In einem London-Reiseführer habe ich gelesen, dass in der Savoy Street rechts gefahren wird! Die Straße liegt mitten in London beim gleichnamigen Luxus-Hotel. Nun, geglaubt habe ich es sofort. Wenn es eine Regel gibt, muß man sie wenigsten einmal brechen. Das ist englische Denkweise. Und da ich gerade ganz in der Nähe war, nämlich an der Themse bei der Waterloo Bridge, wollte ich es mir selbst ansehen. 

savoy

Dies ist die Kreuzung Embankment (dort fährt der weiße LKW), Savoy Street (Mitte) und Savoy Place (vorne). Zunächst mal schien alles Quatsch zu sein. Denn die Savoy Street ist eine Einbahnstraße und sie führt auch nicht zum Hotel. Das sollte nämlich der Grund für die landesweit einmalige Sonderregelung sein. Es sollte den Gästen die Zufahrt erleichtern.

Das machte also keinen Sinn. Ich versuchte es zu verstehen und schaute mir die zahlreichen Informationen an, die auf die Fahrbahn gepinselt sind. Ich weiß gar nicht wie der Londoner Autofahrer den Überblick behält. Dauernd muß man nach unten sehen, um sich zurecht zu finden.

Und da ist wirklich etwas merkwürdig, denn in der Savoy Street steht am Fußgängerüberweg der übliche Hinweis ‘LOOK LEFT’; das müßte bei Linksverkehr natürlich ‘RIGHT’ heißen, da es aber eine Einbahnstraße ist, geht das in Ordnung. Bemerkenswert ist aber der Schriftzug auf dem Savoy Place, denn dort ist zu lesen ‘LOOK BOTH WAYS’. Das dürfte ziemlich einmalig sein.

Ich nehme also an, der Rechtsverkehr gilt für den Savoy Place, vor allem auch weil an dieser Straße das Hotel liegt. Überprüfen konnte ich es nicht, denn ich war in Eile und es scheinen mir die Gäste nicht gerade im Minutentakt an- oder abzureisen. Das Savoy ist vielleicht das teuerste Hotel in London aber günstig sind sie alle nicht. 

Aber eigentlich will ich heute über die Hampstead Heath berichten. Ein altes, wunderschönes Naturschutzgebiet im nördlichen London; noch ziemlich in der Nähe der City. George wohnt dort und wir brauchen keine fünf Minuten zu Fuß, um den Parliament Hill zu erreichen. Ein Berg, ca. 100 Meter hoch, der einen weiten Blick in das urzeitliche Themsetal ermöglicht. Man sieht die Skyline der City-Hochhäuser und dafür kommen die Londoner gerne mal abends von weit her. Übrigens wurde die Aussicht inzwischen unter Denkmalschutz gestellt, sie darf nicht verbaut werden. Den Hampsteader freut es.

parliament-hill
Vom Parliament Hill überblickt man die ganze Londoner Innenstadt. Ausblick mit Denkmalschutz.

Die Hampstead Heath ist zur Hälfte Wald und zur anderen Hälfte Park. Die Fläche beträgt insgesamt gut 3 qkm, das ist nicht gerade riesig, aber für uns als Fußgänger allemal ausreichend (der Duvenstedter Brook hat knapp 8 qkm). Man unterteilt sie gewöhnlich in die westliche und östliche Heath, ich aber teile sie gedanklich immer in südlich/nördlich ein. Grund ist, dass die südliche Hälfte eher den Parkcharakter hat. Dort sind Tennis- und Cricket-Fields und auch die sechs großen Seen, in denen man baden kann. Ich hatte schon berichtet, dass das Badevergnügen streng nach Geschlechtern getrennt ist. Die Männer und Frauen haben ihren jeweils eigenen Teich auf der Highgate-Seite und der mixed pond ist auf der Hampsteader Seite zu finden.

map
George wohnt in Hampstead; er möchte nach East Finchley umziehen. Beides liegt an der Hampstead Heath.

Im nördlichen Teil der Heath sind Wildtiere zu Hause. Große Hirschrudel sind keine Seltenheit. Alter Baumbestand begeistert George, er arbeitet gerne mit Holz und ist ein begabter wood-turner. Wem das zuviel Natur ist, der schaut in eines der Herrenhäuser hinein. Einige herrschaftliche Gebäude aus dem frühen 17. Jahrhundert sind erhalten geblieben und der Öffentlichkeit zugänglich.

hh-rainbow
Der nördliche Teil der Hampstead Heath lädt zum Wandern ein.

Mein Lieblingsplatz ist der Highgate Cemetery, ein vergessener Friedhof der im Osten liegt, tatsächlich aber nicht mehr zur Hampstead Heath gezählt wird. Einen Besuch ist er allemal wert.

Bei aller Naturschönheit kommt die Kultur nicht zu kurz. Im Sommer finden am Wochenende regelmäßig open-air Konzert statt. Jedes Jahr, am 4. Juli, wird im Kenwood House Händel gespielt. Natürlich zum Titel passend mit einem Feuerwerk am Himmel begleitet. Pflichttermin für alle die Zeit und Gelegenheit haben. – Vielleicht kennen Sie das Kenwood House längst? Es diente als Filmkulisse für ‘Notting Hill’

hh-bath
Eines der drei Badeteiche in der Heath. Dieser ist nur für Männer.

