Manchmal frage ich mich, wer in meinem Luv-London-Blog die Regie führt? Schon öfter passierte es, dass mir Infos zu einem Thema aus heiteren Himmel zuflatterten, über das ich gerade berichtet hatte. So auch heute zum gestrigen Beitrag “Main thing we had a good laugh“. Inhaltlich konnte es kaum passender sein, nämlich sehr komisch, also typisch englisch.

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Engl. Humor: The Animal Welfare schützt Hühner mit bunten jumpers gegen the Big Freeze im Winter. – Schlechtes Beispiel, denn die Helfer meinen es bitterernst.

Was war passiert? Heute starteten wir den Tag mal anders. Statt Laufen und Brook-Spaziergang in aller Herrgottsfrühe, votierte ich für einen “long lie-in” und so gut ausgeschlafen bin ich dann auch für ein Full English Breakfast bereit. Also genug Zeit um die englische Tageszeitung ausgiebig zu lesen. Und wie immer dauerte es nicht lange bis ich laut losprustete. Der erste Artikel, der mir die Lachtränen in die Augen trieb war in der Rubrik “Relationship” zu finden. Hier wird in aller Ernsthaftigkeit über neueste Erkenntnisse berichtet, die das Zusammenleben von Mann und Frau betreffen. Diesmal ging es um die Kommunikation, die nicht immer so klappt wie gewünscht. Dabei ist der Grund auf ganz neutralen Gebiet zu suchen, es liegt an den unterschiedlichen Tageszeiten, die Mann bzw. Frau für Gespräche bevorzugen. So weit so gut, dachte ich mir. Musste dann aber doch lächeln, als ich erfuhr, dass Männer um 8:15 Uhr abends und Frauen um 8:20 Uhr morgens zum talk bereit sind. Und zwar wohl nur zu diesen Zeiten! – Geht’s morgens auch noch um halb neun??

Ein Blick auf die Uhr entlockte mir ein “what a bummer!“. Ja, ich werde besser, ich schimpfe inzwischen auf Englisch. George schaute mich fragend an und ich erklärte ihm, dass die Chance auf ein konstruktives Gespräch für heute morgen bereits verstrichen sei. Weil ihm die Antwort nicht genügte, schickte ich gleich noch den Tipp hinterher, dass er heute abend, gleich nach den Nachrichten, sich schon mal auf ein paar Fragen meinerseits bereit machen soll. Dabei vermied ich die Formulierung “we need a talk“, denn das ist der Satz, der von englischen Männer gefürchtet wird. Im Gegenzug schätzen wir Frauen es nicht, wenn man uns mit einem “Is everything OK?” begrüßt. Besonders wenn einem gerade eher nach einem “blubbing into his shoulder” zumute ist. 

Da lassen Männer es gerne mal an Aufmerksamkeit fehlen. Aber auch das hat eine positive Seite, denn genau das ist der Grund für Zusagen von ihnen, die sie bewußt gar nicht registrieren. Ein Drittel der englischen Männer können sich nicht daran erinnern, dass sie einem shopping trip oder dem Besuch bei den Schwiegereltern zugestimmt hätten.

George wußte wohl um die Gefahr, als er mich zu einem IKEA Trip überreden wollte. Um keinen “serious damage of our relationship” zu riskieren, begann er das Gespräch mit: “Do you think you can survive a long road trip with me?” Ganz schön schlau.

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Englischer Humor: So transportiert man eine Leiter

Ich nahm mir noch ein Toast, belegte es mit Ei und einen guten Schuß HP Sauce. Das sieht farbenfroh aus und schmeckt mir inzwischen sehr gut. Gewohnheiten lassen sich umprogrammieren.

Dann blätterte ich um und stieß auf die vielversprechende Überschrift: “Is this why East Anglia is known Britain’s most godless place?” East Anglia beginnt im Osten von London und zieht sich bis zur Nordsee. Eine ländliche Gegend, dort fährt man gerne am Wochenende zur Erholung hin. Und ausgerechnet in dieser lieblichen Landschaft sollen die “gottlosen Engländer” leben? Eine Umfrage brachte es an den Tag. Wer in East Anglia zuhause ist, ist mit der Kirche und ihrem Personal unzufrieden. Im Originalton heißt das “they are dissatisfied with the po-faces clergy!” Sie mögen also die mürrischen Pfarrer nicht und das kann man ja verstehen.

Man beklagte: “They [the clergy] are less likely to recall a sermon or talk with contained a joke that made them laugh!” Auf Deutsch: Der Klerus ist nicht in der Lage eine Predigt ohne ein paar eingestreute Witze zu halten! Ich traute meinen Augen kaum, denn eine schönere Bestätigung meiner Einschätzung in Sachen englischer Humor konnte ich gar nicht finden.

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Engl. Humor: Ein Paddington Bear am Trafalgar Square. Vermutlich kein PR-Gag, sondern private Initiative.

Weil für den Engländer die humorlosen Pfarrer im Osten des Landes auf Dauer nicht hinnehmbar sind, besann man sich auf Abhilfe. Die wird nächste Woche in London angeboten, wenn sich dort der Klerus auf Einladung der “Christian Resourcers Group” treffen wird. Man wird einen Workshop anbieten, der die Gottesmänner locker machen soll. In der Zeitung liest sich das so: “This year the event will include a professional stand-up comedy training session to help clergy liven up their sermons“. 

Ich lasse die Zeitung sinken, schaue mir George an, der seit geraumer Zeit sehr intensiv mit dem Sportteil beschäftig ist, und denke so bei mir: Sind sie sich ihrer Gedankengänge eigentlich bewußt? Produzieren sie am laufenden Band skurile Situationen um sich gegenseitig gut zu unterhalten oder wissen sie gar nicht was sie da machen? Ich schwanke in meiner Antwort. Mal ein glattes YES, dann wieder ein DON’T KNOW. Aber das lässt sich ja klären. Frage ich doch meinen Engländer. Allerdings geht das jetzt nicht, wrong time!  Ich muß bis zum Abend warten (8:15 pm !) und wenn dann West Brom gegen Chelsea angepfiffen wird, dann werde ich sagen: “we need a talk“.