Ich fühle mich langsam wie eine Hofberichtserstatterin und wollte deshalb eigentlich über den Geburtstag des Windsor Stars schweigen. Aber nun hat sich Prince George den nachträglichen Glückwunsch zu seinem beginnenden fünften Lebensjahr redlich verdient. Letzte Woche war er noch mit den Eltern und seiner kleinen Schwester in Hamburg und hat den ‘Auftrag ihrer Majestät’ erstklassig gemeistert. Die Hamburger, darunter viele Angereiste aus dem Umland, waren von der charmanten Familie ehrlich begeistert und die bedankte sich mit einem rundum gelungenen Ein-Tages-Besuch. Ich glaube es hat ihnen bei uns gefallen, denn zum Abschluß stand das Airbus Werk in Finkenwerder auf dem Plan und da glaubte nicht nur der kleine George, dass er bereits ein vorgezogenes Geschenk bekommen hätte. Nein, sein Vater war genau so hingerissen, als er die dort aufgereihten Hubschrauber in Augenschein nehmen durfte. Das war ganz nach dem Geschmack der Männer. Kate kam dafür schon am Mittag in der Elbphilharmonie auf ihre Kosten. Sie nahm dort kurzentschlossen den Taktstock in die Hand und dirigierte das NDR Symphony Orchester. Ich glaube wir werden den königlichen Nachwuchs noch öfter zu Besuch haben, denn Hamburg dürfte bei Ihnen in guter Erinnerung bleiben.

 

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Gut, dass die Royals inzwischen personell mächtig zugelegt haben. Man nutzt die Personalstärke und kann deshalb zeitlich parallel im In- und Ausland tätig sein. Während William mit seiner Familie noch auf der Elbe schipperte, empfing die Queen den spanischen König. Der bedankte sich mit einem Handkuß wie aus dem Bilderbuch. Gelernt ist gelernt. Übrigens interessant, dass die Königin ihm dabei nicht in die Augen schaut, obwohl sie es ganz offensichtlich genießt. Es ist belegbar, dass Sinneseindrücke geschmälert werden, wenn davon mehrere gleichzeitig im Gehirn ankommen. Das gilt besonders für die taktilen Eindrücke. Sie sind nur dann von großer Intensität, wenn man nicht gleichzeitig sieht, hört, schmeckt oder schnuppert. Also immer schön die Augen beim Küssen schließen. – Ja, die ‘Weisheit’ habe ich von meinem englischen Medizinmann, er behauptet das beweisen zu können. Ich glaube ihm auch ohne theoretischen Beleg und verlange einfach nur den Praxistest. Den konnte er liefern und bestehen.

 

 

Noch am selben Nachmittag sieht man die Königin zusammen mit ihrem Mann an der Themse. Sie besuchen das neue Hauptquartier der Metropolitian Police, besser bekannt als Scotland Yard. Das neue Haus liegt direkt an der Themse und ist eigentlich das alte Headquarters, denn dort hatten sie schon vor 30 oder 40 Jahren ihre Zentrale. Die Aussicht aus der oberen Etage ist umwerfend. Eigentlich müsste man hier ein Hotel eröffnen, aber ich gönne es den Polizisten, denn sie leisten täglich hervorragende Arbeit. Übrigens sind die Londoner ‘Bobbies’ im Dienst nicht bewaffnet.  

 

Die Aussicht vom fünften Stock des Headquarters am Victoria Embankment. Gleich gegenüber am Südufer steht das Riesenrad in der Themse.

 

Bei dem Schäferhund fällt mir spontan eine Liedzeile ein. Es ist ein altes Volkslied, dass jeder Engländer mitsingen kann. Man hört es auch abends life im Pub, wenn jemand seine Gitarre dabei hat. Es heißt ‘My old man’s a dustman’ und der Refrain geht ungefähr so: I found a police dog in my dustbin. How do you know he’s a police dog? He had a policeman with him. I say, I say, I say …

Und dann erzählt mir George noch etwas über das neue Met Headquarters, was ich absolut nicht glauben wollte. Aber er kennt das Haus und behauptete, man hätte die Fliesen in den Nassräumen nach einem ganz bestimmte Muster ausgesucht. Man hätte sich bei der Gestaltung der Farben von den verschiedenen Lackierungen der Einsatzfahrzeuge leiten lassen. Ich ziehe skeptisch die Augenbraue hoch, aber er nickt bestätigend. “They have a sense of humour. The colors in the toilets correspond to the vehicles. Both follow the same pattern.” Und dann zeigt er mir ein Foto, dass das tatsächlich beweist. Ich bin erstmal sprachlos, aber ich finde es schön und ziemlich originell. 

 

Ziemlich modern, aber die Wasserhähne für kaltes und warmes Wasser sind noch immer getrennt.

 

Die Engländer lieben es ihre Wände mit großen Mustern zu zieren. In vielen Wohnzimmern findet man Tapeten, die mich an meine Kindheit erinnere. Also sechziger Jahre. Besonders beliebt sind geometrische Figuren, dreidimensionale Bilder oder großflächiges Dekor. Das macht dann die kleinen Räume noch enger und komischerweise finden auch viele Gefallen an dunklen Farben für ihre Teppiche, Möbel und Tapeten. Ich habe das gerade wieder in einem englischen Hotel erlebt, da traf mich fast der Schlag, als ich die Tür öffnete. Und dann entdeckte ich auch noch den Teppich im Treppenhaus, da wusste ich: Hurra, ich bin in England. Aber alles halb so schlimm, denn irgendwie ist es dann doch immer sehr gemütlich. Und darauf kommt es an, oder?

 

Hotelzimmer sind selbst in London oft wie in den sechziger Jahren eingerichtet. Dafür sind die Betten meistens gemütlich. Die Treppe ist allerdings schon nüchtern nicht zu bewältigen, wie soll ich die Stufen abends nach dem Theaterbesuch treffen? Ich werde allerdings den Verdacht nicht los, dass auch das eine Form des britischen Humors ist.