Jahrelang wurde die Veranstaltung vorbereitet und nun fand sie endlich statt, der London Landmarks Half Marathon. Und gleich bei der Premiere konnte ein riesen Erfolg verbucht werden. Es war eher Zufall, dass ich zu der Zeit in London war, aber es passte mir natürlich bestens in mein Fototouren Programm. Am Sonntagmorgen, kurz nach neun Uhr, ging es auf der Pall Mall los und gut 13 Meilen später sollten die Läufer vor der Downing Street ins Ziel kommen. Gleich viermal würden sie den Strand passieren, also unmittelbar vor meinem Hotel vorbeilaufen. Dort hatte ich mich mit meiner Kamera positioniert und staunte nicht schlecht. Über 10.000 Läufer kamen vom Trafalgar Square auf mich zu, ein nicht endender Menschenstrom und ein mich sehr beeindruckendes Bild.

 

 

Der Lauf diente guten Zwecken, die Teilnehmer legten sich ins Zeug, um so viel Geld wie möglich für verschiedene Organisationen zu sammeln. Man hatte erhofft bis zu vier Millionen Pfund an Spenden einzunehmen und tatsächlich wurde die Summe gleich bei der Premiere überboten. Da kann man nur gratulieren. Natürlich wollten die Zuschauer unterhalten werden und dafür reichte es nicht eine sportliche Leistung zu liefern. Wir waren schließlich im Herzen von London und da erwartet man Entertainment und eine gute Portion Humor. Und schon bald entdeckte ich, wie die Runner sich das überlegt hatten. So mancher kam in aufwendiger Verkleidung, in einem ‘Straitjacket’ wie Big Ben, das London Eye oder gleich die ganze St Paul’s Cathedral.

 

 

Ich hatte zwei Favouriten. Zum einen John, der im Hotel arbeitet und ein geübter Marathonläufer ist. Weil er mir seine Startnummer verraten hatte, konnte ich ihn auf der LLHM-App auf meinem Smartphone tracken. Eine tolle Sache und natürlich informierte ich seine Kollegen regelmäßig über den aktuellen Standort. Trotzdem schafften wir es nicht, ihn in der Menge zu entdecken. Gerne hätte ich ein Foto von ihm gezeigt. Leider unmöglich, dafür waren es einfach zu viele Menschen. Dafür aber fiel mir Pearly ins Auge, die ganz sicher in England zuhause ist. Denn nichts macht dem Engländer mehr Spaß als sich komisch zu kleiden.

 

 

Der Lauf war für alle optimal organisiert. Er führte an vielen Londoner Wahrzeichen vorbei, wurde von sechs Musikbühnen lautstark unterstützt und lockte auch ortsunkundige Besucher zielsicher an die spannensten Orte in Westminster bzw. der City of London. Ich war schwer beeindruckt, dass man für diese Veranstaltung kurzerhand London’s Zentrum für jeden Strassenverkehr über Stunden sperrte. So etwas geht irgendwie nur in London, bei uns in Hamburg hätte es unlösbare Bedenken gegeben. Beispielsweise konnte das Savoy Hotel, das zu den teuersten Häusern in London gehört, den kompletten Sonntagvormittag nicht angefahren werden. Ich weiß nicht wie die Superreichen reagieren, wenn man sie mit ihrem Gepäck umständehalber zur nächsten Underground Station schickt. Wie gesagt, in London geht das. Und ich nutzte die seltene Gelegenheit ein Foto vom komplett autofreien Trafalgar Square zu machen.

 

 

Von hier bog ich links in die Whitehall ein und stand dann auch schon kurz vor dem Zielbereich. Ein Blick auf die App verriet mir, dass die Läufer in wenigen Minuten hier eintreffen werden und auch John war gut unterwegs. Neben mir ein Mutter mit Tochter, die ebenfalls die Gelegenheit des just-in-time Trackens nutze. Sie warteten auf ‘Dad’ und ich war froh bis dahin mit ihnen ein bißchen plaudern zu können. Es finden sich nicht viele Gelegenheiten mit Londonern ins Gespräch zu kommen, dafür sind sie viel zu schüchtern. 

 

 

Das ist der Sieger Ben kurz vor der Ziellinie und das Foto war am Montagmorgen in der Zeitung zu sehen. Und dort, wo der Pfeil hinzeigt, da stehe ich. Das passiert einem ja auch nicht oft, dass man sich auf der Titelseite wiederfindet. Und weil, ausser mir, mich dort wohl niemand erkennen kann, zeige ich einfach mal wie der Moment des Sieges aus meiner Sicht aussah:

 

 

Gleich zwei Weltrekorde wurden gebrochen. Die Veranstalter gaben stolz bekannt, dass niemals ein Vater und sein Sohn schneller einen Halbmarathon gelaufen sind. Sie kamen als erster und zweiter durchs Ziel und brauchten zusammen 2 Stunden, 24 Minuten und 47 Sekunden (Sohn Ben schaffte es in 1 Std. 10 Min. 57 Sek.). Mein Hotel konnte auch mehr als punkten, denn John schaffte die Strecke in 1 Std. 34 Min. 44 Sek. Das ist mehr als ordentlich. Aber eigentlich waren die sportlichen Erfolge Nebensache, es ging um einen guten Zweck und um gutes Entertainment. Beides ist London mal wieder gelungen und deshalb wird es auch nächstes Jahr eine Fortsetzung geben. Sie können sich schon jetzt anmelden und wenn Sie sich die Strecke nicht zutrauen macht das gar nix, denn hier gilt ‘dabei sein ist alles’. 

 

Super Service! Auf der Webseite entdeckte ich dann doch noch ein Foto von John (Pfeil), den ich die ganze Zeit auf dem Smartphone verfolgen konnte. So macht ein Marathon dann auch dem Zuschauer Spaß.

 

 

Infos zum London Landmarks Half Marathon 2019

WANN? Sonntag, den 24. März 2019
WO? City of London + Westminster
LANDMARKS? Big Ben, St Paul’s Cathedral, Nelson’s Column, the Gherkin, the Shard, the Tower of London and the London Eye. And a lot more.
SPASS? Jede Menge, sowohl für die Läufer als auch für die Zuschauer.

 

 

Und auch das ist typisch für London. Als die Läufer im Ziel sind, alle ihre Medaille erhalten haben, da rücken wie aus dem Nichts die Helfer an. Schon den ganzen Vormittag waren einige hundert Streckenmarschalls unterwegs. Alle bezahlt, wie ich im Gespräch erfuhr. Mittags tauchen dann Tieflader auf, die in Windeseile mit den Absperrgittern beladen werden, die am Vormittag noch die Laufstrecke im Ziel begrenzten. Ab vierzehn Uhr ist dann alles wieder normal. Die roten Busse umkreisen den Trafalgar Square, Black Cabs stehen Stoßstange an Stoßstange auf dem Strand und die Gäste des Savoy fahren wieder im Leih-Rolls Royce bis vor die Eingangstür. Hut ab vor der organisatorischen Leistung der Londoner Stadtverwaltung. Die wissen wie man mit Großveranstaltungen umgehen muß. Nun ja, kein Wunder, wenn man inzwischen an die 20 Millionen Besucher jährlich begrüßt und begeistert. Und die Zahl wächst weiter an.