… it’s a matter of life or death. Kann man diesen Satz falsch verstehen? George kann es und behauptet natürlich ich hätte mich nicht klar ausgedrückt. It’s incredible! Aber urteilen Sie selbst.

London-Hamburg in achtzig Minuten. Das war schnell, der Pilot hat wohl Super im Tank. Ich komme bei besten Herbstwetter zu Hause an. Erst mal auf’s Klo und da trifft mich auch schon der Schlag.

Ein schwarzes Etwas, bestimmt fünf Zentimer lang, sitzt auf den schneeweissen Bodenfliesen und fixiert mich mit giftigen Blick. Das pechschwarze Monster wird eine Spinne sein, aber es hat einen merkwürdig gekrümmten Schwanz. Etwa ein Skorpion? Kann ja wohl nicht sein. Ich will es auch gar nicht so genau wissen, nehme mir meine Insektenfalle und fange es damit problemlos ein. Fenster auf, Falle raushalten, schütteln, auf Wiedersehen.

Die Toilette brauche ich nicht mehr, der Druck ist weg. Nein, ich habe mir nicht in die Hose gemacht; obwohl auch nicht viel fehlte. Verdammt, warum ist George nicht mitgekommen. Der geht mit Spinnen ganz entspannt um.

Am Abend berichtet die BBC (Kabel-TV) über eine außergewöhnliche Spider Invasion auf der englischen Insel. Ich Blödmann, anstatt sofort auf’s ZDF umzuschalten, schaue es mir an.  Im Zweiten hätte ich in Rosamunde Pilcher’s Phantasien baden können. Obwohl ehrlich gesagt sind mir ihre “Love-Stories” genauso zuwider.

Redsidents find spiders as big as mice. Ist im Lauftext am unteren Bildschirmrand zu lesen. Na Mahlzeit. Der nasse Sommer treibt die Achtbeiner in die Häuser. Zum Glück scheint bei uns die Sonne, da bleiben die Biester doch hoffentlich im Garten.

 

mice

 

Gegen elf bellt mein iPad. Eingehender Skype-Anruf. George meldet sich, nimmt mich per remote mit zum Abendessen und erzählt gut gelaunt, was er so gemacht hat. Während ich noch den idealen Halt für das Tablet auf meinem Knie suche, fällt mein Blick auf das Kissen. Dort sitzt eine Spinne groß wie ein Handteller. Sie muß von der Terrassentür hereingekrabbelt sein und verharrt nun ganz ruhig, stur zu mir hinblickend. Ich drehe George abrupt um und zeige ihm das Ungeheuer. Er redet mir gut zu: Bleib ganz ruhig, fang das Tier und trage es raus. I’v time, I wait. Toll, Danke!

Der Plan ist gut, aber ob Sie es glauben oder nicht, die Spinne war zu groß. Sie passte nicht in den Snipper. Die langen, haarigen Beine guckten unten raus. Erst als sie sich klein machte, konnte ich die Falle schließen. Unfallfrei habe ich Tarantula an die frische Luft gesetzt. Ob sie während der Nacht den Weg ins Schlafzimmerfenster findet?

 

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Mir reicht’s und deshalb setzte ich George jetzt richtig unter Druck. Du mußt kommen, so schnell wie möglich. Er hat nur ein müdes Lächeln für mich übrig. Die Spinnen machen ihm wirklich nichts aus. Wer weiß, wann er das letzte Mal Fliegenlarven aus einer Augenhöhle gezogen hat. Wem dabei nicht die Pinzette aus der Hand fällt, der darf sich natürlich als cooler Knochen bezeichnen.

Weil er aber wohl die Chance wittert, für Wochen mein Held zu sein, lässt er sich erweichen einen Tag früher als verabredet zu kommen. Für mich heißt das noch drei Tage alle Fenster und Türen abzuschließen. Nachts am besten im Schlafsack einmummeln und keine Nachrichten mehr aus dem Insektenreich.

 

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Und damit Sie auf dem Laufenden sind, hier noch die wichtigsten Infos zur diesjährigen “Giant house spider invasion“. Sie wissen ja, ich teile gerne:

  1. Die Spinnen sind ungewöhnlich groß, manche wie eine Maus.
  2. Sie suchen einen trockenen Platz um hunderte von Eiern abzulegen.
  3. Im Herbst sind sie besonders aktiv. Brunftzeit, auch bei den Spinnen.
  4. In UK wurde ein seven inches Exemplar gefunden, das sind 17 cm.
  5. Sie lieben dunkle Plätze: Unter dem Sofa, im Bad, hinter dem Bett.

Ein Spinnenexperte wollte dann wohl noch etwas Trost spenden, aber bei mir wirkte es nicht: “The giant house spiders are the Golden Retrievers of the spider world, because they are much less shy than their relatives.” Oh Gott! Es ist zwar schon nach Mitternacht, aber egal. Ich schnappe mir das iPad und drücke auf Wahlwiederholung. “Please come. I need you. At once”. “Honey, you went only a few days ago …” Mitten im Satz muß ich die Verbindung kappen. Sitzt dahinten nicht ein schwarzes Ungeheuer an der Zimmerdecke? Ich setzte zitternd die Brille auf. Nein, zum Glück nur ein blöder Schatten von der Stehlampe.

Mir reicht es, ich gehe in’s Bett, sofort. Wer weiß, ob George morgen früh vor der Tür steht. Falls ja, wird er hoffentlich verstanden haben, warum ich gerade ohne ihn nicht leben kann. Oder? Lieber noch mal anrufen? Ach was, das kann ich ihm auch morgen erklären.