Ich mag den Herbstnebel. Ich fühle mich gleich noch einmal so wohl, wenn es draußen feucht und klamm ist. Dann ist ein heißer Kakao eine Offenbarung und der Platz am Kamin das Paradies auf Erden. Ich muß es nicht ganzjährig haben, aber zwei Monate lang halte ich’s gut aus.

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London im Nebel. Das hat aber nichts mit dem Herbst zu tun, sondern mit zunehmender Luftverschmutzung! Kein Fog, sondern Smog. Passiert zum Glück nur bei besonderen Wetterlagen.

Lohnt sich jetzt noch eine Reise nach London? Zu einem Kurztrip würde ich sofort raten. Die Hotels bieten Sonderkonditionen und die Stadt ist gerade am Abend munter wie immer. Das nächste große Ereignis steht vor der Tür, ich bin selbst sehr gespannt. Am 5. November wird die Bonfire-Night gefeiert. Auf der ganzen Insel brennen dann große Holzstapel und über London erstrahlt ein prachtvolles Feuerwerk. Es ist wohl ein ziemliches Spektakel; ich hoffe es live erleben zu können.

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Eine Nacht lang brennt die Stadt. Was Guy Fawkes nicht schaffte, wird jährlich am 5. November nachgeholt.

Ganz langsam stellt sich bei mir auch erste Vorfreude auf die Adventszeit ein. George will unbedingt die deutschen Weihnachtsmärkte (und Glühweinstände) besuchen, -ich schwanke noch zwischen Bremen und Lübeck-, und ich will den englischen Xmas Trubel hautnah erleben. Klar, Adventszeit ist auch shopping time. Und da gibt es in England gerade wieder kontroverse Diskussionen, ob man denn nun endlich die Öffnungszeiten am Sonntag freigibt. Die Argumente der Gegner sind uns gut geläufig: Der Sonntag gehört der Familie und der Kirche. So richtig einsehen, kann ich es aber nicht, denn in England haben alle großen Geschäfte sonntags sechs Stunden lang (nur zwischen 10:00 – 18:00 Uhr) geöffnet. Egal ob Kaufhaus oder Supermarkt. Kleine Shops dürfen sogar rund um die Uhr verkaufen. Nicht unbedingt einleuchten, obwohl mir einige Gründe nach längeren Nachdenken einfallen. Ihnen bestimmt auch.

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Am Sonntag im Shopping Center. Eigentlich kein Unterschied zur Woche.

Apropos shoppen. Mir fällt noch ein Argument ein, London vor Ende des Jahres zu besuchen: Harrods baut ab Januar 2016 um. Eine Info-Tafel am Eingang verrät Details. Auf allen fünf Geschossen werden die Fenster erneuert, sechzehn neue Rolltreppen werden eingebaut und ins Dach schneidet man ein großes Loch, um darauf eine Glaskuppel zu installieren. All das wird wohl nicht während des laufenden Betriebes machbar sein, obwohl ich keine klare Aussage darüber fand. Vielleicht bleibt die Lebensmittelabteilung im Erdgeschoss geöffnet; wir gehen von Zeit zu Zeit dorthin und sind noch immer fündig geworden.

Eine unerfreuliche und doch lustige Geschichte passiert in diesen Tagen in Brighton. Dort lebt Simon Harris, der sich sehr für Hilfsprojekte der UN einsetzt und dessen Spendenaufruf auf Facebook von mir gerne unterstützt wird. Ich kenne Simon nicht, aber er scheint mir ein sehr typischer Engländer zu sein. Sympathisch, hilfsbereit, sich selbst nicht wichtig nehmend und stets bereit gute Laune zu verbreiten.

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Simon Harris in Brighton. Er ist mir sympathisch; die Pose dürfte Absicht sein; die Pflicht zum Unterhalten erfordert manchmal Mut.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann schwimmt Simon bei Wind und Wetter einmal rund um die Brighton Pier, um Aufmerksamkeit für seine Spendenaktion zu erhalten. Freunde sagen: “He’s the sort of person who thinks about the needs of others apart from himself. If you were in trouble he’d give you the shirt off his back“.

Das hat irgendjemand zu wörtlich genommen. Als Simon in diesen kühlen Tagen wieder seine Runde im Meer schwamm, hat ein Dieb seine Kleidung gestohlen. Zurück am Strand war nichts mehr zu finden. Simon mußte den Heimweg in Badehose antreten. Zum Glück war er mit dem Auto da, -vermutlich steckte der Schlüssel, da sind die Engländer sehr vertrauensvoll-, so konnte er wenigsten die Heizung voll aufdrehen. 

Ein gemeiner Diebstahl und doch unfreiwillig komisch. Denn in der Zeitung stand: “When he emerged from the sea he dicovered that someone had taken his clothes from beach. They also took his umbrella and sandals.” – George verstand übrigens nicht, was mich daran so amüsierte. Sie werden es sofort erkannt haben.

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Eine oxygen mask für den Kater. Sie paßt und er hat den Test mit Bravour gemeistert.

Es ist noch gar nicht lange her, da erzählte ich über die Polizeiautos ohne Sirene. Auch sie wurden ein “Opfer” der allgemeinen Sparmaßnahmen im öffentlichen Bereich. Umso erfreulicher die Neuanschaffung von Atemmasken bei der Feuerwehr. Sie wurden nicht für die  Lebensretter gekauft, sondern für Haustiere in Not. Es gibt die Masken (ca. 110 Euro) in verschiedenen Größen; bei Bränden finden die Retter immer wieder Hunde und Katzen in völlig verqualmten Räumen. Den Tieren geht es wie den Menschen, sie werden ohnmächtig wenn der Sauerstoff fehlt. Und weil das in Bodennähe sogar schneller passiert als in 1,70m Höhe, sind die Vierbeiner ganz besonders gefährdet. Auch typisch Englisch, dass niemand gegen diese Ausgabe etwas einzuwenden hatte.

Die Queen hatte gestern auch das Thema Tierschutz auf der Agenda stehen. Die royale Tierliebe ist bekannt. Sie war als Gast in der Tiermedizinischen Fakultät einer Universität, deren Name mir jetzt gerade nicht einfällt. Ist auch egal. Bei der Visite entstand mal wieder ein lustiges Foto:

Nein, Dr. vet. hat natürlich nicht zugepackt. Er versuchte nur äußerst engagiert alle Fragen der Queen zu beantworten. Und wahrscheinlich war sie am Thema der Tiermedizin sehr interessiert. Die Corgies werden auch nicht jünger. – Komisch, aber ich wette die meisten Leute würden sie auf dem Bild erkennen; auch ohne jeden Hinweis.

So, das war alles, was ich zu berichten weiß. Leider ein schlechter Abschluss, oder? Wie kriege ich denn jetzt ein witziges Ende hin? George ist leider außer Haus, auf seinen Kommentar müssen wir verzichten. Aber die Abhilfe ist schnell gefunden. Da habe ich doch noch ein Foto entdeckt, das wohl jeden zum Lächeln bringt. Es zeigt den neun Tage alten Sohn eines Soldaten der königlichen Wache. Wo kann man das Baby sicherer schlafen lassen, als auf Papa’s Uniform. Sleep tight little fighter!

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