Irgendwie kommt der Sommer 2015 nicht in die Gänge. Jedenfalls nicht hier im Norden. Für London gilt ähnliches, Tendenz leicht besseres Wetter. Wie so oft! Es gibt Tage da ist der Hochsommer zu Besuch. Letzten Freitag hatten wir plötzlich an die 30° in Hamburg. Am Samstag blieb das Quecksilber aber schon wieder im vertrauten Bereich stehen, so um die 20°. Dazu leichter Regen. Morgens wachte ich von Donnergrollen auf. Oder war es nur ein Traum?

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Andererseits macht es mich auch nicht wirklich neidisch, wenn ich mit meiner Schwester in Freiburg (Breisgau) telefoniere und von lang anhaltender Hitze erfahre. Dort wurde schon öfters die 38° Grenze geknackt und George kriegt die Motten, denn er rechnet in Fahrenheit und ist dann bei satten 100° Grad. Puhhh.

Aber wie jedes Jahr ist das Sommerwetter überhaupt keine Überraschung, denn es kündigt sich pünktlich an. Ich sage nur ‘Siebenschläfer’. Ob man es glaubt oder nicht, die Regel stimmt. Ich prüfe sie seit 40 Jahren und sie trifft immer zu. So wie sich das Wetter am 27. Juni (Siebenschläfertag) zeigt, so wird es sieben lange Wochen bleiben. Wie immer gilt, Ausnahmen von einem Tag bestätigen die Regel.

Und wie war es am Siebenschläfer 2015? Durchwachsen, hin- und wieder Schauer, nicht warm, nicht kalt. Mit anderen Worten, es war mittelmäßig und das ist meistens keine gute Wahl.

Um den eher ungemütlichen (wetter-technisch) Sonntag wach zu überstehen, erzähle ich George ausführlich vom Siebenschläfer. Ein guter Einstieg um dann auf andere Bauernregeln zu kommen. Mal sehen wie lange ich sein Interesse wachhalten kann. Aber dann kommt es wieder ganz anders, denn nun ist er es, der mich überrascht. Den Siebenschläfer kennt auch der Engländer, natürlich mit kleinen Abweichungen, sonst wäre es ja auch nicht typisch britisch. Erstens beobachtet der Engländer das Wetter am 15. Juli, zweitens gilt die Prophezeiung für 40 Tage und drittens nennt er das Ereignis St Swithin’s Day. Ansonsten the same procedure like in Germany.

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Der 15. Juli 2015 in London. Ziemlich naß und ungemütlich.

Nun hatte es leider am 15. Juli in England in weiten Landstrichen gekübelt wie aus Eimern und also erwartet man 40 days and nights of wet weather. Nur Wales, die Midlands und der Norden können mit sonnigen Tagen rechnen, denn dort war der St Swithin’s Day trocken. Die eigentlich vom guten Wetter verwöhnten Londoner nahmen es sportlich: Well that’s it … summers gone. Ein anderer Leser, mit dem schönen Alias-Namen bookwarmbett (das englische Word bed war wohl schon vergeben?) twitterte: Oh good. Freezing cold rain for the next 40 days. Liverpool war ganztägig vom Regen verschont worden, also hörte man von dort: St Swithin’s Day and not a drop of rain in sight. Hallelujah and Amen.

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Bischof Swithin in Winchester. Gab es um 850 AD Regenschirme?

Das waren passende Worte, denn St Swithin war der angelsächsische Bischof von Winchester. Er starb so um 860 AD. Rund hundert Jahre später hat man ihn heilig gesprochen und seinen Leichnam in einem Schrein in der Kathedrale aufgestellt. Das war gegen seinen testamentarischen Willen. Swithin wollte ein Erdgrab, das vom warmen Sommerregen genäßt wird. Kaum hatte man den Heiligen in die Kathedrale umgebetten, wohl an einem 15. Juli, bekam man die himmlische Quittung. Es fing an zu regnen. Vierzig Tage goß es ohne Pause, als würde der Himmel weinen.

So wurde also der durchwachsene Sommer 2015 gleich doppelt vorhergesagt. Mit anderen Worten stabile Westwetterlage treibt ein Wolkenfeld nach dem anderen zu uns. Gut das ich in meiner Wetter-App auch das aktuelle Wetter für London sehen kann, so weiß ich immer was am nächsten Tag in Hamburg ankommen wird.

