Ja, der Sommer ist da. Die Sonne lacht vom Himmel, das Quecksilber steigt und in Wimbledon wird zwei Wochen lang Tennis gespielt. Das Stadion liegt übrigens in London’s Südwesten (SW19). Man kann den berühmten Tennis Court #1, ganz easy per U-Bahn erreichen. Die ‘grüne Linie’ (District) bringt einen direkt hin.

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Hochsommer im St James Park. Der Londoner sonnt sich stilvoll gekleidet. Busenfrei geht gar nicht; bitte nicht ausprobieren, es gibt Ärger.

Das wohl wichtigste Rasen-Tournier wird von jedermann aufmerksam verfolgt. Man hofft auf einen erneuten Erfolg von Andy Murray, der vor zwei Jahren gewann. Wenn ich richtig zugehört habe, hat er eine 77-jährige Durststrecke beendet. Endlich blieb der Pokal in England, Murray wurde zum Helden. – Seine Chancen stehen gut, aktuell kann man mit einer 5/2-Quote auf ihn wetten.

Karten kann man noch bis wenige Tage vor dem Finale an der Kasse kaufen. Aber man braucht Geduld. Diese Leute sehen sich keine Spiel an. Nein, sie sind die Queue. Irgendwo ganz vorne ist das Kassenhäuschen.

London ist in diesen Tagen der hottest spot der gesamten Insel. Das ist wörtlich gemeint, man rechnet morgen mit Temperaturen bis zu 38° C. In den News klingt es aber viel dramatischer: Heatwave – 100° F in London. Gott sei dank, man hat wieder ein Wetter-Thema, das soziale Leben kann weitergehen. Der small-talk ist gerettet.

Gutes Timing. In Kennington (London) brachen die Wasserrohre. Den Leuten war es eine willkommene Abkühlung. Jedenfalls denen, die dort keinen Keller haben.

Apropros. Ich wähnte mich ja schon als Meisterin dieser Kunst und wurde prompt von der Realität eingeholt. Wenn man eingeladen ist, -nehmen wir mal einen semi-förmlichen Empfang an-, und man kommt mit einem der Gäste in eine angeregte Unterhaltung, natürlich im Rahmen der small-talk Regeln, dann kann es passieren, dass man schließlich mit den Worten: “Would you like to visit us in xxx?” entlassen wird. Dann kann man antworten was man will, nur eines wäre eine Totsünde: “Gerne, wann passt es Ihnen?”. Die freundliche Einladung ist nämlich nicht ernst gemeint. Es ist eine rhetorische Schluß-Pirouette. Mehr nicht.

Obwohl ich das inzwischen weiß, passierte mir ein ähnliches ‘Misverständnis’ vor einigen Tagen. Ich traf in großer Runde überraschend eine Bekannte, die ich lange nicht gesehen hatte und bisher auch noch nicht näher kennenlernen konnte. Nach sehr freundlichen Gespräch (kurz das Wetter streifen, dann ‘ich war gerade in England’, ‘was du auch?’, nice, lovely, sweet, ‘hast du gesehen / getroffen / gehört …’) rief sie mir schließlich zu: “Ich rufe dich morgen vormittag an“. Ich wurde hellhörig. Denn mit denselben Worten trennten wir uns auch vor etlichen Monaten. Der Anruf fand nie statt. Und auch diesmal wird das Telefon nicht klingeln. Sie kennt meine Rufnummer nicht! Trotzdem wurde mir die nette Zusage auch noch ein zweites Mal zugerufen.

Gut, dachte ich mir, das ist wohl die alternative Variante des ‘Kommen Sie doch mal bei uns vorbei’. Aber warum machen die Engländer das? Warum wecken Sie Erwartungen, die dann nicht gehalten werden. Ich jedenfalls war beim ersten Mal ziemlich enttäuscht. Jetzt, beim zweiten Mal, hatte ich also wirklich Grund verstimmt zu reagieren: Leere Versprechungen. Zum Glück ließ ich es sein. Denn George klärte mich später auf. Wie so oft, steckte eine sehr herzliche Absicht in der Mogel-Zusage. Gerade auf förmlichen Zusammenkünften wählt man gerne diese Variante der Zuneigungsbezeugung. Die Ansage zur Einladung bzw. zum Anruf ist gar nicht für den Angesprochenen bestimmt! Sie soll von den anderen umstehenden Gästen gehört und registriert werden. Schaut her, diese Person zähle ich ab sofort zu meinen engeren Bekannten. Sie genießt meinen Schutz. 

Nachdem ich das nun weiß, habe ich mich dann doch gefreut. Zum einen, dass ich meinen Mund gehalten habe und zum anderen, dass ich die nächste Stufe der social ladder erklommen habe.

