Dass ich heute Zeit haben würde, einen Blogbeitrag zu schreiben, überrascht mich selbst. Aber natürlich ist alles anders gekommen als geplant. But else it would be a little bit boring. Ich war stramm erkältet und George hatte wohl schon eher die Grippe. Immerhin wachte er heute morgen ohne Fieber auf, dafür aber mit einem Bärenhunger. Das passte sich gut, denn die Entenbrust und der Rotkohl waren längst eingekauft. Eigentlich bereite ich so ein Essen im Schlaf zu, aber heute ging alles schief. Es mag an dem englischen Herd gelegen haben, dessen Bedienung mir nicht ganz so vertraut ist oder es sind die Nachwirkungen der Tabletten, die ich in den letzten Tagen geschluckt habe. Sparen wir uns die Details und kommen gleich zum Höhepunkt. Als ich die Ente gut gegart vermutete und deshalb in die Küche ging, schlugen mir hohe Flammen aus dem Bratofen entgegen! Statt Panik ergriff mich eher leichte Erheiterung; irgendwie fühlte ich mich wie in einer Kinokomödie. Mir schien das alles gar nicht real, inklusive meiner Rolle. Zum Glück war ich gerade noch rechtzeitig gekommen, um sowohl die Ente, als auch die Küche vor einer Weihnachtskatastrophe zu retten.

Merkwürdigerweise regte mich das alles wenig auf. Keine Frage ich war nicht bei der Sache, denn die brennende Marinade war nicht die einzige Panne, die mir unterlief. Die Kartoffeln kochten ohne Salz und, viel schlimmer, ich hatte vergessen eine Soße zu machen! Geflügel ohne dicke Sahnesoße – undenkbar. Eigentlich müßte ich jetzt hektisch werden, in Tränen ausbrechen oder wütend werden. Nichts geschah. Mit Gelassenheit reparierte ich die Baustellen, -statt Geflügelfond gab es fertige Soße aus der Mikrowelle-, und servierte fröhlichen Gemütes das eigentlich sehr lecker aussehende Essen. Als George dann die knusperige Entenbrust erwähnenswert fand, very nice and delicious, lachte ich dann doch lauthals los. Ja, das war sie wirklich, sehr schön braun und knackig.

queen
Weihnachtsansprache der Queen aus dem Buckingham Palace. Punkt 3:00 Uhr saßen 85% der Engländer vorm Telly.

Was glauben Sie wie ein Engländer darauf reagiert, wenn man ihm erzählt, dass man fast sein Haus niedergebrannt hätte? Of course only by mistake. Er strahlt übers ganze Gesicht und lacht sich schief. Eine größere Freude hätte ich George gar nicht machen können. Leckeres Essen und eine brandneue (ha, ha) absurd lustige Geschichte, die man demnächst im Pub zum Besten geben kann. Perfekte Weihnachten, so soll es sein.

Die Queen sah nett aus. Ihre Weihnachtsbotschaft hat mir gut gefallen. Ganz lässig saß sie seitlich an einem Schreibtisch im Buckingham Palace. Darauf drei Fotos ihrer Lieben: Mann, Sohn Charles und Enkel William. Die Rahmen nach Größe abgestuft, ganz im Einklang mit der persönlichen Bedeutung. Ehemann Phillip im vollen Seitenformat. – Danach Kurznachrichten. Und da wurde dann ein Gedankenspiel erwähnt, dass mich lauthals lachen liess. Das war mal wieder typisch englisch und zeigte mir außerdem, dass auch andere gelangweilt zu Hause herumhängen.

sale

Man hat allen Ernstes errechnet was England (UK) in Pfund wert ist. Mit allem Drum und Dran. Dann hat man die Summe durch die Anzahl der Einwohner geteilt und stolz verkündet, das jeder einen Anteil von £125,000 bar auf die Hand erhalten würde. Allerdings nur dann, wenn man auch die Sparguthaben der Engländer mitverkaufen würde. Nun gut, das ist akzeptabel. Kaum jemand hat etwas auf der hohen Kante. Im Gegenteil, die Aussicht die Bankschulden loszuwerden, auf einen Schlag die Hypotheken getilgt zu wissen, zauberte augenblicklich ein weihnachtliches Lächeln auf die Gesichter der Immobilieneigentümer.

Kein Spinner sondern offizielle Stellen haben diese Rechnung aufgemacht. Ich zitiere: “Britain would have a price tag of £8,063,000,000,000 if the whole country – and everything in it – was put up for sale, according to official Government figures. … The total includes the value of all homes in the country, along with all other buildings, machinery, bridges, roads, the shares we own and the money in our back accounts. … It would, of course, leave us all homeless and would be conditional on finding a suitable buyer”. Meinen die das ernst oder bin ich mal wieder auf eine Satire hereingefallen?

Dieses absurde Gedankenspiel, den ganzen Krempel auf einen Schlag zu verhökern, das Land einfach bei Ebay reinstellen und aufs höchste Gebote zu warten, wurde in aller Breite ziemlich ernsthaft von den Moderatoren diskutiert. Nicht schlecht. Erst die königliche Weihnachtsbotschaft und dann der nationale Ausverkauf. Aber wahrscheinlich war es nur eine Satire und ich habe es wieder nicht gemerkt. Denn morgen ist Boxing Day, ein offizieller Feiertag zum Konsumieren. Wer laufen kann ist morgen in einem der Kaufhäuser und schlägt sich um die Super-Boxing-Day Angebote. – Ohne uns, wir sind ganz froh ein Haus zu haben. Mein Kochen hat es uns bewußt gemacht, wir wollen weder vom Staat noch von der Versicherung den finanziellen Gegenwert haben. Und deshalb werden wir es uns jetzt mal ganz gemütlich machen. George im Bett mit fiebersenkenden Tropfen und ich, tief den Mentholdampf einatmend, auf dem Sofa, mit Handtuch über dem Kopf und Wasserschüssel auf dem Tisch. Frohe Weihnachten!