Was soll damit gemeint sein? Sich glücklich zusammenzukauern? Yes, genau das und es ist ziemlich witzig, denn damit wirbt eine Gesellschaft, die Konferenzräume vermietet. ‘Huddle Happy’ ist so ein typisch englisches Wortspiel, dass neben der eigentlichen Botschaft auch eine gute Portion Glück vermitteln soll. Und das ist in diesen Zeiten des Brexit mehr als wichtig. Man merkt den Leuten die Last an, die auf ihnen liegt. Es muß für viele ein nicht endender Alptraum sein, aus dem sie endlich erwachen wollen. In der Zeitung stand vor einigen Tagen: ‘Brexit is when the fun stops’ und das ist leider bitter wahr. 

Während meines gerade beendeten London Aufenthalts schienen mir die Leute anders als sonst zu sein. Sie liefen noch hastiger durch die Straßen, sprachen noch weniger und lachten nur selten. Dazu jede Menge Demonstrationen, Proteste, sogar lautstarke Auseinandersetzungen im Coffee Shop. Alles sehr unüblich in England. Das Wetter war zwar wunderbar, mild und sonnig, und doch schien vieles verschattet zu sein. War mein geliebtes London verschwunden? Nein, zum Glück nicht, aber ich mußte etwas länger danach suchen. Dann fand ich einen Ticketverkäufer, der sich die Zeit nahm, mich mit seinen guten Laune anzustecken. Ich traf auf die nette Security Dame, mit der ich mich lange über Ausstellung und andere Besucher amüsierte (sorry!) und da waren die Männer und Frauen der Royal Guard, die es immer nahtlos schaffen, professionelle Akkuratesse mit herzlicher Zuneigung zu verknüpfen. Und unterwegs stiess ich auf einige Botschaften, mal kluge Gedanken, mal witzige Anspielungen, oft beides. Beispielsweise am Bauzaun des Waldorf Astoria Hotels, die demnächst in den bekannten Admiralty Arch einziehen. Das ist der mächtige Bogen zwischen Trafalgar Square und der Mall, die direkt auf den Buckingham Palace zuläuft.

 

In dieses bekannte Gebäude zieht ein Hotel ein. Am Bauzaun sind kluge Sätze in Latein und Englisch zu lesen. Ich stutze und frage mich, ob hier ein Bezug zum Brexit angedeutet wird?

 

Weiter westlich, auf Höhe der Lambeth Bridge, fielen mir bunte Zettel auf. Sie kleben an Verteilerkästen und Lampenpfosten. Ein ungewohntes Bild, denn im Londoner Zentrum, und Lambeth gehört sicherlich dazu, ist alles penibel sauber. Schon am frühen Morgen sieht man überall Männer mit Schaufel und Besen hantieren. Sie fegen die Fußwege vor den Büros und Geschäften. Jeder noch so kleine Papierfetzen, jede Kippe oder Kronkorken wird aufgesammelt. Das wiederholt sich mehrmals, über den ganzen Tag. Halten Sie das jetzt aber bitte nicht für eine Einladung, ihren Müll auf den Boden zu werfen. Das kann nicht nur, nein, das wird teuer. Vergessen Sie nie, dass sie immer von Videokameras überwacht werden. Und mal ganz abgesehen von Kontrolle und Strafe, wäre es ja auch ein sehr schlechtes Benehmen. Weil das niemand macht, haben die bunten Zettel sofort meine Aufmerksamkeit. Da scheint jemand zum Nachdenken anregen zu wollen.

 

 

Die wirklich witzigen Sprüche haben sich leider rar gemacht. Den Engländern scheint die Lust am Spaß vergangen zu sein. Hoffentlich gibt sich das bald, denn für mich ist der englische Humor  unverzichtbar. Fast würde ich sagen alternativlos, aber das wäre dumm, denn es gibt immer Alternativen. Jedenfalls für kluge Menschen. Ich habe eine letzte Hoffnung, wo ich fündig werden könnte. Und also mache ich mich auf den Weg zu ein paar Pubs, die in kleineren Strassen liegen. Die Lokale weisen gerne mit Schildern darauf hin, dass sie geöffnet haben. Und auf diesen Schildern steht natürlich mehr, als die Botschaft: We are open. Das wäre dann doch zu dünn, damit kann man niemanden locken. Und tatsächlich, schon beim ersten Versuch werde ich fündig. Ein versöhnlicher Abschluß meines Rundganges und die Hoffnung darauf, dass sich bald alles wieder normalisiert. Der Engländer endlich wieder Ruhe findet und sich um das kümmert, was er am besten kann, nämlich seine Mitmenschen gut zu unterhalten.

 

[hoot_slider id=”2083″]