In der Downing Street drängeln sich die Journalisten. Nur mit Einladung kommt man in die abgeriegelte Straße hinein. Vor zwanzig Jahren war das noch anders, da konnte jeder bis zur Haustür von No 10 gelangen. Eigentlich eine tolle Sache, dass man so vertrauensselig war. Heute ist das nicht mehr möglich, London ist leider auch bei Terroristen beliebt. 

 

Die Journalisten warten in der Downing Street. Das Rednerpult ist schon aufgestellt, nur der Redner ist noch nicht erschienen. Merkwürdig, dass die Zeitungs- und TV Profis so vergnügt drein schauen. Ist es die Vorfreude? Und wer wird eigentlich erwartet?

 

Die meisten Leute nähern sich von der Whitehall und bleiben dann vor dem hohen Gitter stehen. Dahinter patrouillieren stets ein paar Polizisten, die aber nichts dagegen haben, wenn man erst einmal die Lage peilt. Hinten rechts kann man die berühmte schwarze Haustür sehen, ein bisschen versteckt gelegen. Im Winter steht ein großer Weihnachtsbaum davor und spendet abends Licht. Von Zeit zu Zeit sieht man Mitarbeiter aus der Tür huschen, die dann in einem der Nachbarhäuser verschwinden. Manchmal steht auch eine große Limousine abfahrbereit vor der Tür. Dann ist gerade ein Minister zu Besuch oder der Prime Minister selbst ist auf dem Sprung zu einem auswärtigen Termin. 

Von der anderen Seite, von der Horse Guards Road, kommt man genauso wenig hinein. An dem Gitter gehen die Touristen meistens achtlos vorbei, denn sie ahnen nicht, dass die abgeriegelte Straße die Downing Street ist. Das Haus mit der Nummer 10 kann man von dort nicht sehen, aber oft ist der Dienstwagen des Premiers an diesem Ende geparkt. Manchmal läuft einem Chiefmouser Larry über den Weg; dann war er gerade im St James’s Park, wo es eine Insel mit dem vielversprechenden Namen ‘Duck Island’ gibt. Stellt man sich auf den großen Paradeplatz der Horse Guards, gleich neben der versperrten Zufahrt zur Downing Street, dann fallen aufmerksamen Leuten zwei einsame Polizisten auf. Sie stehen ganz am rechten Rand des Platzes, scheinen dort Pause zu machen oder was auch immer. Der eigentliche Grund ihrer Anwesenheit ist nicht erkennbar. Tatsächlich aber sind sie ‘on the beat’, bewachen die Büros des Premiers und seines Schatzmeisters, denn das Haus hinter ihnen ist die No 10! Nirgends kommt man dem Gebäude näher als hier, allerdings solle man seine Neugier im Zaum halten, das gilt auch fürs Fotografieren. Ein flüchtiger Blick geht in Ordnung.

 

Abends durchs Gitter an der Whitehall gepeilt. Das Haus mit der dunklen Fassade, rechts, ist die Downing Street No 10, dahinter ist der Eingang No 11 (Schatzmeister). Man kann also einen Blick darauf werfen, ist deutlich näher am Geschehen, als in Berlin oder anderen Regierungszentralen.

 

Und jetzt muss ich noch das ganze Foto liefern, das zeigt, warum die Journalisten so vergnügt waren. Sie standen schon eine Weile am Straßenrand und warteten auf den neuen Premier Minister, der eine Rede angekündigt hatte. Das Warten kann unangenehm sein, es ist langweilig und irgendwann tun Füße oder Rücken weh. Und wenn dann jemand kommt und einen freundlich unterhält, dann ist man einfach glücklich, denn das verkürzt die Zeit ungemein. Als Dank kommt man dafür auf die erste Seite. Für Larry the Chiefmouser längst Gewohnheit.