Selten wirkten die Royals so entspannt, wie in diesem Jahr. Sie strahlen Nobilität aus und wirken gleichzeitig ungemein familiär. Wenn sich die vier Generationen treffen, scheint echte Freude im Raum zu sein. Ich gönne es ihnen.

Queen Elizabeth II talks to Pony Major Mark Wilkinson with regimental mascot Cruachan IV as she inspects 2 Scots The Royal Regiment of Scotland as she takes up summer residence at Balmoral. PRESS ASSOCIATION Photo. Picture date: Monday August 10, 2015. Photo credit should read: Andrew Milligan/PA Wire
Queen Elizabeth II trifft auf Schloß Balmoral ein. Das Pony freut sie am meisten.

Alljährlich im Herbst versammelt sich die Familie in Schottland. Ich war noch nicht dort, kann mir aber gut vorstellen, dass die naturbelassene Landschaft rund um das Schloß Balmoral gerade im Indian Summer ein Traum sein muß. Das Gebäude gehört Elisabeth II, ganz in der Nähe hat ihr Sohn Prince Charles seine eigene Residenz. Man trifft sich oft und unternimmt gemeinsam Ausflüge. Ein kleines bißchen Politik spielt auch eine Rolle, denn die Anbindung Schottlands an England ist erwünscht und wird durch diese langen, regelmäßigen Aufenthalte gefestigt.

Als die königliche Familie letzte Woche an einer Veranstaltung teilnahm, wurde ein Foto veröffentlicht, dass mich sehr schmunzeln ließ. Mir schoß sofort durch den Kopf: Dad, Mum und Sohn in kurzen Hosen:

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Man amüsiert sich bei einem der Highland Games, die mit Schottischen Schwerttanz beginnen und beim Gälischen Steinewerfen (Monolithen wie bei Obelix) aufhören. Unterhaltung pur.

Ich liebe dieses Bild, es ist ganz natürlich, sehr nett. Familie Königs hatte eine Menge Spaß. Genauso soll es sein. Es gab Zeiten, als alles sehr viel verkrampfter war. Die wunderbare englische Eigenschaft des sich selbst auf den Arm nehmen, ist ganz sicher auch den Royals zu eigen. 

Je öfter ich Prince Charles auf Fotos sehe, desto überzeugter bin ich, dass er unglaublich sympathisch und witzig ist. Ich würde ihn gerne treffen.

Aber eigentlich will ich die Queen nur als Einsteiger benutzen, denn heute geht es um zwei kulinarische Basics, die man leicht unterschätzen kann: Würstchen und Pudding. Fangen wir mit dem letztgenannten an. Der englische Pudding kann zu allen Tages- und Mahlzeiten serviert werden. Er ist so ziemlich alles, nur keine süße Nachspeise. Falls Sie so etwas wollen, bestellen Sie bitte custard (z.B. Vanillepudding), jelly (Wackelpeter) oder mousse (Mousse). Wie immer nutzen die Engländer bildliche Assoziationen und deshalb wissen Sie jetzt auch gleich wie die Qualle heißt: jellyfish.

Also um all das hier Genannte geht es NICHT. Der englische Pudding ist eine ziemlich kompakte, kalorienreiche, vollwertige Nahrung. Es handelt sich fast immer um eine Pastete, die in einer Form im kochenden Wasser oder auch im Backofen gegart wird. Allerdings darf man sich das nicht als Kuchen vorstellen. Die Zutaten bestehen aus Fleisch, Nierenfett, Brot, Obst und Gemüse. 

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Auch das nennt sich Pudding Die Blutwurst wird als Black Pudding verkauft.

Ich muß gestehen, dass ich um englische Puddings immer einen großen Bogen mache. Ich kann also nur berichten, was ich beobachtet habe. Oft werden sie den Black Pudding auf der Karte finden. Er kommt inhaltlich und geschmacklich einer Blutwurst gleich und die mag ich auch im Original nicht essen.

Der bekannte Christmas Pudding wird schon im Oktober zubereitet, -behauptet man-,  und hält sich problemlos bis zum Fest. Er ist süß, enthält viel Trockenobst, Rosinen und Nüsse. Aber auch Nierenfett. Gerne isst man ihn flambiert oder für ganz harte Knochen mit Custard (Vanille Creme). Der Christmas Pudding kann schnell etwas trocken werden, deshalb wird er mit einem ordentlichen Schuss hochprozentigen Brandy aufgeweicht. Viele sagen, nur deshalb wäre er am Mittagstisch so beliebt. 

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Dieser Klops kommt Weihnachten auf die Tafel. Vorm Essen mit Brandy übergießen und anzünden. Beliebte Alternative zum Adventskranz.

Das schottische Haggis ist letztlich auch ein Pudding. Man nimmt den Magen eines Schafes, stopft Leber, Herz und Lunge rein, würzt mit Pfeffer und Zwiebeln und schmiert ordentlich Nierenfett in die Hohlräume. Fertig ist das schottische Nationalgericht. Man könnte glauben, man wäre im Seziersaal.

Sehr bekannt ist auch der Yorkshire Pudding. Der einzige, den ich gerne esse und der wieder ganz anders aussieht als seine großen, dicken Brüder. Bei ihm geht es um eine Teigware, die zum Steak gegessen wird. Ein luftige, nette Pastete aus Mehl, Milch, Eiern und Petersilie. Mit ein paar Spritzern Worcester Sauce (Achtung Sprachfalle! [wʊstə-]) schmeckt es gleich noch interessanter. 

