Ziemlich spontan buchte ich einen Kurzurlaub. Vier Tage London, mitten im Januar, zeitlich rund um ein Light-Festival drapiert. Das geht heute ja ratzfatz im Internet. Längst bekomme ich noch nicht mal mehr Herzklopfen, wie es anfangs noch regelmäßig passierte. Richtiges Datum gebucht? Richtigen Zielflughafen ausgesucht? Stimmt die Hotelzimmerkategorie? Nicht das mir das inzwischen gleichgültig wäre, nein das nun wirklich nicht, aber irgendwie werden solche Dinge schnell Routine und das ist eigentlich auch ganz gut so. Dann allerdings kamen mir doch Zweifel, denn der Januar ist der kälteste Monat im Jahreslauf und die Tage sind kurz. Ganz schlechte Bedingungen für mich, weil ich immer gerne meine Kamera mitnehmen. Meine Sorgen waren berechtigt, von den vier Tagen in London fielen zwei ins Wasser. Es regnete ganztägig und ausgiebig, das passiert dort eher selten. Allerdings ist man auch im Mai vor solchen Überraschungen nicht gefeit, selbst wenn man ‘first class’ gebucht haben sollte. Und trotzdem bin ich mehr als glücklich das Wagnis eingegangen zu sein. Der Event ‘Lumiere London’ lohnte jede Anstrengung. Eine typisch Londoner Großveranstaltung, auf der man sofort das Wetter, die Kälte und jegliche Wehwehchen vergisst. Also ruhig einmal zu ungewohnten Zeiten eine Reise wagen.

 

Das Londoner West End an einem ganz normalen Donnerstag Abend im Januar 2018. Wer hier nicht auflebt ist ein hoffnungsloser Fall. Meine Batterien waren in kürzester Zeit wieder voll Saft.

 

Ich kann mich wohl eher zu den Spontan-Buchern zählen, aber ganz unvorbereitet bin ich nie. Im Gegenteil, ich weiß schon ziemlich genau was, wann, wo in London los ist. Als erstes checke ich immer den Ferienkalender. Und zwar sowohl den Hamburger als auch den Londoner. Man muß ja nicht unbedingt am ersten oder letzten Tag der Schulferien am Flughafen sein. Dann gilt generell zu überlegen, welche Monate sich eignen könnten? Das hängt ja auch ein bißchen von den eigenen Interessen ab und vom Geldbeutel ab. Interessanterweise bieten viele Hotels nicht nur im Winter sondern auch zwischen Juni und Ende August Rabatte an, warum? Nun, London kann im Hochsommer ganz schön stickig sein. Wer noch ganz bei Trost ist, was auf mich leider nicht zutrifft, der wird seine Sommerferien an der See verbringen. Brighton lacht, keine 50 Bahnminuten von London entfernt. – Die Hochpreis-Saison scheint gleich nach Ostern bzw. Anfang April zu starten. Dann werden Hotelzimmer deutlich teurer. Dasselbe gilt in der Weihnachtszeit, also den ganzen Dezember. Ruhiger geht es im frühen März bzw. späten September zu. Dann ist es in London oft schon/noch relativ warm. Die Vegetation startet im Frühling gut zwei Wochen früher als in Hamburg. Ende September/Anfang Oktober kann das Quecksilber schnell noch einmal auf 20°-25° klettern. 

Der Januar ist allerdings echte Nebensaison. Da fährt man bestenfalls in die Hochalpen, falls das weihnachtliche Finanzloch schon wieder gefüllt werden konnte. Also war es für mich keine Überraschung am Hamburger Flughafen ziemlich alleine am Security Check zu stehen. Und wie war es dann in London? Brechend voll, packed! Ich glaube da waren noch mehr Touristen als in der Vorweihnachtszeit. Das viertägige Light Festival Lumiere London hat nach offiziellen Zahlen 1,5 Millionen zusätzliche (!) Besucher in die Stadt gelockt. Das sind fast alle Hamburger Einwohner. Und so wie ich es beobachtet habe, sind die alle voller Begeisterung wieder nach Hause geflogen. Wenn die Sache also wiederholt werden sollte, vielleicht 2020, dann gehört der Januar endgültig zu den ausgebuchten Monaten. – Kaum wieder zu Hause habe ich natürlich einen Blick auf den Februar Veranstaltungskalender geworfen und entschieden, dass ich da mal schön die Füße ruhig halten werde. Aber nur weil auch ich eine limitierte Reisekasse habe. Aber ich dachte mir, ich könnte eigentlich meine Infos hier mit anderen teilen, die vielleicht doch gerade in diesem Monat London einmal für relativ wenig Geld ausprobieren wollen. Preislich dürfte es im Rest des Jahres kaum günstiger gehen.

 

Die Lumiere London ist zurück. Nach 2016 konnte das Festival ein zweites Mal in der City stattfinden und lockte prompt 1,5 Millionen Besucher in vier Tagen an. Darunter sah ich viele Fotografen. Kein Wunder, man kam auf seine Kosten.

