Jetzt ist es passiert. Die Queen ist zurück und eines ihrer ersten Handlungen war die Einladung der Mitglieder des Sicherheits- bzw. Kronrates (Privy Council). Alle führenden Politiker wurden in den Buckingham Palast gebeten um den Treueeid abzulegen. 

Ich hatte über die Zeremonie berichtet, und dass ganz England gespannt ist, wie der neue Labour Leader Jeremy Corbyn auftreten wird. Er ist ein ausgewiesener Monarchiegegner und soll jetzt vor der Queen knien, den  Eid schwören und  seine Worte mit einem Handkuss besiegeln. Für die meisten eine Ehre, für ihn vermutlich eine Höllenqual.

Letzten Sonntag kehrte die Queen in aller Stille aus Schottland zurück. Am Montag gingen die Einladungen an die Politiker, gestern fand die Zeremonie statt. Und was passierte am Dienstag? Unfassbares, denn Jeremy liess die Königin wissen, dass der Termin leider mit einer anderen Einladung kollidieren würde und er deshalb nicht kommen kann! Das muß man sich mal vorstellen. Ganz England war sprachlos. Seitdem ist Mr Corbyn abgetaucht; niemand hat ihn in den letzten Tagen gesehen.

In Deutschland gebe es jetzt einen Brennpunkt und diverse Politik Talk Shows, wo Politiker aller couleur sich empören würden. Endlich mal wieder öffentliches Fremdschämen. Das macht man immer gerne. Zur Abrundung folgt dann ein live Interview mit einem Politikwissenschaftler, der die Auswirkungen des Frevels für die nächsten Jahre aufzeichnen würde. Zum Gähnen langweilig. England reagiert natürlich ganz anders. Erst mal startet man eine Umfrage:

 

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Dass sich Jeremy grottenschlecht benommen hat, ist klar. Er ist nicht irgendwer, sondern der Oppositionsführer für die nächsten fünf Jahre. Zumindest ist es so geplant. Richtig sauer ist man aber über einen anderen Aspekt. Corbyn hat durch seine schnöde Absage alle um einen Riesenspaß gebracht. Das ist unverzeihlich und wird nicht hingenommen. Die Zeitungen reagieren mit Humor.

“Last seen on Monday in trademark brown jacket, whereabouts of Labour leader remain a mystery after he avoided kissing Queen’s hand on his knees”, titelt der Telegraph und fährt amüsiert fort “Missing: one 66-year-old, grey-haired man with beard. Last seen in public on Monday evening in an agitated state, wearing a brown tweed jacket and green-striped shirt.”

Prompt twitter ein Leser: “My brother’s on holiday in Scotland and he walked after someone wearing ‘knitwear with elbow patches’. Must has been Corbyn.”

Gestern nachmittag dann das Finale. Man schickt eine Queen Doppelgängerin los. Die perfekt gekleidete Schauspielerin klingelte an Corbyns Haustür in Islington, London. Heute ist das Bild in allen Zeitungen zu finden und ganz England lacht sich tot. Mission accomplished.

 

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Die “Queen” in Jeremys Vorgarten in Nord-London. Selten so gelacht.