Eine aktuelle Umfrage unter Engländer hat ein schockierendes Ergebnis für alle mothers-in-law an den Tag gebracht. Sie, die Schwiegermütter, sind innerhalb der familiären Rangfolge auf den letzten Platz abgerutscht. Sie wurden deutlich von den Hunden überholt! Also nicht wundern, wenn Barney sein Futter zuerst bekommt.

Mich wundert am Ergebnis eigentlich nur, dass die Hunde an vorletzter Stelle stehen. Ich kenne einige Paare, die getrennte Schlafzimmer haben, was aber nicht für den Hund gilt. Der schläft regelmäßig bei Frauchen im Bett.

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Man’s best friend? Dogs more valued family members than mothers-in-law

Umfragen bzw. deren Ergebnisse sind bei Engländern sehr beliebt. Das gilt wohl auch für uns, oder? Also hopse ich thematisch gleich mal weiter: Kreditkarte. Nur noch 18% des in England ausgegebenen Geldes ist Bargeld. Alle anderen Käufe werden mit der Credit Card getätigt. Das kann ich bestätigen. Ohne Karte kommt man noch nicht mal vom Flughafen weg. Busfahrer nehmen kein Cash an. Wer also in London Urlaub machen will, sollte unbedingt die K-Karte mitnehmen. 

Und noch ein Umfrageergebis, ganz aktuell. Eine Mehrheit von 45% wollen in der EU bleiben. Dagegen sprechen sich 35% für den Austritt aus. Bedenklich ist, dass satte 20% der Engländer in der Frage unentschieden ist. Da ist noch gar nichts klar. Allerdings wird das Referendum erst (frühestens) 2017 stattfinden. Warten wir ab. 

Zurück zum liebsten Freund der Engländer: Der Hund. Wenn ich es mir recht überlege, hat wohl jeder mindestens einen. Na gut, wir haben keinen. Aber dafür leben nebenan gleich zwei …

Ich weiß nicht ob Hunde auch im englischen Recht als Sache klassifiziert werden, im Alltag sind sie ganz sicher ein Familienmitglied. Sozusagen ein weiteres Kind. Neben den eigenen und dem Ehemann 😉 Falls sie mal Blödsinn machen, können sie mit der Nachsicht aller Engländer rechnen. Man verzeiht ihnen alles. Darauf konnte sich auch der Collie, genannt Don, verlassen. Er lebt mit seinem Herrn  Tom Hamilton in South Lanarkshire. Das dürfte schon im südlichen Schottland liegen.

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Tom Hamilton mit Collie Don. Täglich fahren sie im Mini-Trecker ihre Felder ab. Mir fällt auf: Wieso ist der driver-seat links?

Tom ist Farmer und hat als Schotte natürlich Schafe. Was sonst? Weil beide, Hund und Herr, nicht mehr die jüngsten sind, nutzen sie täglich den Trecker, um die Schafe zu zählen. So tuckerten sie dann auch gestern über ihre Weiden, die unmittelbar an der M74 liegen. Eine gut frequentierte Autobahn von Carlisle nach Glasgow.

Als Tom ein kleines Schaf ausserhalb des Weidezauns entdeckte, stieg er kurz ab und half ihm zurück in die Herde. Collie Don nutze den Augenblick und machte sich lang. Dabei kam er wohl aufs Gaspedal. Jedenfalls ratterte der Trecker los.

Schnurstracks fuhr er Richtung Autobahn (rush-hour!) und bog dort nahtlos in den Verkehr ein! Alle bremsten ab, schnell baute sich eine lange Schlange auf. Die vordersten Fahrer staunten nicht schlecht, als sie den Trecker mit Don am Steuer sahen. Der fuhr unbeeindruckt weiter.

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Wenn es sein muß, fährt Don auch alleine den Trecker. – Don du solltest öfter laufen, du bist nicht gerade dünn.

Es dauerte nicht lange und die Polizei wurde infomiert: “Here’s a runaway tractor driven by a sheepdog“. Man rückte aus. Aber inzwische war für Treckerfahrer Don Endstation. Er hatte den Trecker auf dem Mittelstreifen “geparkt”. Niemand kam zu Schaden. Die Autofahrer fuhren mit größter Vorsicht um das Hindernis  herum. Auch die Traffic Scotland (Autobahnpolizei) war informiert worden und nahm die Sache ernst. Sie warnten die Autofahrer noch vor dem Eintreffen der Polizei via Twitter: “J13-RTC due to dog taking control of tractor. Nope, not joking. Farmer & Police at scene in central reservation (Mittelstreifen)”.

Etwas später dann Entwarnung, auch wieder auf Twitter: “N at J13 – Route is CLEAR from earlier incident & dog is fine. Has to be the weirdest thing we have ever reported! No delays in area.”

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Don greets via Twitter with a shame-face, after he caused a traffic chaos.

Inzwischen saß ich alleine am Kaffeetisch. George kümmerte sich um die tägliche Rasur. Dabei hörte ich ihn singen: “The first cut is the deepest“! Das lief gerade im Radio und klar da stimmt man schon mal ein. Aber bei George’s beruflichen Background finde ich das dann doch ganz schön schräg.

Ich lese weiter in der Zeitung: Die Autobahn wurde für die Bergung des Treckers für eine gute halbe Stunde gesperrt. Beschwerden? Nein, nicht wenn es um einen Hund geht. Tom hatte sich sofort entschuldigt. Er hatte ein schlechtes Gewissen,  weil er vergessen hatte die Bremse zu ziehen. Dann ergänzte er erleichtert: “Don was fine and did not bark during the incident” und stahlte stolz.

Während ich mich frage was “knuckle cracking” bedeutet, höre ich es wieder aus dem Bad schallen:

But when it comes to bein’ loved, she’s first
That’s how I know
The first cut is the deepest, baby I know
The first cut is the deepest.

Na dann ist ja alles gut.