Seit das britische Parlament aus den stark verkürzten Osterferien zurück ist, herrscht Ruhe im Haus. Mir scheint das böse B***** Wort steht unter Bann. Niemand nimmt es in den Mund, nirgends eine Nachricht darüber und also hat man endlich wieder Zeit sich den wichtigen Dingen des englischen Alltags zu widmen. Und da steht natürlich der Garten ganz oben auf der Liste. Schließlich tanzen wir heute abend in den Mai und damit stürzt sich auch der letzte Spätblüher in die Orgie der Farben und Düfte. Es wird Zeit den Grill zu putzen, den Mäher aufzutanken und den Living Room mehr und mehr auf die Terrasse zu verschieben. Für George wird es Zeit Pinsel und Eimer aus der Garage zu kramen, der Holzzaun braucht einen neuen Anstrich. Dazu muß er aber erst einmal zu ABC fahren, einem Baumarkt in Finchley. Ich erwartete einen Großeinkauf von Grundierungen, Ölanstrichen und Farblasuren und war darauf eingestellt ihn für einige Stunden nicht zu sehen. Aber weit gefehlt, schon nach einer knappen halben Stunde kam er gutgelaunt zurück. Er hatte eine kleine, leichte Tüte in der Hand, nicht viel größer als ein DIN-a-5 Umschlag. Die wurde auf den Tisch geworfen mit dem triumphalen Kommentar: “One for three, two for five!” Aha, er konnte also ein Schnäppchen machen, kehrt als Sieger heim.  Der volle Preis wurde heruntergehandelt, dafür haben wir jetzt zweimal irgend etwas im Haus, was wir vermutlich bestenfalls einmal im Leben gebrauchen können.

Das ist in London immer so. Egal was man kauft, man bekommt einen zweiten, identischen Artikel kostenlos obendrauf. Und deshalb haben wir alles doppelt, egal ob man es braucht oder nicht. Zwei Zeckenzangen, zwei Türschloßenteiser und zwei Ersatz-Leuchtstoffröhren, wovon schon die erste nicht passte.

 

 

Als ich den phänomenalen Kauf, -laut George-, auspackte, staunte ich nicht schlecht. Ich hielt vier leuchtend grüne Plastikschilder in der Hand, mit dem Aufdruck ‘Hedgehog Highway’. Ich bin inzwischen englisch genug, um zu wissen, wo die Tafeln ihren Platz finden werden, nämlich an den beiden Holzzäunen zu den Nachbarn links und rechts. Beide Zäune sind in typischer UK Bauart, also zwei Meter hoch, sorry, of course two and a half feet high, absolut blickdicht und nicht sonderlich schön. Aber sie dienen auch nicht als Dekoration sondern als Schutzwall für die PRIVACY des Engländers und die schreibt er groß. So far and no further. Was innerhalb des eingezäunten Gebiets geschieht, geht nur engste Angehörige etwas an. Also Ehegatte, Kinder und Hund. Für den Schuppen gelten verschärfte Gesetze, dort ist alleine der Hausherr zutrittsberechtigt. Und obwohl jeder Nachbar als erstes einen blickdichten Holzzaun rund um den kleinen Garten hochzieht, schneidet er als zweites sofort Löcher hinein.

 

 

Bei uns ist das nicht anders, die entstandenen Lücken sollen den Igeln (hedgehog) das Leben leichter machen. Sie laufen nun mal gerne herum und brauchen freie Bahn. Und das ist dann der ‘hedghog highway’, der besonders abends und nachts gerne genutzt wird. Klar, dass wir das nicht verweigern. George ist in seinem Element, er ist nun mal ein guter Handwerker, das bringt sein Beruf mit sich. Es wird gesägt, gefeilt, gebohrt. Dann ist das Werk fertig und wird voller Stolz geprüft. “I’m very happy to look at that”, beginnt er seinen Dialog. Ob mit mir oder sich selbst, ist noch nicht ganz klar. “I’m a big proponent of making space for nature.” “Meinst du der Igel kann die Botschaft lesen?” “B***sh** a hedgehog finds its way alone.” Nun klärt George mich erst einmal auf, wie es um die englischen Igel steht. Nicht gut. In den Gärten wird ihm der Weg versperrt und in der freien Natur wird er vom Dachs bedroht. Also muß man helfen und eine Lücke für den stacheligen Kerl schaffen. Das Loch muß nicht größer als 5in sein, was dem Durchmesser eine CD entstpricht. Da kann der Igel dann durchschlüpfen oder wie George es viel besser sagen kann: “The hole allows the animals to move freely between gardens to find food and find a mate.”

 

 

Dann kann ich ja nur noch gratulieren, zur guten Arbeit und zur aktiven Hilfe bezüglich der Igel Partnersuche. Aber eine Frage bleibt ungeklärt. Für wen ist denn nun der Hinweis auf dem Schild, der da lautet: ‘Please keep this hole open’? Wir wissen doch wozu die Löcher dienen sollen, und wenn Nachbarhund Benny kommt, dann wird es ihn nicht kümmern, falls er genau an dieser Stelle einen Knochen vergraben will. Er schaufelt das Loch schneller dicht, als du es machen konntest. “No, no, it’s neither for Benny, nor his mate. It’s for the next tenant.” Jetzt, kapiere ich. Falls man das Haus verkauft, wissen die neuen Mieter warum der Zaun Löcher hat. Super Idee, vielleicht kann man damit auch andere Mängel elegant erklären. Die Idee werde ich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

 

 

Ein Igel hat sich schon eingefunden. Er kommt, sobald es dunkel wird. Er ist niedlich aber auch nicht schüchtern. Jedenfalls was die Lautstärke betrifft. Er macht eine ganze Reihe von Geräuschen, einige erinnern an lautes Schnarchen, andere sind noch peinlicher, alle aber sind lautstark. Auf jeden Fall scheint er sich wohlzufühlen und wenn die Nächte milder werden, dann wird sich hoffentlich auch bald die Igel Mama einfinden, zusammen mit der Igel Kinderschar. Gegebenenfalls sägen wir dann noch ein paar zusätzliche Löcher, das lässt sich machen. Und ein Paar extra Schilder liegen noch immer auf der Truhe in der Diele. Wir haben keine Ahnung wo wir sie so verstauen können, dass man sie im Fall des Falles auch wiederfindet. Aber wegschmeißen geht gar nicht, schließlich waren sie eine ‘tough negotiated addition’ und so etwa gibt man nie wieder aus der Hand. George hat dann aber doch die Lösung gefunden: “I think the fluorescent tubes still have room for the signs”.