* * *

Gedankensprung und Ankündigung. Am nächsten Sonntag findet die Taufe der kleinen Prinzessin Charlotte statt. Man feiert in der St Mary Magdalene Kirche in Sandringham und erwartet illustre Gäste: Die Queen und ihr Mann, Charles und Camilla, der zweijährige Prince George und die Großeltern Michael and Carol Middleton. Onkel Harry ist verhindert, er engagiert sich in Süd-Afrika für den Umwelt- und Naturschutz. Aber falls Sie Zeit haben, können Sie kommen!

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Prince George begrüßt seine kleine Schwester mit einem Küßchen. Prinzessin Charlotte wird nächsten Sonntag getauft.

Ganz gegen die üblichen Gewohnheiten möchte man möglichst vielen Besuchern die Gelegenheit geben, an der Zeremonie teilzunehmen. Dazu wird direkt vor der Kirche ein öffentlicher Bereich eingerichtet, wo man per Monitor alles verfolgen kann. Ein Dankeschön der Eltern an die vielen Menschen, die die Geburt der kleinen Prinzessin mit tausenden von guten Wünschen begleiteten. Eine nette, royale Geste. 

Die Kehrseite der Medaille lautet: Sicherheitsstufe ‘Eins Plus’. Wahrscheinlich patrouilliert die Royal Navy mit Mini-U-Booten durchs Taufbecken und das Kreuz an der Wand entpuppt sich beim näheren Hinsehen als die Rotorblätter eines geparkten Kampfhubschraubers. – Man wird es meistern, ganz sicher.

Jetzt wird es aber Zeit nach Wimbledon zurückzukehren. Heute, am zweiten Tag, sollte noch nichts anbrennen. Murray wird sein Auftaktspiel gegen M. Kukushkin bestreiten. Ich habe den Namen noch nie gehört, aber bisher hat er wohl mehr verloren als gewonnen. Also die Hürde muß überwunden werden, sonst versinkt ganz England in Tristess. Andererseits gibt es kaum ein sportliches Großereignis wo die Engländer mehr als die Vorrunde überstanden haben (das muß bitte unter uns bleiben, zeigen Sie es keinem Engländer!). Ich mag sie ja gerade aus diesem Grund so gerne, die Briten sind unverwüstlich in ihrem Optimismus. Immer glauben sie diesmal wird es ganz bestimmt klappen … Das ist doch wirklich sympathisch.

Wie die Mass Bier zum Oktoberfest gehört, so ist das Glas Pimm’s in Wimbledon zu Hause. Für stolze £ 8,00 (gut 11,00 €) kann man es bekommen. Der irrwitzige Preis für ca. 250ml scheint den Londoner nicht zu stören, Essen und Trinken ist überall teuer. Aber das der Alkoholgehalt nicht mehr stimmt, macht ihn schon fuchsig. Man hat den Alkoholanteil drastisch reduziert, das ist bei der Affenhitze vielleicht auch ganz sinnvoll? 

Der klassische Pimm’s Likör kann in diversen Varianten gekauft werden. Er ist  auf Ginbasis in Flaschen erhältlich; auch in deutschen Geschäften. Man trinkt ihn nicht pur, sondern als Cocktail. An heißen Sommernachmittagen ist das wirklich erfrischend. Aber Vorsicht, es gibt auch einige Rezepte, die mit hochprozentigen Mixturen auffüllen. Dann wird’s heikel. Ich nehme den klassischen No. 1 für das abendliche Sommergetränk. Das schmeckt auch in Hamburg auf dem Balkon gut. Hier drei bewährte Rezepte, alle für ein high-ball oder half pint glass (ca. 300 ml) geeignet. Wichtig: Nicht zu dünn und nicht zu stark mixen, das Verhältnis 1:3 ist genau richtig. Die Früchte frisch schneiden und erst spät dazugeben, sonst wird es schnell matschig. Wem Limo zu süß ist, der kann es mit Ginger Ale versuchen. Der Eiswürfel gehört unbedingt in’s Glas; Pimm’s wird kalt getrunken. 

Pimm’s Classic

1 part Pimm’s

3 parts lemonade (Zitrone, z.B. 7-up)

Ice 

garnish with orange, strawberry, mint and cucumber   

Pimm’s Ginger

1 part Pimm’s

3 parts ginger ale

Ice

garnish with lemon and mint 

Pimm’s Royale

25ml Pimm’s

top up with sparkling wine

garnish with a strawberry

Der Pimm’s Royale eignet sich auch gut für die Dämmerstunde, dann füllt man mit Champagner auf. Der perfekte Auftakt für einen sehr romantischen Abend. Wohl bekommt’s bei Spiel, Satz und Sieg.