Der Deutsche geizt mit seinem Humor, wo immer er kann. Jeder Dritte lacht täglich weniger als fünf Mal! Das schafft der Engländer zwischen Weckerklingeln und aus dem Bett steigen. Problemlos. Wir hingegen warten auf den Abend, auf die besondere Gelegenheit, wenn wir mal einen Witz erzählen wollen. Und vermasseln dann prompt die Pointe. Trotzdem wird der Gag, den keiner verstanden hat, sofort von erklärt, analysiert und diskutiert. Das mögen wir, da fühlt wir uns dann wieder auf sicheren Terrain.  Aber ich will den Deutschen, -und damit auch immer mich selbst-, nicht zu streng beurteilen. Es fehlt uns schlicht an Übung. Man hat es uns so beigebracht, in der Öffentlichkeit stets den Kopf zu benutzen, aber niemals das Herz. Lachen ist uns fast so peinlich wie weinen. Das sind Gefühlsausbrüche und die zeigt man höchstens zuhause. Aber wer erzählt einem da die Witze? – Dem Engländer fehlt natürlich auch so manches, aber im Witzigsein ist er uns haushoch überlegen. Und deshalb schauen wir mal, wie es der deutschstämmige Prinz Philip macht.

 

Philip über seine Tochter Prinzessin Anne: “If it doesn’t fart or eat hay, she’s not interested.” – Das geht in Ordnung, darüber hat sie unter Garantie Tränen gelacht.

 

Eine aktuelle Untersuchung fand heraus, dass die Deutschen heute weniger denn je lachen. Selbst mitten im Kalten Krieg zeigten wir uns humorvoller. Woran liegt das? Ehrlich gesagt ist auch mir das Lachen abhanden gekommen, seit ich nicht mehr so oft in England bin und das stört mich gewaltig. Also habe ich mir ein paar englische Bücher besorgt und schon ging es mir deutlich besser. Der wortgewandte Engländer fand auch eine witzige Titelzeile zu unserer momentanen Gefühlskrise: “Why modern Germans really do have the wurst sense of humour”. Gekonnter Wortwitz.

 

Natürlich wissen sich die Royals in der Öffentlichkeit zu benehmen. Aber auch sie können ohne Witze nicht leben. Da muß man schon wasserfestes Augen Make-up auftragen.

 

Mein Freund George, der mal wieder bei mir in Hamburg ist, fiel es sofort auf. “I know what your problem is, you have a vertical smile.” Ja, es wird höchste Zeit einen Aufenthalt auf der Insel zu planen. George: “The overwhelming majority of Germans are curmudgeons.” “Was sind wir?”, frage ich ihn und muß nachschlagen. Er meint ‘Griesgrams’ und hat damit wohl recht. Aber es gibt noch einen anderen Punkt, der ihm wenig gefällt: “When you allow yourself a chuckle, it’s often at the expense of others. You like to laugh at others’ misfortune.” Ist es wirklich so schlimm? Bin ich denn wieder ganz in alte Gewohnheiten zurückgefallen? Die Schadenfreude ist tatsächlich eine deutsche Spezialität. Wir lieben TV-Shows, wo Menschen vorgeführt werden. ‘Ha, ha, ha, wie doof ist der/die denn?’ Abendunterhaltung im deutschen Bezahl-TV. Übrigens gibt es kein englisches Wort dafür. 

 

Prinz Philip ist bekannt dafür, seiner Frau Witze zuzuflüstern, die nicht für fremde Ohren bestimmt sind. Bei ihrer eigenen Krönung, als er ihr im Hermelinmantel Treue schwören mußte, soll er gesagt haben: “Where did you get the hat?” – Wenn Sie alleine sind nennt er sie ‘sausage’. Eine Liebeserklärung, denn für ‘sausage’ riskiert jeder Engländer sein Leben.

 

Das miese Abschneiden der Deutschen beim Humor Test wurde übrigens von einer deutschen Krankenkasse ermittelt. Weil Miesepetrigkeit krank macht, empfiehlt man täglich hohe Humor-Dosen einzunehmen. Beim Lachen werden über 80 Muskeln stimuliert, Hormone werden ausgeschüttet und man entspannt augenblicklich, sowohl körperlich als auch mental. Weil der Deutsche aber den spontanen Witz bisher nie entdeckte, macht man sich wenig Hoffnung, dass sich daran künftig etwas ändern wird. Und deshalb rät man zu einer anderen, typisch deutschen, Lösung. Man soll einfach ‘mit Gewalt’ lachen. Nach dem Motto: ‘Nun strengen Sie sich mal an und sinken ganz in die Fröhlichkeit’. Ich habe so etwas mal in einem Lach-Yoga Kursus erlebt. Das Blödeste, was ich bisher mitgemacht habe, denn man soll spontane Gefühle absichtlich und mit Willenskraft erzeugen. Und wem das nicht auf Anhieb gelingt, der muß dann ganz intensiv üben. Aber bitte mit dem nötigen Ernst. 

 

Lachen ist die beste Medizin. Philip über seinen Rücktritt: “I can’t stand up much longer”, sagt er und lacht sich schlapp. Ja, das ist doppeldeutig formuliert.

 

Wir brauchen dringend mehr Fröhlichkeit. Es ist eigentlich ganz einfach. Fangen Sie an sich mit der Englischen Mentalität zu beschäftigen. Filme ansehen, Bücher lesen oder gleich einen Urlaub auf der Insel machen. Nein, die Briten sind nicht die besseren Menschen, aber die entspannteren. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend und tut gut. Dass Prinz Philip in seinem hohen Alter noch so fit ist, liegt ganz bestimmt auch an der typisch englischen Leichtigkeit, mit der er durch den Tag und sein ganzes langes Leben steuert. Wenn Sie ein bißchen über die Fotos schmunzeln konnten, dann habe ich mein Ziel erreicht. Happy day!