Der September gehörte schon immer zu meinen Lieblingsmonaten. Nun hat sich noch ein Grund gefunden den Herbst zu lieben: Die Ferien sind vorbei. Sowohl in Deutschland, was für mich ohne Bedeutung ist, als auch in England, und das zählt. Mit dem Sommerfest, am letzen Montag im August, enden die Ferien auf der Insel. Ab Dienstag gilt business as usual. Die Kinder gehen wieder zur Schule und die Eltern ins Büro. 

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Nicht im Duvenstedter Brook sondern im Richmond Park, London

Für uns heißt das die Vertretungs- und Bereitschaftszeiten sind zu Ende! Ab sofort kann George wieder arbeiten lassen. Vier lange Wochen Reisesperre sind vorbei. Und er scheint es auch gut zu finden, denn er kommt schon am Mittwoch angeflogen und wird von mir in seinem Hamburger Häuschen sehnsüchtig erwartet. Ich habe die Zeit genutzt und habe gleich zwei Überraschungen zu bieten: Der Kaminofen funktioniert jetzt endlich, nachdem ein Profi sich die Sache angesehen hat und es geschafft hat, dass der Schornstein das tut was er soll: den Rauch abziehen lassen. Und mein ganz persönliches Geschenk wartet im Schlafzimmer auf ihn. Es ist ein komfortables Luxusbett, in einer Preisklasse wofür ich auch einen Nissan Micra bekommen hätte. 

George steht etwas sprachlos vor dem ungewohnt großen Möbelstück. Dabei ist es mit 160×200 gar nicht außergewöhnlich breit oder lang, aber den englischen Maßen entspricht es natürlich nicht. Das englische Ehepaar übernachtet im Standardbett 135×190. Das war immer so und daran wird sich auch niemals etwas ändern.

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Das klassische englische Ehebett, knappe 2,5 qm. Eine Matratze, eine Decke. Stilecht mit Rosen-Bezug, passend zum Vorhang.

Da können wir ja gleich getrennte Schlafzimmer nehmen, ist sein Kommentar. So etwas kennen die Engländer natürlich auch, obwohl die aktuelle Statistik besagt, dass nur 15% aller Paare das praktiziert. Scheint mir wenig zu sein, oder? Vor allem da die Engländer ja meistens über Schlafzimmer ohne Ende verfügen. Wie heißt es in den Anzeigen: 2-bedroom-flat, 3-bedroom-flat … 5-bedroom-flat. Und es gäbe auch einen ganz praktischen Grund für getrenntes Schlafen: Die bedrooms sind ziemlich klein, also da würde ein deutsches Bett gar nicht reinpassen. Aber da ist der Engländer eisern, er besteht auf die gemeinsame Nacht. Ohne wenn und aber – no ifs, no buts.

Wer einen nocturnal honker, whistler and grinder an seiner Seite liegen hat, kommt um das zweite Schlafgemach nicht herum. Für uns gilt das aber nicht, denn wir machen Nachts keine Ausflüge und schnarchen nicht. Also brauche wir auch keinen separaten snoring room, der auch als drunk bunk bekannt ist. Im Fall des Falles weicht man in das Gästezimmer aus. Banished in the storeroom für Kranke aller Art.

“There are two uses of bed”, klärt mich George auf, “sleeping and sex. The latter is better with two people, while the former can be done alone.” Während dessen hat er den Überwurf angehoben und zeigt entsetzt auf die beiden Decken. “Two duvets?” Ja, zwei Decken. Dann ist endlich mit dem 4-Uhr-morgens-Krieg Schluß, wenn ich regelmäßig aufwache und feststelle, dass ich unter freien Himmel schlafe. “And what’s that??? Two mattresses? Separated by a deep ditch???” Die getrennten Matratzen geben ihm den Rest. Sowas kennt der Engländer nicht. Er mag es gerne, wenn er jede Bewegung seines Partners synchron mitmachen darf.

Ich versuche ihn zu beruhigen und mache einen Vorschlag, der doch ganz brauchbar ist: “I suggest we can meet in the middle at Checkpoint Charlie”. Aber die Idee zündet nicht, George schüttelt den Kopf: “This is how the uber-civilised Germans do it.” Das sagt er wirklich so, denn das Wort ‘über’ wurde längst in die Englische Sprache integriert, wenn sie es auch mit dem ‘ü’ nicht so richtig hinbekommen.

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Hurra, der Ofen brennt. Die Abende sind schon kühl, da wärmt das Feuer.

Na klasse, das ist ja gründlich daneben gegangen. Mein vorbereitetes Essen kommt besser an, abends hat der Engländer immer Hunger. Es gibt viel zu erzählen, der Ofen brennt einwandfrei und wärmt uns nicht nur die kalten Füße. Der Abend vergeht wie im Fluge und als wir müde ins Schlafzimmer gehen, ist das neue Bett keine Thema mehr. Wir sind glücklich schlafen zu können. Am nächsten Morgen ist meine Hälfte noch immer unbenutzt. Schönes Beispiel eines praktischen Kompromisses: man geht aufeinander zu und trifft sich in der Mitte.