Wir haben beide in diesen Tagen viel zu tun. Trotzdem fliege ich am späten Freitag nach London. Ich werde nur zwei Tage bleiben, aber obwohl es eine Überraschung ist, habe ich dieses Wochenende doch schon lange geplant.

So wirklich habe ich George aber dann doch nicht überrumpelt, denn auch er hat etwas vorbereitet. Also hat er fest mit meinem Kommen gerechnet. Zu Recht!

George hat Karten für die Omid Djalili Show im Apollo Theater! Wow. Das ist ganz nach meinem Geschmack. Und das weiß er natürlich. Vermutlich ist Omid außerhalb der englischsprachigen Welt nicht sehr bekannt? Ich stelle ihn mal lieber vor:

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Omid ist iranischer Abstammung und einer der angesagtesten Comedians, die man zur Zeit in London sehen kann. Und da gibt es wirklich viele und sehr gute. 

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Das Schwergewicht Omid Djalili schwebt mühelos wie ein Feder über die Bühne. Sobald er ins Rollen kommt, ist er nicht mehr zu bremsen.

Ich habe Omid gleich im Januar, also wohl schon bei meinem ersten Besuch in London, mit seiner Show im telly gesehen. Jede Woche amüsiert er die Zuschauer. Ich wurde auf Anhieb sein Fan, weil ich ihm problemlos (sprachlich) folgen konnte. Es war wirklich eigenartig, aber ich verstand jedes Wort, obwohl er natürlich gerne Dialekte benutzt. Wie gut, dass George mich da schon mit seinem Brummi-English gut vorbereitet hatte. Jede Pointe, die bei Omid minütlich abgefeuert werden, kam bei mir an. Egal welches Thema, ich hatte immer gerade davon gehört oder darüber gelesen. So konnte ich immer herzlich mitlachen. Herrlich.

Live ist Omid natürlich noch viel präsenter als im TV. Er bietet eine perfekte Bühnenshow. Mal tanzt er wie ein Plumsbär, dann springt er singend über die Bühne und schlüpft nahtlos von einer Rolle in die nächste. Legendär seine Auftritte in Frauenkleidern.

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Die Herren sind schon älter. Aber ihre Musik ist jung geblieben.

Als wir das Apollo im Westen Londons verlassen, sehe ich ein Plakat hängen. Dort wird auf ein Konzert von Crosby, Stills & Nash hingewiesen. Das die noch leben, denke ich mir. Aber schöne Musik haben sie gemacht, nur das ist doch bald sechzig Jahr her, oder? Na, da können wir dann ja im Herbst hingehen und uns wieder jung fühlen. Wenn das Trio Marrakesh Express anstimmt, dann bitte ich George um einem Joint. So etwas wird er doch wohl haben 😉 

Es ist schon spät am Abend, aber jetzt gehen wir noch nicht nach Hause. Wir fahren ein paar Stationen mit der Tube und schon sind wir mitten in der City. Ich hatte einen Tisch im Clos Maggoire reserviert. Ich hatte gehört, dass man dort sehr romantisch essen kann. Als wir eintreten, bin ich futsch und weg. Das Restaurant wirkt als wäre eine Märchenkulisse in ein nobles Esszimmer verlagert worden. Unter blühenden Jasmin sitzen wir am Kamin und warten auf das Essen. Die Küche hält, was man erwartet. Die Wahl war ein Volltreffer und der Abend wurde wie ich gehofft hatte, nämlich etwas Besonderes.

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Clos Maggoire: Love is in the air

Es dauert gar nicht lange, ich bin gerade irgendwo zwischen Honey Glaced Greast of Goosnargh Duck und Endive Meunière angekommen, da ist es soweit. Midnight ist gerade durch und wir sind in Georges Geburtstag gelandet. “Lots of love and that all your dreams will come true. And mine” 😉 Füge ich noch schnell hinzu und er nickt zustimmend. “Auf Dein Wohl“.

