Ich finde es einfach mit der Underground durch London zu fahren. Gut ausgerüstet mit einer prepaid card (die kann man auch schon vor der Reise im Internet bestellen: Oyster Visitor) ist auch der Tarifdschungel kein Problem für mich. Die Fahrten werden automatisch berechnet, nämlich dadurch dass ich sowohl beim Ein- als auch beim Aussteigen meine Karte an den Leser halte, der dann die Bahnsteigsperre freigibt. Schon weiß der Computer wie weit ich gefahren bin und zieht die richtige Summe von meiner Karte ab. Habe ich das 24-Stunden-Limit erreicht, fahre ich für den Rest des Tages kostenfrei. Eine prima Sache. Ich bin allerdings durch die Hamburger U-Bahn gut trainiert. In beiden Städten fahren fast identische Züge und der Streckenfahrplan war mir auch schon bekannt, denn er ist eine Londoner Erfindung und weltweit kopiert. Das ist alles nix Neues und mir vertraut. Das gilt übrigens auch für die proppevollen Bahnen in der rush hour. This is nothing new to me.

 

Stoßzeit in London. Das Foto hätte ich aber auch genauso gut in Hamburg machen können.

 

Einen markanten Unterschied gibt es allerdings bei der Einfahrt der Züge. Oder läuft das in Hamburg womöglich genauso? Da fällt es zumindest niemanden auf. In London jedenfalls, halten die Undergrounds immer zentimeter genau an der selben Stelle. Ihre Türen sind immer genau dort, wo an der Bahnsteigkante der Hinweis ‘MIND THE GAP’ aufgepinselt worden ist. Noch deutlicher fällt das bei der Jubilee Line auf, sie ist wohl die jüngste von den elf Strecken in London. Nächstes Jahr dann sogar zwölf, denn die Elizabeth Line wird bald fertiggebaut sein. Also bei der Jubilee Line hat man einen Bahnsteigschutz eingebaut, sogenannte ‘platform edge doors’. Die öffnen sich erst, wenn der Zug zum Stillstand gekommen ist. Auf der Linie kann also niemand mehr in das Gleisbett fallen, was in London gar nicht so selten passiert. Ich habe keine Ahnung warum. Womöglich das Gedränge?

 

Auf der Jubilee Line ist der Bahnsteig durch eine transparente Wand vom Gleisbett getrennt.

 

Die älteren Linie haben oft noch ziemlich schmale Bahnsteige. Da ist nicht viel Platz und schnell kommt alles zum Stillstand. Menschen drängen aus den Zügen, andere wollen rein und wenn man zwischen diese Fronten gerät, dann wird es eng. Das sind dann die Momente, wo ich mich über jeden meiner einhundertvierundsiebzig Zentimeter freue. Nun haben sich die Londoner Verkehrsbetriebe (TfL) Gedanken gemacht, wie man das Gewuhle reduzieren kann. Sie haben sich Experten geholt, die darüber nachdachten, wie man Menschenströme intelligenter lenken kann. Man fand die Antwort in der simplen Erkenntnis, dass man die Türbereiche von wartenden Passagieren möglichst freihalten muß. Das leuchtet ein und wird seit heute im Testversuch ausprobiert. Mit Plakaten hat man die Fahrgäste bereits vorbereitet.

 

Links wird der Versuch der grünen Flächen angekündigt. Wetten, dass das ein totgeborenes Kind ist? Rechts eine Rolltreppe, auf der man bitte RECHTS steht und LINKS läuft.

 

Dort wird den Fahrgästen mitgeteilt, dass sie nicht innerhalb der grünen Zonen stehenbleiben sollen. Sie markieren die Bereich, wo die Türen des Zuges zum Stehen kommen und dann wollen die Menschen dort aus- und einsteigen. TfL erklärte seinen Kunden die green areas wie folgt: “It’s a visual cue to get people to walk all the way along the platform and to show you where the doors open. It’s about reducing congestion.” Und seit heute morgen ist es nun soweit, der Bahnsteig King’s Cross wurde grün angemalt. Nicht so leuchtend wie auf dem Plakat, aber man hatte ja auch nur eine Nacht Zeit und die Farbe sollte schließlich morgens trocken sein. Als die Fahrgäste kamen, waren sie ziemlich verunsichert. Kein Mensch verstand so recht, was das Ganze bedeuten sollte. Einer brachte es auf den Punkt. “Wrong colour. The green is confusing. It should be red or yellow.” Eine junge Frau war zuversichtlicher, obwohl auch sie nicht wußte, wo sie sich denn nun hinstellen soll: “I think it would work if people understood what they were supposed to do but at the moment, they clearly don’t. Mainly, I think it will take some time to get used to.”  

 

Heute morgen in King’s Cross. Ich fand die gelben ‘Mind the Gap’ schöner. Aber vielleicht wird ja noch einmal drüber gestrichen, dann sieht es nicht so verwaschen aus.

 

Mal sehen ob sich der Versuch durchsetzt. Ich glaube nicht, aber ich kann Ihnen die Londoner Underground wärmstens empfehlen. Wenn Sie einen Bahnhof erwischen mit einer sehr langen Rolltreppe, die tief unter die Erde führt, dann handelt es sich um eine der moderneren Linien. Man hat sie kurzerhand unter das vorhandene Schiennetz gelegt. Da ist der Engländer ganz pragmatisch und schafft es deshalb oft in kurzer Zeit, große Bauvorhaben fertigzustellen. Da saust man dann 50, 60 oder noch mehr Meter in der Tiefe durch den ‘London Underground’. Mich begeistern viele der Bahnhöfe. In der Innenstadt sind es oft Knotenpunkte, wo sich mehrere Linien treffen. Manchmal gibt es auch eine Verbindung zur Fernbahn und in King’s Cross hält sogar der Eurostar, der durch den Kanaltunnel nach Paris fährt (bzw. Brüssel und ich glaube sogar Frankfurt). Die Bahnhofshallen sind oft auffallend schöne Bauten. Liebevolle Architektur, überraschend große Hallen und gelungene moderne Erweiterungen, wo offensichtlich nicht mit Geld gespart wurde. Das ist immer einen Blick wert und lohnt auf jeden Fall einen Abstecher.

 

King’s Cross und St Pancras sind eine Doppelstation. Es ist einer der größten und am stärksten frequentierten Bahnhöfe in London. Hier sieht man die alte Halle, die von innen eine Augenweide ist und dahinter dann der hochmoderne Übergang zur Underground Station, mit einer riesigen Halle mit beeindruckenden Glasdach. Wirklich schöne, gelungene Baukunst.