Als ich im August in London war, hatte ich Glück mit dem Wetter. Der angekündigte Regen begann stets am späten Abend und schaffte es nie durch die Nacht. Tagsüber schien die Sonne und das Thermometer kletterte auf angenehme 25° Celsius. Perfektes Wetter für einen Parkspaziergang und so zog es mich am Sonntagvormittag, gleich nach dem Changing the Guards Spektakel, in den nahe gelegenen St James’s Park

 

Besser kann ein Sonntag nicht beginnen. Ich hatte Glück, kam gerade von den Royal Mews zurück, und lief der Army Band quasi in die Arme. Es ist die abziehende Wache, die vom Buckingham Palace zu den Wellington Barracks marschiert. Morgen vormittag, zur selben Zeit, kommen sie dann wieder zurück und lösen ihre Kameraden ab.

 

Der Park verbindet den königlichen Palast mit dem politischen Zentrum an der Whitehall. An der Nordseite verläuft die schnurgerade Mall, die im Notfall wohl auch als Start- bzw. Landepiste für kleine Flugzeuge dienen könnte, so munkelt man jedenfalls. In ‘normalen’ Zeiten eignet sich die Straße hervorragend für Paraden aller Art. Die besondere Asphaltdecke gibt den Pferden guten Halt und links und rechts ist Platz für jubelnde Menschen. Man muss es unbedingt einmal erlebt haben, einmal die Queen in Reichweite vorbeiziehen sehen, das ist alle Wartezeit wert. 

Im Park dürfen die Rasenflächen betreten werden. Ja, man freut sich über Besucher, ballspielende Kinder und herumtollende Hunde. Manchmal auch andersherum. Die Blumenpracht fällt mir jedes Mal auf, irgendwie sieht es anders als in Hamburger Parks aus. Die Londoner Gärtner pflanzen viel farbenfroher, viel bunter, und halten sich doch an die Regeln der hohen Gartenkunst. Dazu das milde Klima, das sogar Palmen wachsen lässt (ganzjährig!). Manchmal glaubt man sich viel weiter südlich, wenn man die Vielzahl von exotischen Pflanzen und Tieren (z.B. frei lebende große Sittiche) entdeckt. 

Familien sind gerne in den Parks, denn dort können ihre Kinder viel erleben. Handzahme Eichhörnchen und jede Menge Wasservögel nehmen nur zu gerne Kontakt auf. Selbst die großen Fischreiher sind ungewöhnlich zutraulich und werden erst bei sehr kurzer Distanz nervös. Normalerweise fliehen diese Vögel, sobald sie einen entdeckt haben. Wahrscheinlich sind auch Hasen in dem Park zu Hause, allerdings sicherlich nicht der, den ich entdeckt hatte. Er trug eine flauschige hellblaue Jacke und war so hoch auf den Zaun geklettert, wie er nur konnte. Er schaute ängstlich um sich, der Grund war leicht zu erraten. Seine Leute hatten ihn vergessen, nun war er hier ganz alleine zurückgeblieben. Du meine Güte, was für ein Alptraum.

 

 

Ich weiß nicht genau, ob man den Hasen später doch noch abgeholt hat. Sollte es nicht geklappt haben, dann muss man sich keine Sorgen machen. Er wird längst ein gemütliches englisches Zuhause gefunden haben, wo man sich sagt, wir haben genug Platz für einen Gast. Die Londoner haben ein großes Herz für Tiere, die lässt man nicht alleine im Park übernachten. Allerdings passiert es immer wieder, dass ein heiß geliebter flauschiger Freund auf einmal verschwunden ist. Überall gibt es so viel zu sehen, da kann es schon mal passieren, dass man einen Augenblick unaufmerksam ist. Das passierte dann auch Harriet, einem innigst geliebten Affen, der zusammen mit seiner fünfjährigen Besitzerin aus Australien angereist war. Man besuchte mit den Eltern den Buckingham Palace und irgendwann merkte man, dass Harriet ausgerissen war. Nächsten Tag musste man nach down-under zurück und natürlich war das kleine Mädchen untröstlich. Zu Hause warteten ihre Freunde im Kindergarten und die hatten eine hervorragende Idee. Sie schrieben einen Brief an die Queen, erzählten von dem Verlust und legten schnell noch einige Fotos von Harriet mit in den Umschlag. Alles in der Hoffnung und mit der Bitte, dass man Ausschau halten möge. Und dann kam tatsächlich Antwort aus London. Ein großes Paket wurde im Kindergarten angeliefert. Darin fand sich Harriet in Begleitung eines Corgie namens Rex. Dazu ein Brief, mit den besten Grüßen und dem Hinweis, dass Rex als Beschützer für die lange Reise ausgewählt wurde. “We hope Harriet enjoyed telling Rex the corgi about her adventures on the journey back to Australia.” So endete der Brief, der von der Queen unterschrieben war. – Glauben sie mir, die Engländer sind eigentlich richtig nette Menschen. Lassen Sie sich von den wild gewordenen Brexiteers nicht täuschen. Das ist nicht das England, das ich kenne.

 

 

Wenn sie auch einen Rex aus London haben möchten, dann empfehle ich den Buckingham Shop. Die Reklame mache ich für das Team hier gerne, denn das haben die sich verdient. Der Shop ist gleich gegenüber vom Palast, Südseite / Besuchereingang, und bietet seine exquisiten Geschenke auch online im Internet an. Suchen Sie nach: Royal Collection Trust (Shop).