 

Was also ist im Februar in London los bzw. was würde ich beachten, wenn ich dann dort hinfliegen wollte:

  • Schulferien: Keine in Hamburg oder Schleswig-Holstein. Andere Bundesländer haben durchaus Termine. Die Engländer (London) machen vom 12.-23.2. half term holidays.
  • Valentinstag am 14. Februar. Eine gute Gelegenheit den Tag bei einem romantischen Essen in London zu feiern. Es gibt jede Menge Angebote. Allerdings sollte man dazu Abendgarderobe und einen Partner im Gepäck haben. Ggfs. kann man sich beides auch in London ‘leihen’. Ansonsten keine public holidays, das geht dann erst im März los.
  • Für Fotografen ist die Tageslänge wichtig. Am 1. Februar geht die Sonne um 7:39 Uhr auf und um 16:49 Uhr unter. Am 28. Februar dauert der Tag von 6:48 – 17:38 Uhr Londoner Zeit. Da darf man morgen und abends noch gut 50 Minuten für die goldenen bzw. blaue Stunde hinzurechnen. Also eine ganz passable Tageslänge.

Und welche Veranstaltungen würde ich besuchen? Nun, diese bestimmt:

  • Der Pancake Day ist typisch englisch, nämlich ziemlich verrückt. Er hat irgendwie mit der Fastenzeit zu tun, wird in England aber als Gelegenheit für ein sportliches Wettrennen genutzt. Man zieht sich lustig an, packt einen frischen Pfannkuchen auf einen Teller, mit dem man dann so schnell wie möglich durch Londons Strassen rennt. Durchaus sehenswert, viel Situationskomik und eine gute Gelegenheit Londoner kennenzulernen. Hinterher geht man natürlich noch in den Pub. Die Rennen finden an verschiedenen Orten in London statt, meistens während des späten Vormittags. Natürlich dienen sie auch einem wohltätigen Zweck. Ausserdem lässt sich damit jeder Blödsinn wunderbar rechtfertigen. Hauptsache man hatte Spaß und das ist garantiert. – Fast hätte ich es vergessen, man trifft sich diese Jahr am 13. Februar, am sogenannten ‘Shrove Tuesday’.
  • Vom 16. – 20. Februar findet die Fashion Street in den Studios 180, Strand statt. Ich glaube, obwohl exklusive Modelabels gezeigt werden, sind die Shows für jedermann offen. Vermutlich nicht ganz billig, besonders wenn man etwas mitnehmen will. 
  • Für sportliche Besucher ist noch immer die Eisbahn auf der Canary Wharf geöffnet. Da lohnt sich ein Tagesausflug immer, denn dort ist hochmoderne Architektur zu bestaunen. Schon die gleichnamige Underground Station ist ein futuristisches Prachtstück. Entworfen von Sir Norman Foster (Millenium Bridge, The Gherkin). Oder mal das London Museum dort besuchen. Es ist eine Aussenstelle des gleichnamigen großen Hauses in der City. Hier, in den Docklands, konzentriert man sich auf die Themen ‘alter Londoner Hafen’ und ‘Seefahrt’.
  • Ein Wohltätigskeitslauf (Cancer Research UK) findet am 4. Februar statt. Man rechnet mit 15.000 Teilnehmern, die Strecke geht quer durch die City. Von St Paul’s bis Trafalgar Square. Vermutlich über den Strand, den ich immer besonders im Blick habe, denn dort ist mein Hotel. Das würde ich schon gerne live erleben, wenn die Teilnehmer dort vorbei kommen.
  • Wer die chinesische Feierkultur mag, kommt am 18. Februar in der Gerrard Street und Umgebung, Soho, auf seine Kosten. Dann ziehen die Dragon Dancer durch die Stadt, u.a. auch zum Trafalgar Square, und feiern mit einem farbenprächtigen Umzug ihr Neujahrsfest.
  • Und dann findet natürlich mehrmals wöchentlich das Changing the Guards Spektakel vor dem Buckingham Palace statt. Immer vormittags, wer in der ersten Reihe stehen will sollte wenigsten 90 Minuten vor dem Wechsel dort sein.

Das ist meine kleine Auswahl, nur die Angebote, die mich interessieren könnten. Tatsächlich ist viel mehr los. London ist täglich in Feierlaune. Alleine die unzähligen Theater, Kinos, Musicalbühnen, Opernhaus, Konzerthallen usw. Dann die Galerien und Museen, so gut wie immer kostenfreier Eintritt. Einfach im Internet nachschauen. Ich will nur Appetit machen. Und wer mich als persönlichen Guide an seiner Seite haben möchte, kann mich jederzeit nach London einladen. Ich komme sofort, wenn die Unterkunft stimmt. Enjoy London.

 

In Westminster rennen auch die ehrenwerten Lords im schwarzen Anzug um die Wette. Der Pancake Race sammelt natürlich Geld für gute Zwecke. Da lässt man sich nicht zweimal bitten.