Michael Bond und sein Original-Paddington Bear

Michael Bond ist tot. Er starb gestern, nach kurzer Krankheit, im Familienkreis in London. Wir kennen ihn alle, denn jeder von uns ist in seine Schöpfung verliebt: The marmalade-loving bear from deepest, darkest Peru, named Paddington. Wer kennt den knuddeligen Teddy nicht, der 1958 von Michael Bond erdacht worden ist. Damals kam seine Tochter zur Welt und wenn ich mich recht erinnere, dann war am Weihnachtstag nur noch ein Teddybär im Regal des örtlichen Warenhauses vorhanden. Eigentlich wollte Michael gar kein Kinderspielzeug kaufen, aber der Bär guckte so traurig und da hat er ihn eben mitgenommen. Das war der Anfang einer wunderbaren Entwicklung.

Bis zu seinem Tod hat Michael Bond geschrieben. Auch neue Geschichten von und über Paddington Bear. Seine Tochter Karen erzählt über ihren Vater: “The whole world was lucky to have had him … Paddington himself is so real to all of us, he’s still a part of our family.” Dem kann ich voll zustimmen, denn seit ich in London bin, habe ich eine enge Beziehung zu dem Bären aufgebaut. Ich liebe seine Bücher, den Film mit Hugh Bonneville und die wunderbaren Zeichnungen des Helden. Sie wurden zwar von verschiedenen Illustratoren gemacht, aber immer ist Paddington authentisch, egal wer ihn zeichnete, er bleibt sich stets treu. Ich denke es liegt daran, weil es Michael gelungen ist, seinem smarten Bären eine Seele einzuhauchen. Die führt jetzt ein Eigenleben und das ist eines der schönsten Dinge, die einem Autor passieren können.

Liegt es an den Initialien, dass ich mich manchmal mit Paddington identifiziere? (Illustrator: Bob Alley)

Michael Bond wurde in Newbury geboren. Eine kleine Stadt in einer wunderschönen Landschaft, südwestlich von London. Er wuchs in einfachen aber idyllischen Verhältnissen auf. Während der Ferien war er mit seinen Eltern oft auf der Isle of Wight, wo sein Vater nie den Hut abnahm, selbst dann nicht, wenn er im Meer baden ging. Eine Eigenschaft, die Paddington vererbt wurde. Während des Krieges nahmen seine Eltern zwei Flüchtlinge auf. Ich denke es waren Kinder aus London, die vom Luftkrieg bedroht waren. Sie waren in Newbury zwar vor den Bomben sicher, aber sie waren unglücklich, weil sie Heimweh hatten. Das war dem jungen Michael Bond nicht entgangen und hat sich ihm tief eingeprägt. Und so wurde auch sein Teddybär ein Vertriebener, der zunächst sehr unglücklich am Bahnhof Paddington in London strandet. Seine Mutter konnte ihm nicht viel mehr mitgeben als eine Empfehlung, die er als Schild um den Hals trägt: ‘Please look after this bear. Thank you.’ Aber zum Glück ist Paddington in London gelandet und die Chance dort nette Menschen zu treffen ist ziemlich gut. 

Jetzt wird es also keine Fortsetzung mehr geben, aber das ist auch gar nicht nötig. Michael Bond hat seinen Paddington Bear so lebendig werden lassen, dass er längst alleine leben kann. Nämlich in unserer Phantasie. Und im November werden wir die noch einmal auffrischen können, denn ein zweiter Film wird dann in unsere Kinos kommen. Die Dreharbeiten wurden, unglaublicherweise, genau gestern beendet. Einer der Mitarbeiter äußerte sich anlässlich des Todes von Michael Bond kurz und zutreffend: “Michael Bond created an icon of children’s fiction. The Peruvian immigrant bear is one of the quirkiest but somehow most emotionally real children’s characters, both fantastical and domestic. We should all have a marmalade sandwich in honour of his creator.” – Das ist eine gute Idee und genau das werde ich mir jetzt machen.

 

Der zweite Teil kommt im November 2017 in die Kinos. Einen Trailer kann man jetzt schon im Internet ansehen.

 

Nachtrag:

Wenige Tage nach dem Tod von Michael Bond waren wir am Bahnhof Paddington. Dort strandete der kleine Bär, nachdem er die Überfahrt über den Ozean als blinder Passagier gut überstanden hatte. Seine Großmutter hatte ihm genug Marmelade in den Koffer gepackt. Jetzt aber war auch das letzte Glas sauber bis auf den Boden ausgeleckt und er war auf die Hilfe der Londoner angewiesen. Und das hat dann ja auch gut geklappt, wie wir alle wissen. Am Bahnhof wurde dem Bären Paddington eine Skulptur errichtet, die natürlich seinen literarischen Vater ehren soll. Und dort haben die Londoner spontan Blumen abgelegt, als sie von Michaels Tod hörten. Eine schöne Geste.