Weather Forecast Today: Some mist and fog early on, but this will tend to lift to leave a mostly cloudy and grey day with the chance of the odd spot of drizzle. However, it will be mild. Damit lässt sich leben, der New Years Eve kann kommen. Die Einkäufe sind gemacht, der Kühlschrank ist voll. Der traditionelle Umtausch am 2. Weihnachtstag, -in England Boxing Day genannt, denn man trägt alle Geschenk in ihren Kartons verpackt zurück in die Geschäfte-, fiel bei uns aus. Wer sich nix schenkt, muss auch nix umtauschen. Dieses Jahr wurde Christmas Light gefeiert. Statt Monster Puter nur eine Entenbrust, statt zimmerhoher Tanne nur ein kleines, aber buschige Bäumchen und statt ‘eat, drink and be merry orgy’ eine besinnliche Weihnacht. 

Current News Headline: ‘Exam reforms boost private pupils’. Betrifft zwar weder mich noch George, ist aber eine Paradebeispiel für die Klassengesellschaft, die noch immer den englischen Alltag prägt. Deshalb graben wir hier mal tiefer. Es geht um das GCSE, das den meisten English boys & girls im Alter von ca. 16 Jahren droht. Gemeint ist der allgemeine Schulabschluss, vergleichbar mit der deutschen ‘Mittleren Reife’ (gibt es die noch? Ich habe sie vor Jahrzehnten gemacht bzw. auf dem Gymnasium umsonst, ohne jeden Aufwand, bekommen). Das Kürzel GCSE taucht häufig auf, jeder Brite weiss was gemeint ist, aber kaum einer kann den Begriff dahinter fehlerfrei aufsagen. Auch George brauchte zwei Anläufe bis er es zusammen brachte: General Certificate of Secondary Education. Nur wer das besitzt, kann sich Hoffnung auf ein Universitätsstudium machen. Vorher muß allerdings noch das A-Level erklommen werden, was weitere zwei Jahre High School Besuch erfordert. So weit so gut und nachvollziehbar. Allerdings wird die Sache fragwürdig, wenn wir mal schauen, wo die Schüler denn eigentlich ihr GCSE anpeilen. Da gibt es nämlich die Gruppe der normal verdienenden Familien, deren Kinder die state schools bevölkern und dann gibt es die Sprösslinge der Reichen, die sich in privat oder ironischerweise benannte public schools tummeln. Für beide ist Schulgeld zu zahlen. Ein Eliteinternat wie Eton verlangt aktuell £40,668 pro Jahr und Schüler. Das sind trotzt Pfundschwäche stolze 45.000 Euro. Dazu muß noch kräftig in die persönliche Ausstattung investiert werden, denn man erwartet, dass die jungen Herren auch einen Frack im Gepäck haben.

Schulausflug im Hyde Park. Die Schüler sind einheitlich gekleidet. Besonders clever ist die Idee mit den Bobble Hats. Jeder hat einen knallroten Pompon auf dem Kopf. Damit kann niemand verloren gehen. Mit gefällt die Idee der Schuluniform sehr gut. Damit hat der Marken Wahnsinn keine Chance und das ist gut so. Der Klamotten Hype dient doch einzig und alleine dem Hersteller und kann unter den Kindern viel Kummer verursachen.

Das es noch immer Klassenunterschiede in England gibt ist für mich ungewohnt und es fällt mir schwer, es im Alltag zu akzeptieren. Engländer sind bei einer ersten Begegnung sehr an der Klassenzugehörigkeit interessiert und unterscheiden pingelig genau. Man hat sich korrekt einzusortieren: lower middle class, middle middle class or upper middle class? Vielleicht sogar lower upper class? Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht, wo ich mich einzusortieren habe und entscheide es deshalb je nach Tageslaune. Die entscheidenden Kriterien findet der Briten bereits in seiner Wiege vor. Hat der Vater einen vererbbaren Adelstitel (13th Lord of Boreness), dann ist alles klar. Jedenfalls für die Söhne, denn Töchter erben den Titel bis heute nicht. Um diese Ungerechtigkeit drehen sich ganze TV-Serien, wie beispielsweise Downtown Abbey. Der Engländer sieht sich die Filme in einem Rutsch am Weihnachtstag an und geniesst die pompöse Ausstattung. Inhaltlich stört ihn nix an der Story. “However, it’s like it is”, mehr fällt ihm dazu nicht ein.

