Die Chelsea Flower Show geht heute zu Ende. Sie gilt als größte Blumenschau der Welt, jedenfalls nach Ansicht der Veranstalter. Sehen wir uns mal die Fakten an, um es selbst beurteilen zu können: Es werden 1.150 Gläser Champagner geleert, 6.400 Gläser Pimms und 10.560 Heissgetränken, also ‘cups of tea’. Und weil die Besucher auch hungrig werden haben sie auch noch 10.000 Portionen Fish & Chips während der Veranstaltung verdrückt. Das ist wirklich beeindruckend, wenn man berücksichtigt, dass die Chelsea Flower Show nur an zwei, der insgesamt fünf Tage, für das Publikum geöffnet wird. Am ersten Tag, Montag, kommt traditionell die Königin und ausgewählte Presseleute dürfen fotografieren. Der Dienstag und der Mittwoch sind für Mitglieder der Royal Horticultural Society reserviert und erst am Donnerstag werden die Türen für das Publikum geöffnet.

 

Prinz Charles begrüßt seine Mutter mit Handkuss auf der Flower Show. Er ist ein bekennender Gärtner und gelernter Gentleman. Er pottert am liebsten im heimischen Garten in Schottland.

 

Ohne Ticket hat man keine Chance. Für den ganzen Tag zahlt man stolze 75 Euro! Und trotzdem ist man gut beraten schon um acht Uhr vor Ort zu sein, denn später wird es brechend voll. Die Engländer sind nun mal verrückt nach Blumen, Gärten und grünen Landschaften. Wie heißt es so schön: Wer an der Oberfläche eines Engländers kratzt, findet einen Gärtner. Eine Besucherin kommt jedes Jahr, und das ist niemand anderes als die Queen herself. Nicht nur am Eröffnungstag sondern vermutlich täglich kann man sie dort antreffen und es kann passieren, dass sie ganz plötzlich durch ein paar Zweige lukt und man so verblüfft ist, dass man das Fotografieren glatt vergisst. In der Zeitung stand, dass es vor ein paar Jahren sehr konkrete Hinweise auf ein geplantes Bombenattentat gab, es sollte hier auf der Flower Show in Chelsea verübt werden, aber selbst das konnte die Queen vom täglichen Besuch abhalten. Ihre Security Leute sind in der Woche vermutlich wahnsinnig geworden. Was soll machen, wenn die Blumensucht so begehrlich und verbreitet wie bei den Royals und übrigens bei den allermeisten Engländern? Man hat gute Chancen auf fast alle hochrangigen royalen Familienmitglieder zu treffen. Sogar die young generation, wie William und Bruder Harry zieht es nach Chelsea. Ihren Vater, Prinz Charles, sowieso, denn der hat den grünen Daumen oder englisch gesprochen: the green finger.

 

Namenhafte Landschaftsarchitekten kreieren ihre Gärten auf der Show. Zum Schluß werden Preise vergeben. Der Sieger wird wie ein Popstar gefeiert. Hoch lebe die Natur.

 

Es gibt etliche Vorschriften, eine davon besagt: ‘No brightly coloured mythological creatures’ und meint damit den gemeinen Gartenzwerg. Allerdings war der dann ausgerechnet 2013 doch zugelassen, als die Veranstaltung ihr hunderjähriges Jubiläum feierte. Seitdem werden die sehr deutschen Gnome regelmäßig eingeschmuggelt und unter dichtem Blattwerk versteckt. Die Chelsea Flower Show ist das Non+Ultra aller Gartenschauen und falls man mal Gelegenheit haben sollte, dann nix wie hin. Sie werden staunen, was man alles aus Blüten machen kann. Und Sie werden Promis en masse treffen und vielleicht sogar den einen oder anderen Windsor.

 

Links die Queen und rechts Mary Berry, eine Back-Ikone des Englischen TV. Interessant ist etwas anderes. Fällt es Ihnen auf? Niemand trägt eine Kopfbedeckung und das ist tatsächlich der dress-code für die Chelsea Flower Show! Bitte keinen Hut, denn selbst Royals können nicht mit den Rosen konkurrieren.

 

Ich habe noch mal nachgerechnet, zehntausend Chips & Fish Portionen in vier Tagen, bedeutet, dass täglich 2.500 hungrige Besucher dort warten. Wenn nur jeder zweite die fettige Tüte mit dem zugegebenermaßen sehr leckeren Inhalt gekauft hat, dann muß es in den altehrwürdigen Hallen in Chelsea ganz schön voll gewesen sein (und streng gerochen haben). Ja, die bunte und ziemlich weitläufige Ausstellung ist bis auf die Gärten überdacht, nachdem zweimal ein Unwetter kurz vor Eröffnung die ganze Pracht zunichte gemacht hatte. Erst nutzte man ein Zelt, ‘the world largest tent’, dann ab 2000 einen festen Pavillion. Das Zelt, das zu nix mehr zu gebrauchen war, wurde übrigens gewinnbringend vermarktet. Man schnitt es in einige tausend Teile, die man dann als Taschen und Schürzen verkaufte. Ganz schön smart, eben typisch englisch.

 

Die exklusive Show hat auch eine ganz handfeste Seite. Die Besucher können nicht nur gucken, sondern auch kaufen und abschleppen. So mancher karrt ganze Schubkarren vom Gelände und verpflanzt die Blumen in den heimischen Garten. Interessanterweiser sind alle Altersklassen hier zu sehen.

 

Ach so, vielleicht sollte ich erwähnen, dass die jährliche Veranstaltung mitten in London stattfindet. Wie der Name ahnen lässt, im Stadtteil Chelsea, also am Nordufer der Themse, südlich vom Hyde Park. Im weitläufigen Park des Royal Hospitals, ein Altersheim für ehemalige Militärangehörige, findet die Gartenschau statt. Man kommt mit dem Bus dorthin oder mit der Underground bis zum Sloane Square. Die schönste Tour führt aber über die Themse. Nehmen Sie eines der regelmäßig fahrenden River Boats (Linie: RB6) und lassen sich bis zum Cadogan Pier schippern. Vorn dort ein kurzer Fußweg entlang der Themse und schon sind Sie am Ziel.