Meine Begeisterung für London ist ungebrochen. In dieser Stadt fühle ich mich geborgen wie in meinem Bett und gleichzeitig verführt sie mich zu Abenteuern, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht habe. In dieser City geht man am Abend aus, man besucht Covent Garden oder die BBC Proms in der Royal Albert Hall. Anschließend etwas essen, dann eine Bar aufsuchen und tanzend die Nacht erleben. Auf dem Heimweg noch einen Abstecher durch Soho machen. 

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Das Londoner Nachtleben ist genau so real wie überall auf der Welt. Aber selbst im Absturz wirkt diese Besucherin noch immer sehr elegant.

Wenn wir mitten in der Nacht oder erst bei Morgengrauen nach Hause kommen, liegt es nicht immer daran, dass wir den Augenblick nicht loslassen wollten. Und es ist natürlich Luxus pur, wenn man Herr seiner Zeit ist. Aber es ist auch nicht selten, dass George ungeplant nachts unterwegs ist, wenn er einen Einsatz hat. Kürzlich brachte er mir von einer solchen Tour ein echte Überraschung mit.

Ganz früh morgens, kurz nach Sonnenaufgang, fuhr er am Richmond Park entlang. Der liegt im südwestlichen London, beim Wimbledon Tennisstadion. George staunte nicht schlecht, als er eine große Herde Damwild auf der Wiese grasen sah, nicht weit von Hochhäusern entfernt (ja, auch in London gibt es Etagenwohnungen, aber die meisten Engländer können auf ihren Garten nicht verzichten, egal wie klein die Fläche auch sein mag.)

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Dafür hat sich die Nacht doch gelohnt, wagte ich zu behaupten. Aber George schüttelte den Kopf. “People become more an more obese and I can cut and slice through a mountain of fat”, schimpfte er. Das Übergewicht, auf englisch ‘obesity’ genannt und deutlich schwergewichtiger als ‘over-weight’, ist inzwischen ein ernstzunehmendes Problem geworden. Man schätzt 25% der Erwachsenen als fettleibig ein. Grund ist der extrem hohe Verzehr von Zucker. In abstrus hohen Mengen findet man den Süßstoff in allen Fertigprodukten, fizzy Drinks, Snacks …

Die Englische Regierung geht massiv dagegen vor. Eine hohe Zuckersteuer ist geplant und Fettleibigen, die nicht bereit sind etwas gegen ihr Übergewicht zu tun, werden alle Sozialleistungen radikal gekürzt. Dasselbe gilt auch für Drogen- und Alkoholabhängige. Wer sich nicht helfen lässt, erhält keine Unterstützung. Harte Maßnahme, aber ich halte es grundsätzlich für richtig, Menschen in die Verantwortung zu nehmen.

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Übergewicht ist in England keine Privatangelegenheit!

London ist laut und romantisch, schön und abstoßend, eine Weltmetropole mit tausenden von urgemütlichen Schrebergärten. Es gibt wunderschöne Dinge zu entdecken, es gibt Sachen die man vielleicht nicht mag oder die man nicht sehen will, es gibt das grelle Licht in Downtown und daneben das zarte Morgenrot, das die Hirsche geweckt hat. 

Alles das ist in London zu finden. Egal was ich gerade entdecke, fast immer scheint es mir authentisch zu sein. Eine Überraschung hat London immer für mich parat, langweilig wurde mir noch nie. Und wenn ich dann zum x-ten Male im Flugzeug sitze, -Fensterplatz (links) ist auf dem Hinflug unverzichtbar-, und die Maschine dann zum Landeanflug in Heathrow ansetzt, dann könnte ich weinen vor Glück, denn dann bin ich wieder Zuhause.

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Was für eine Aufnahme! Sie wurde mit einem Smartphone gemacht als das Flugzeug Heathrow anflog. Die Fotografin Maria Farrelly ist dieses Bild gelungen. Man sieht die Themse, die durch London mäandert. Vorne das kreisrunde Zelt der O2-World, dahinter die Isle of Dog. Darauf die Canary Wharf und diverse alte Dockanlagen. Ist es ein Wortspiel oder ist wirklich die “Hundeinsel” gemeint? Im Hintergrund, wo die Brücken zu sehen sind, ist das House of Parliament. Vorne die Tower- und dahinter die London Bridge.