Dann wird es auch schon Zeit zum Aufbruch, denn die Küche hat längst geschlossen und langsam leert sich das Restaurant.

Das Clos Maggoire ist mein Tipp für einen romantischen Abend in London. Es liegt zentral am Covent Garden, ist gar nicht so teuer und bittet seine Gäste um smart casual dress code. Na, das lässt sich doch machen.

Wir fahren in einer Black Cab nach Hause. Diese Taxi-Originale sind wunderbar. Die meisten schwarz, aber inzwischen nicht mehr alle, sind rollende “Tresore”. Ich fühle mich in den bequemen Autos sicher wie in Abrahams Schoß. Man kann die Beine ausstrecken und ist ganz unter sich. Den Fahrer trennt eine Scheibe von seinen Gästen. Der Beifahrersitz ist ausgebaut. So gondeln wir durch die Nacht nach Hampstead. 

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Das Londoner Taxi “Black Cab” bietet reichlich Platz. Inwischen gibt es Konkurrenz, die sog. Mini-Cabs. Die kann man auch vorbestellen. Das ist in der Stadt nicht nötig. Man streckt seinen Arm aus und schon hält ein Taxi.

Geburtstag zu haben ist in England eine feine Sache. Man lässt sich feiern und muß sich um nichts kümmern. Man wird von den Gästen eingeladen. Unsere Art der Büro-Feier ist ganz unbekannt. Niemand würde einen Tag vorher Kuchen backen und den dann auch noch mitschleppen. In London lädt man die Kollegen in den Pub ein, wo sie selbst zahlen. Falls die Feier zu Hause stattfindet, bringen die Gäste unaufgefordert die Getränke mit.

George hat seine Leute schon in der letzten Woche in den Pub gebeten. Auch das ist völlig normal. Man feiert seinen Geburtstag, wenn es gerade gut passt. Gerne auch vorverlegt. Kein Problem. Die Königin macht es vor. Sie hat in diesen Tagen Geburtstag und feiert immer Anfang Juni. Dann ist es wärmer, die Erdbeeren sind reif und die Untertanen haben Zeit, denn sie wählt immer den Samstag zum: Trooping the Colour.

Der Sonntag geht viel zu schnell vorbei. Und dann “fehlt” auch noch die Stunde, durch die Umstellung auf Sommerzeit. In England “Daylight Saving Time” genannt, oder, weil das so nach Sparwochen klingt, meistens einfach “Summer Time“. Zum Glück werden wir auch in dieser Zeit synchron ticken. Hoffe ich. 

Eine Nacht noch, dann muß ich wieder los. George wird sich jetzt langsam aber sicher aus seiner geliebten Arbeitswelt zurückziehen müssen. Das fällt ihm nicht leicht, ich habe es längst gemerkt und vermeide das Thema an diesem Wochenende bewußt.

Am Abend erwähnt er es dann aber selbst und fügt ganz nebenbei hinzu, dass er im Sommer viel unterwegs sein wird. Ich schlucke. Nach einer Pause frage ich dann doch. “Will you tell me about your plans?” “Of course.” Lange Pause. “You know about my sister’s house. Bathroom and kitchen are ready, the walls are painted and now it’s time for a new tenant.” Ich bin überrascht, dass er das Haus vermieten will. Ich dachte es wird verkauft. “Kümmert sich nicht der Architekt um all das?” “Well, but I would prefer to choose my new furniture by myself. Perhaps you will help me?”

Ich laufe langsam blau an, weil ich schon seit einiger Zeit das Atmen vergessen habe. Dann platze ich los: “Du willst da selbst einziehen???” “Yes, it could be good to gain some distance to my working? Not always but from time to time.” Ich bin sprachlos; von der Ankündigung völlig überrascht. Was für ein Geburtstag! Nur wer hat eigentlich wen beschenkt?

Noch am nächsten Morgen habe ich so viel ‘Wind unter den Flügeln’, dass ich auch ohne Flieger nach Hamburg gekommen wäre. Gelandet. Happiness comes knocking, start living.