camilla der Spagat zwischen königlichen Pflichten und Volksnähe so gut. Sie kann beides, muß sich nicht verbiegen. “She is entirely genuine. She likes a drink and a smoke. The Prince has become much more human because of her. She is completely un-grand and treats everyone as an equal.” Stimmt, und dem will ich dann auch nichts mehr hinzufügen.

 

Camilla im Jugend-Reitclub in Brixton, ein Stadtteil im Süden von London. Das ist eine Problemgegend, wo manche Londoner nie alleine hingehen würden. Für Camilla um so wichtiger auch hier Projekte finanziell zu unterstützen.

 

Der morgige Tag kann also aus vielerlei Gründen gefeiert werden. Man kann der Duchess zum Geburtstag gratulieren oder sich über die deutsche Verwandtschaft des englischen Königshauses freuen. Oder man freut sich, wie ich, über den angekündigten Besuch des Freundes. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Nachtrag

Fast hätte ich es vergessen, unsere Kanzlerin hat heute ja auch Geburtstag. Das will ich nicht unter den Tisch fallen lassen, denn schließlich kam sie nicht nur in derselben Stadt wie ich zur Welt, sondern auch noch im selben Jahr. Gerade mal einen Monat nach mir und möglicherweise sogar im selben Bett, denn 1954 gab es in Hamburg gar nicht so viele Krankenhäuser mit Entbindungsstation. Wie auch immer, gestern im sogenannten ‘Sommerinterview’ hat sie bei mir gepunktet. Sie hat sich demonstrativ hinter den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestellt und ihrer eigenen Hamburger CDU Fraktion die Leviten gelesen. Zu recht! Erst verweigern die jede Mithilfe beim G20 und als der dann in die Hose ging, fällt ihnen nicht mehr ein, als den Rücktritt des BM zu fordern. Das war dann doch etwas zu billig. Also liebe Frau Merkel alles Gute zum Geburtstag und viel Erfolg bei der vierten Wiederwahl. Ich glaube ja, das es klappt, aber ich bin kein besonders politisch interessierter Mensch. Was ich allerdings mit Bewunderung festgestellt habe, ist die Verweigerung der Kanzlerin irgend eine Art von Wahlkampf zu machen. Chapeau, damit bringt sie die Gegner in Handlungsnot, denn die müssen jetzt Initiative ergreifen, statt die einfache Tour des Neinsagens zu praktizieren. Ich finde das völlig legitim, denn nach 12 Jahren im Chefsessel muß man sich wirklich nicht mehr erklären. Wir wissen was wir an der Kanzlerin haben und wem es gefällt der wählt sie und die anderen eben nicht. So einfach und kostengünstig kann Wahlkampf sein.