Die TV-Gebühren (GEZ) sind in England genauso hoch wie in Deutschland. Noch hat man das alte System, also zahlungspflichtig ist, wer einen Fernseh- oder Radioempfänger sein eigen nennt, aber die Umstellung auf eine Gebühr pro Haushalt ist bereits beschlossen und steht unmittelbar vor ihrer Umsetzung. Mit Einführung soll gleichzeitig ein Privileg entfallen, nämlich die generelle Befreiung von den Gebühren ab dem 75. Geburtstag. Zur Zeit, -und wohl schon immer-, sehen die Senioren (75+) kostenlos die vielen Programme der BBC. Dabei sind sie durchaus eine Gebühr wert, für meinen Geschmack sind sie qualitativ Lichtjahre besser als die ARD/ZDF- Produktionen.

doktorBBC TV-Serien werden weltweit erfolgreich verkauft; deshalb kennen wir viele davon, wenn wir sie auch stets mit gehöriger Verspätung zu sehen bekommen. Ich nenne mal ein paar, die mir gerade einfallen: Das Haus am Eaton Place (Upstairs – Downstairs), Downton Abbey, Lewis oder Inspektor Barneby (Midsomer Murders). Unvergessen Der Doktor und das liebe Vieh (All creatures great and small). Ziemlich aktuell die neue Verfilmung von Sherlock, mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle. Der spielt übrigens zur Zeit jeden Abend Hamlet in London; mimt den dänischen König und ist wohl zu jung dafür (39 Jahre). Die Kritiken sind mau.

Von den BBC-Reportagen will ich gar nicht sprechen, sie sind noch immer richtungsweisend. Leider werden die richtig guten TV-Serien in Deutschland gar nicht gezeigt, weil es wohl nicht möglich ist deren typisch englische, humorvolle Dialoge zu übersetzen. Zu den Serien gehören Dad’s Army, Starlings oder das groteske Blackadder. Alles Schätze, die aktuell von der BBC in England gezeigt werden.

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Blackadder. Der Hauptdarsteller ist uns als Mr. Bean bekannt.

George stöhnt auf als er mitbekommt, das künftig auch Renter zahlen müssen. “Good grief! What am I supposed to do all day then?” “Du planst ab 75 ganztägig vor dem Telly zu sitzen?” “More or less.” “Und ist in deiner Planung auch ein Plätzchen für mich reserviert? Zweiter Fernsehsessel oder so?” “No, probably not.

Schon sind wir mitten im ‘existenziellen’ Wortgefecht. Leider ist mir völlig unklar welches Ziel George verfolgt; das macht die Sache schwierig. Er jammert und lamentiert, wirft ins Feld das er acht Lebensjahre Vorsprung hat und ganz gewiss mit 75 nicht mehr mit mir mithalten kann. – “Hast du bestimmte Aktivitäten im Sinn oder fürchtest du ein generelles Versagen. Sozusagen systemweit?” “Salsa or Paso Doble is joyful but by then it is too late.

Inzwischen ist mir klar worum es geht, wir spielen mal wieder ‘wer zuerst lacht hat verloren’. Dummerweise hatte ich mir gerade die Rheumasalbe geholt und war dabei mein noch immer schmerzendes Knie dick einzusalben. Genau in dem Moment kommt er mir mit Latino-Dancing! Gutes timing! Lachend gebe ich auf, zeige auf mein Knie und sage: “Mach’ dir keine Sorgen. Laufen, springen, tanzen ist nicht mehr. Wenn es nicht bald besser wird, kann ich dir noch nicht einmal mehr weglaufen.” Und darüber freut er sich tatsächlich.

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Dad’s Army – englischer Humor vom Feinsten.

Nun habe ich mich richtig verplaudert. Eigentlich wollte ich über Pest-Opfer und ausgebüxte Riesenschlangen berichten. Das muß warten. Stattdessen bleiben wir einfach beim Fernsehen und ich verrate Ihnen wie die sechste und endgültig letzte Staffel von Downton Abbey ausgeht. Wirklich endgültig? Ja, aber vielleicht, vielleicht kommt doch noch ein Nachschlag. Man denkt ziemlich laut über einen Kinofilm nach.