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Yorkshire Pudding ist wieder was ganz anderes. Es ist der einzige den ich gerne esse, z.B. zum Steak.

Seien Sie also generell vorsichtig, wenn Ihnen Pudding angeboten wird. Meisten folgt er im Nachgang zum Hauptmenü und ist dabei selbst eine kalorienreiche Angelegenheit. Hat man ihn erstmal auf dem Teller, ist es nicht so einfach ihn ungesehen wieder loszuwerden. Ich habe schon Hunde erlebt, die den Schwanz einkniffen, wenn ich ihnen den Klops unterm Tisch heimlich anbot.

Die zweite Falle sind die sausages. Harmlos aussehende Bratwürste, die schon morgens zum Frühstück gar nicht schlecht schmecken, hat man sich erst einmal an den morgendlichen Bratenduft gewöhnt. Es sind Bratwürste, die sowohl Rind, Schwein oder Kalbfleisch enthalten können. Der Schlachter bietet sie immer ungebrüht an. In Deutschland kann man sie nicht kaufen, mit Nürnberger Rostbratwürsten kommt man der Sache aber recht nahe. 

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Das klassische Brat-Würstchen nennt der Engländer sausage.

Letztlich versteht der Engländer aber unter sausage alle möglichen Würste: Die gerade beschriebene kleine Bratwurst zum Breakfast oder eine Knackwurst und sogar geräucherte Würste. Aufpassen muß man, wenn die sausage als Spezialität angeboten wird. Insbesondere im kalten Schottland, wo man das Essen immer gerne deftig zubereitet, als wären die hungrigen Gäste auf dem letzten Stop vor ihrer Polarreise. 

Der Queen wurde an ihrem Jubiläum, letzen Mittwoch, eine spezielle sausage angeboten mit Zutaten aus allen vier Nationen: Scottish pork, Welsh leek, Irish stout und English stilton cheese. “We have made the sausage extra long to echo Her Majesty’s triumph.” Mit anderen Worten, in diesem ‘Würstchen’ war so ziemlich alles verarbeitet, was die lokale Insel-Küche hergibt: Schweinefleisch, Porree, Starkbier und Blauschimmelkäse. Das ist doch mal ‘ne bunte Mischung. 

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Keine obzöne Geste. Nein, cross-the-fingers signalisiert Glückwünsche. Es ist das deutsche Daumendrücken. – Seit 63 Jahren im Amt und es scheint ihr mehr Freude denn je zu machen. Alles Gute für die Zukunft.

Also Augen auf beim Essen. Aber lassen Sie sich nicht von mir bange machen. Die ‘furchtbare’ englische Küche ist mir im Londoner Restaurant noch nicht begegnet. Im Gegenteil, man wird oft mit ganz frischen Leckereien aus der unmittelbaren Umgebung verwöhnt. Und Fish & Chips, mit Salz und Essig gewürzt, sind eine echte Alternative zur Currywurst mit Pommes und Mayo. Einmal die Woche ist beides unwiderstehlich lecker. Anders sieht es bei privaten Einladungen aus. Da kann es kalorienreich werden. Zum Glück wertet die englische Hausfrau einen noch halb gefüllten Teller als Kompliment. Bitte nie alles aufessen, das gilt als gierig und deshalb schlecht erzogen. 

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Fish and Chips sind lecker. Zu den dicken Kartoffelchips gehört Kabeljau.

Im Notfall greift man zur HP-Flasche. Die steht auf jedem englischen Tisch. Das ist sozusagen die englische Variante zum Amerikanischen Ketchup. Aus dem Hause Heinz (HP) kommt die Sauce in zahlreichen Varianten. Am beliebtesten ist die braune, kurz Brownie genannt. Sie sieht nicht sehr appetitlich aus,  schmeckt aber hervorragend. Süßlich, etwas rauchig und würzig. Man kann sie notfalls auch als Brotaufstrich verwenden, mit anderen Worten sie ist das erste Hilfe Tool für alle kulinarischen Notlagen. Egal wie fremd es schmeckt, mit einem guten Schuss Brownie überdeckt man zuverlässig alle Katastrophen.

So, nun habe ich Ihnen alles verraten, was ich über die Englische Küche weiß. Jetzt sind Sie dran, probieren geht über studieren. Guten Appetit!

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Noch ein Tipp: Im Backen sind die Englischen Hausfrauen unschlagbar. Da macht ihnen niemand was vor. Alles Schleckermäulchen – sweet tooth. Und Kochen können sie auch, keine Frage. Also es lohnt sich durchaus einmal ein englisches Koch- oder Backbuch zu kaufen. Man kommt auf neue Ideen. Wobei der Star Jamie Oliver nicht mein Favorit ist. Ich greife lieber zu alten, bewährten Ratgebern.

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Nierentalg mocht noch nicht mal die Katze. Bähhhh.

Sehr oft finden Sie auch heute noch im englischen Rezept den Hinweis, man möge so und so viel Nierenfett hinzufügen. Das ist nun nicht jedermanns Sache und auch nicht unbedingt im heimischen Kühlschrank zu finden. Ich ersetze es immer mit Margarine. Ggfs. Butter, Schmalz oder Öl. Das klappt immer und die Engländer machen es genauso. Ich kenne niemanden, der heute noch den Talg benutzt.