Auf den aktuellen Skandal im Schulsystem weist bereits die heutige Schlagzeile hin. Es geht nämlich um eine Reform, die die Ungerechtigkeit der Klassengesellschaft eher noch unterstreicht. Ab sofort gibt es nämlich ein GCSE light. Offiziell heißt dass dann IGCSE, weil man ein International vorangestellt hat. Statt britscher Masstäbe, legt man nun internationale an und hat damit das Anforderungsprofil elegant gesenkt. Ahnen Sie es schon? Ja, das IGCSE gilt nur im private school sector! Der ‘normale’ Engländer wird sich auch künftig durch alle Pflichtfächern büffeln müssen. Das sind nicht wenige: English language, literature, maths, science, geography, history and languages. Die Privatschüler aber mogeln sich mit guten Ergebnissen im Boat Race oder auf dem Cricket Ground durch. 

Und auch diese Toddler Group habe ich im Hyde Park getroffen. Man nutzt das selbe Prinzip, um die Kleinen sicher zusammen zu halten. Die gelben Schirmmützen entdeckt man auch im Gebüsch und gleichzeitig schützen sie vor der intensiven Sonne. Die Kinder sind sicherlich noch in der Vorschule, tragen aber bereits einheitliche Kleidung.

Die English upper class ist eine hermetisch geschlossene Gesellschaft. Dicht wie eine Auster. Der upper class gentleman verbringt seinen Nachmittag im Londoner Stadtteil St James’s, wo ein exklusiver Club neben dem anderen liegt. Nach einer guten Zigarre und einem sündhaft teuren Cognac im extra grossen Schwenker lässt er sich ins nahe gelegene House of Lords chauffieren, um in roter Robe mit Pelzbesatz und kratziger Pferdehaarperücke über die politische Zukunft des Landes zu debattieren. Natürlich haben sich diese Lords niemals zur Wahl gestellt, die adlige Abstammung reichte für die lebenslange Mitgliedschaft im Parlament. Und wenn man dann mal in das House of Commons schaut, das ‘Unterhaus’, wo die gewählten Abgeordneten engagierte Reden schwingen, dann fällt auf, dass diejenigen, die zur Führungsriege gehören, sich ausnahmslos in private schools auf Oxford & Cambridge vorbereiteten, um dort ihr soziales Netzwerk zu knüpfen. Dieses hält ein lebenlang und garantiert eine erfolgreiche Karriere (Politik, Unternehmer, Schauspieler, Journalisten, TV etc). Übrigens am Rande bemerkt, und darauf machte mich George aufmerksam, sehr viele Spitzenleute in Politik und Gesellschaft sind irgendwie mit den Royals verwandt. Nicht offiziell anerkannt aber via Blutlinie und die zählt*). Es gab da einen König in der Vergangenheit, der wohl an die 20 nicht ehelichen Kinder zeugte, die sich prächtig vermehrt haben. Einer der Nachfahren ist Boris Johnson, ein anderer Winston Churchill. Wenn ich es mir recht überlege, dann ist es mehr als gut, dass der deutsche Kaiser nach dem ersten Weltkrieg in die Wüste (das Bild passt nicht so recht für sein niederländisches Exil) geschickt wurde und mit ihm auch die fragwürdigen Privilegien der Adelsschicht abgeschafft wurden. Es lebe die demokratische Vielfalt. 


*) Noch eine witzige Nachricht, die ich gerne teile. Ein erfolgreicher junger englischer Arzt hat seiner gesamten Familie einen DNA-Test zu Weihnachten geschenkt. Es sollte eine Überraschung sein und deshalb hatte er die Proben klammheimlich eingesammelt. Ein Haar mit Wurzel oder ein benutztes Taschentuch sind ideal  und reichen völlig aus. Ein Labor wurde beauftragt und die schickten rechtzeitig zum Fest die Ergebnisse. Und die wurden dann beim Weihnachtsessen von dem jungen Mann an seine Lieben verteilt. Eine riesen Überraschung, denn Brüder waren offensichtlich gar keine und der eine oder andere Sprössling konnte seinem Vater so gar nicht zugeordnet werden. Was für eine tolle Idee, wenn man mal etwas ganz Besonderes schenken möchte. Frohe Weihnachten.