Ich liebe Downton Abbey. Sie kennen die Saga doch hoffentlich? Erzählt wird die Geschichte der aristokratischen Familie Crawley, vertreten durch Lord und Lady Grantham. Es startet kurz vor dem ersten Weltkrieg. Der Schwiegersohn in spe geht mit der Titanic unter und damit auch die Hoffnungen auf einen Nachfolger. Denn bei allem Glück, Reichtum und Erfolg gibt es ein ernstes Problem. Es fehlt der Erbe. Die drei Töchter sind zwar im heiratsfähigen Alter, aber sie patzen. Die älteste und schönste verliert ihren gerade angetrauten Ehemann bei einem Unfall. Ein Drama, denn einen standesmässigen Nachfolger kann man nicht aus dem Hut zaubern. Die mittlere Tochter betätigt sich politisch (Skandal) und heiratet den Chauffeur, der sie geschwängert hat, um den Schwiegereltern die Entscheidung leichter zu machen. Unverzeihlich, also Verbannung. Und die jüngste Tochter kommt nicht wirklich in Betracht. Sie scheint ein bißchen naiv und ist deutlich weniger hübsch als die Schwestern. Man hofft sie irgendwann einem betagten Earl unterjubeln zu können, mehr kann man nicht erhoffen.

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Downton Abbey. Auf dem Foto sind alle versammelt. Ganz links Carson der Butler. In der Mitte meine Favoritin, die wunderbare Schauspielerin Maggie Smith.

Und nun also wurde die letzte Episode gedreht. Der Krieg ist beendet. Die Welt steuert auf eine globale Wirtschaftskrise zu. Selbst diese finanziell reiche Familie muß auf einmal sparen. Vor persönlichen Schicksalsschlägen waren sie nie gefeit und sie ereigneten sich regelmäßig. Schwiegersöhne sterben gleich reihenweise, eine Tochter überlebt das Kindbett nicht. Es gibt Fehlgeburten, Unfälle und herbe finanzielle Verluste. So bleibt man als Zuschauer stets gut gelaunt, denn die Moral stimmt: Lieber arm und glücklich als …

Mit Beginn der 30-er Jahre zieht auch in das Herrenhaus die Moderne ein. Lady Grantham geht eines Tages in die Küche hinunter und kocht sich SELBST den Tee! She, the Dowager Countess, puts the kettle on! Mrs Patmore, die Köchin, fällt vor Schreck, -zusammen mit ihrem Weltbild-, in Ohnmacht. Als auch noch ein neu-modischer Kühlschrank installiert wird, glaubt sie den Horror in der Küche zu haben.

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Carson und Mrs Hughes werden schließlich heiraten, nachdem sie fast ihr ganzes Leben zusammen der Familie gedient haben. Carson besteht darauf, dass ihn seine Ehefrau während der Arbeit mit Nachnamen anspricht.

Das prachtvolle Anwesen, Downton Abbey, ist nicht länger zu halten, man muß es verkaufen. Die Familie zieht fort, in die Stadt, mischt sich unter das Bürgertum. Was für ein Drama. Der Niedergang eines der angesehensten Familien des Landes ist nicht mehr zu stoppen. Alles zerrinnt, nichts lässt sich halten. – Und da macht George sich Sorgen how to become forever young? Du Glücklicher, komm halt’ mich mal fest, dann können wir den Walzer üben. Ich glaube damit kommen wir auch ganz beschwingt durchs Leben.

Und dann macht er auf typisch englische Art all die kleinen Frotzeleien wieder gut, indem er hinreißend übertreibt. Natürlich ist kein Wort wahr, wenn er wie auf Knopfdruck eine verbale Liebeserklärung, wie aus dem Downton Abbey Script geklaut, abspult. Und ich höre diese Sätze so gerne, dass ich es mir nicht entgehen lassen kann, sie auch mal schwarz auf weiß zu lesen:

I will never, -not in a million, trillion years, when the last comet drops into the frozen sea-,  forget …”  uhhhhh 😉