George hat seinen Lieblingsplatz in der Hampsteadt Heath längst gefunden. Ich glaube er wohnt jetzt fast 15 Jahre hier. Ihn zieht es klar in den nördlichen Teil der Heide. Erstmal durchs Unterholz strömern, nach Tieren Ausschau halten und dann der Spaniards Road folgen. 

spaniards-road
The Spaniards Inn in Hampstead. Perhaps the best watering hole in North London for literary associations.

Schon bald taucht ein dreistöckiges weißgetünchtes Gebäude auf, das Spaniards Inn. Angeblich der älteste Pub Londons. Auf jeden Fall ist es historisch und das gilt auch für die Innenausstattung. Der Holzfußboden, die getäfelten Wände und die Bar sind sicherlich mehrere hundert Jahre alt. Alles sehr gemütlich, das Essen ist lecker und das Bier schmeckt. Man kann überall etwas entdecken, ob man das alles glauben darf weiß ich nicht. Diesen Pub haben schon vor uns berühmte Männer entdeckt, unter anderem Charles Dickens, der Straßenräuber Dick Turpin und Bram Stroker. Eine Holztafel im Pub informiert den Besucher:

The Spaniards Inn – ca. 1585

It is believed by some that the notorious highwayman Dick Turpin was born at the Spaniards Inn on the 21st September 1705. Whether this be true or not we know that his father was a previous landlord in the early 18th century and that young Dick Turpin allegedly watched passing coaches full of wealthy ladies and gentlemen from the upstairs rooms. It is in these very rooms that Dick Turpins life of crime began.

It is of some dispute whether the Inn was named after the Spanish Ambassador to the Court of King James I who resided here in the late 17th century to avoid the London Plague or that the Inn was named after Francis Porrero a previous Spanish Landlord.

In about 1820 Keats who lived in Hampstead at the time supposedly wrote ‘An Ode To A Nightingale’ whilst drinking in the beer garden. The Inn has since served many literary figures including Goldsmith, Byron and Sir Joshua Reynolds and is mentioned in two novels, Pickwick Papers by Charles Dickens and Dracula by Bram Stroker.

sp-inn
Das Spaniards Inn ist ein sehr gemütlicher Platz. Wir fühlen uns hier wohl und gehen öfter zum Essen hierher. Unten ist die Bar und im first-floor der dining room. Wer essen will sollte vorbestellen.

Eine besondere Attraktion ist der Biergarten. An heißen Tagen sitzen dort schon mal an die 300 durstigen Gäste. Und dann gibt es noch eine Sache auf dem Parkplatz, die wieder so typisch Englisch ist, dass ich sie nie vorher irgendwo gesehen habe. Man muß wissen, das Spaniards Inn ist wie die meisten Pubs sehr tierfreundlich. George drückte es so aus: “It’s a world where the humans are well-heeled and the four-pawed rather pampered.” Und weil man meistens mit dem Vierbeiner von einem Spaziergang aus der Hampstead Heath kommt, steht auf dem Parkplatz eine dog-washing machine! “It’s sprucing-up of canines whose coats have become a little unkempt while on walkies”, klärt George mich auf. Na, das wäre auch was für ihn, wenn er mal wieder durchs Unterholz gekrochen ist. 

Im Spaniards Inn spukt es, genau wie im Kenwood House. Hoffentlich fühlen sich die Geister dort wohl, ich möchte sie nicht im Haus haben. Wenn dann ziehe ich dort selbst post mortem ein.

Billig ist es nicht, aber für Londoner Preisverhältnisse erträglich. Das pint beer kostet £4,00 und ein Scotish Egg £5,00; fast hätte ich mir eins bestellt, aber George erinnert mich rechtzeitig an den letzten Pub Besuch. Die Eier wollten nicht lange im Magen bleiben. Dafür bestellt er sich eins, denn sie sehen wirklich lecker aus. “They are hot and crunchy on the outside, and beautiful warm and yokey in the middle.” Ich darf probieren und nutze es ohne Limit. Ein zweites Ei muß bestellt werden.

scotish egg
Das Bild ist von der Original-Karte. Mal ehrlich, das sieht doch lecker aus. Und so schmeckt es auch. Scotish Eggs im Spaniards Inn.

Wer nur wenige Tage in London verbringt, also auf der Durchreise ist, sollte sich im Hyde Park, in den Kensington Gardens oder im Regents Park erholen. Alle liegen im Zentrum, in bester Lage. Sie sind groß, grün und laden zu einer Pause ein. Wer aber ein bißchen länger in London verweilt, muß die Hampstead Heath besuchen. Und ich bin mir sicher, man wird bald wiederkommen.  

Fährt man mit der Underground (Northern Line) von -sagen wir mal- Charing Cross nach Hampstead ist man 17 Minuten unterwegs. Das ist keine aufwendige Sache. Die Weltmetropole London ist eine durch und durch grüne Stadt. Auch das  ist mit Hamburg vergleichbar. Natürlich nicht die Größe, aber warten wir mal die Olympiade ab. Und das sie nach Hamburg kommt, zweifelt doch wohl keiner an? …. Wie alt bin ich dann eigentlich? Ach du meine Güte!!!

olympia-london-2012
Das können die Hamburger auch schaffen