Typische englische Küche ist viel besser als ihr Ruf. Obwohl ich schon zugeben muss, dass ich für die eine oder andere Spezialität einige Anläufe brauchte, bis sie auf meinem Teller landete. Inzwischen habe ich das meiste zumindest probiert, mit Porridge sogar eine echte Freundschaft geschlossen, denn es macht wunderbar satt und ist ein gute Grundlage für den Tag. Etwas länger dauerte es bei den traditionellen Gerichten wie ‘Pie & Mash’ und ‘Jellied Eel’. Beide früher typische worker class meals.  Pie & Mash besteht aus Hackfleisch im Teig-Mantel, Kartoffelbrei und viel heller Soße mit Petersilie. Man nennt sie ‘liquor’ und man kann jederzeit einen Nachschlag bekommen, aber eigentlich wird an Soße nie gespart. Mit Hilfe der ‘pie’, also des gebackenen Teigs, kann man den ganzen Kram aufsaugen und einigermaßen sicher in den Mund bugsieren.

Mit ‘Jellied Eel’ sind gelierte Aale gemeint. Für mich als Hamburgerin keine Herausforderung, andere sind da vielleicht empfindlicher. Der Aal wurde in der Themse gefangen, in Stücke geschnitten, dann in Wasser gekocht, dazu Kräuter zur Abrundung des Geschmacks. Wenn der Sud erkaltete bildete sich eine Geleeschicht. Man kann den Aal in mundgerechten Stücken kaufen, ggfs. mit Pfeffer oder Essig würzen und gleich im Stehen essen. Lecker, aber auch ein bisschen fettig. Ein klarer Schnaps rundet die Sache ab und beruhigt den Magen.

 

Cockneys ist einer der alten Londoner traditionellen Pie & Mash Shops. Links unten der gelierte Aal oder gleich beides bestellen (rechts unten), wie die Locals es gerne machen. Beides ist leckerer als es aussieht und macht auf jeden Fall satt.

 

Der Aal ist inzwischen in der Themse wieder heimisch. Ein Zeichen für die gute Qualität des Wassers. Trotzdem raten Fachleute vom Verzehr ab. Der Grund ist überraschend, jedenfalls für mich. Die Fische sind voller Cocain, was sie ziemlich hyperaktiv werden lässt. “London is known as one of the highest consumers of cocaine,” habe ich gelernt und die Droge gelangt durch den Körper, über das Abwasser, schlußendlich in der Themse. Reste werden auch schon mal direkt in den Abfluß geschüttet, wenn man sich erwischt fühlt. Und so gelangen sie über das Rohrnetz in die Themse. Ganz besonders bei Starkregen, wenn die Siele die Wassermengen nicht schlucken können, dann schwappt alles ungefiltert in den Fluß. Zum Glück ist damit bald Schluß, denn in London wird schon seit Jahren der größte Abwasserkanal der Welt gebaut und demnächst in Betrieb gehen. Man stellte fest, dass die Konzentration von Cocain im Flußwasser regelmäßig am Wochenende abnimmt. Montags steigt sie sofort wieder an, denn dann sind die Banker und Politiker zurück in der Stadt! Eine Messtelle hat es verraten. Sie lag nahe dem House of Parliament und zeigte konstant hohe Cocainwerte an. Eigentlich sollte es nicht wundern, immerhin hat der Schauspieler Stephen Fry schon vor ein paar Jahren in seiner Autobiographie offene Geheimnisse verraten. Er berichtete von den alt-ehrwürdigen Clubs, die alle zwischen Whitehall und Buckingham Palace zu finden sind, und wo er als Mitglied ungeniert den täglichen Drogenkonsum der Gentlemen teilte. – Ich glaube es ist gut, dass ich zum Ende kommen muß, denn sonst könnte es passieren, dass ich jetzt doch noch ein paar Worte über den Brexit verlieren könnte und mir dabei ganz neue Ursachen in den Sinn kommen.