* * * * *

Draußen trübes Wetter und wir hängen durch. Schlechte Kombination. George hat in der letzen Woche wenig Schlaf gehabt und ist ungewohnt müde, ich habe eher den Blues. Mein Windows PC muckt seit Wochen, jetzt ist er in kürzester Zeit zum zweiten Mal mitten im Start stehengeblieben. Mir fehlt der Glaube, dass es hilft erneut alles auf Anfang zu setzen. Bei der letzten Wiederherstellung waren 280 wichtige Updates fällig. Trotz schneller Internetverbindung habe ich mich stundenlang damit aufgehalten. Ich mag nicht mehr. Aber eigentlich habe ich noch Glück, denn George lässt seinen Rechner oft in Hamburg und so habe ich sofort Ersatz. Ich muß mich zwar erst einmal von Windows auf Apple umstellen, aber das wird wohl nicht so schwierig sein. – Sagte das unwissende Schaf.

Keine Frage, Apple Hardware ist eine Klasse für sich. Alleine die Gehäuse fassen sich wie Samt und Seide an. Der Retina-Bildschirm ist um Klassen besser als jeder noch so teure TV-Bildschirm und das Design von Tastatur und Maus begeistert auch noch nach tagelangen Gebrauch. Windows Programme wie MS Office, Outlook oder Internet Explorer funktionieren in der Applewelt nicht, aber der Ersatz ist gleichwertig. Haariger wird es mit speziellen Anwendungen, wie z.B. ein gutes Bildbearbeitungsprogramm. Lightroom oder Photo Shop funktionieren in beiden Welten, aber ich mag Adobe’s Marketingphilosophie schon lange nicht mehr. Nach langen Suchen finde ich ein OSx Programm, aber die Einarbeitung ist immer mühsam. Gerade weil man es alles ein bißchen anders gewohnt ist.

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Richtig abenteuerlich wird es dann aber in Kleinigkeiten. Nach längeren Suchen finde ich den PC-Startknopf an der Rückseite des Bildschirmes. Der Knopf zur Verbindung der Bluetooth-Tastatur ist so nahtlos in das Alu-Gehäuse eingefräst, daß ich lange nach ihm suchen muß. Ein edles Keyboard, sehr klein, sehr leise, sehr präzise. Aber es fehlen Tasten. Ich suche auch heute noch die Tasten für Einfügen/Ersetzen, Entfernen (!), Pos 1, Bild hoch/runter oder Drucken! Kann es sein, dass man in der Applewelt weder Druckbutton noch Druckmenue kennt ?? Warum zeigt der Finder (Explorer) nicht den Inhalt der Festplatte an? Wie wird ein Ordner umbenannt? Warum verschwinden die geöffneten Fenster, sobald man das Programm wechselt? Fragen über Fragen, die Sache ist komplizierter als gedacht. Immerhin habe ich meine Mail-Postfächer einrichten können. Und Skype brauchen wir jetzt auch nicht mehr, Apple hat sein eigenes Talk-Programm.

Ich nutze also die Gelegenheit. Statt outdoor Training machen wir PC Schulung. George kann mir zeigen wie es geht und ich belohne uns mit einem ur-englischen Essen. Und zwar ganztägig. Ein kalorienreiches Schlemmen. Futtern bis der Arzt kommt; ein Wortspiel das George nicht kapiert.

1breakfast1.) Frühstück: Das Full English Breakfast lädt die leere Batterie mit reichlich Energie auf.  Gut 1.000 kcals muß man wohl einkalkulieren. Dafür hält es bis abends vor. Guten Hunger.

3ploughmans-lunch2.) Lunch: Mittags einen Ploughman’s-Lunch. Sandwiches mit Käse, Gurke, Rote Beete und Glaszwiebeln. Es sieht gesund aus. Trotzdem sind es weitere 1.000 kcals. Für den kleinen Hunger mehr als genug.

4ice3.) Tea-Time: Statt Afternoon-Tea, das wäre wieder eine Art Lunch, gibt es nur etwas Süßes. Ein Eisbecher mit Früchten, OHNE Sahne, reicht, denn das eigentliche Dinner schließt sich nahtlos an.

 7ale4.) Dinner: Wir wollen es nicht übertreiben. Dinner fällt aus. Wir haben genug gegessen. Ausserdem sind wir langsam durstig. Ein Pint of ale oder stout ist jetzt die richtige Wahl. Pro Glas etwa 250 kcals

8popcorn5.) Sweets & nibbles: Der Tag war anstrengend. Fernsehen macht hungrig. Ein Becher Popcorn füllt den Magen. Wenn man die regular sweet Variante wählt, muß man mit 650 kcals rechnen. Genug für einen ruhigen Schlaf.

*** Good night and sweet dreams ***