In London sind viele Polizisten hoch zu Roß unterwegs. Und ich finde das gut, denn sie sind im Fall des Falles ganz schön effizient. Zum Beispiel am Wochenende, wenn die Fußballfans ins Stadion strömen. Anfangs bleibt ja meistens alles noch ruhig, aber zwei Stunden später kann die Stimmung umgeschlagen sein. Hat die Heimmannschaft gepatzt, dann verlieren die Fans schnell die Stimmung. Manche tröten dann lautstarkt auf dem Weg zur Underground, andere werden gleich handgreiflich. Dann müssen die Polizisten schnell für Ruhe und Ordnung sorgen und das ist gerade für die vielen weiblichen Ordnungshüter gar nicht so einfach. Sie sind zwar alle gut trainiert, aber körperlich oft kleiner als die meist männlichen Randalierer und da gehen sie in der Menge schnell unter. Ganz anders, wenn man auf einem Pferd sitzt. Schon hat man alles gut im Blick und wenn ein ganz mutiger Angreifer doch zu nahe kommen sollte, dann wird das Pferd ihn sanft mit seiner Nase wegschubsen. Das reicht völlig aus um sich nachhaltig Respekt zu verschaffen. Die Tiere sind natürlich auf solche Situationen traniniert. Egal wie laut und hektisch es auch werden mag, sie stehen stoisch ruhig und unbeirrt wie ein Fels in der Brandung vor der wütenden Meute. Klappt natürlich auch bei Demonstranten erstklassig.

 

Selbst Feuer bringt die Tiere nicht außer Kontrolle. Das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter ist immens hoch.

 

Eine Polizistin erzählte mir: “It is increadibly moving to watch a line of just six horses effortlessly holding back 35.000 fans”. Ja, das beeindruckt mich in der Tat. Und wenig später erfahre ich dann von ihrem beruflichen Seiteneinstieg in die ‘mounted Metropolitan Police’, der ersteinmal mit zwei Jahren Ausbildung in der ‘crime squad’ begann. Da patroullierte sie mit den Kollegen zu Fuß und weil alle anderen großgewachsene Männer waren, und sie selbst ‘nur’ 1,68m misst, kam sie sich rein optisch oftmals unterlegen vor. Dann aber wechselte sie zu den berittenen Polizisten nach West Hampstead und schwärmt noch heute vom ersten Arbeitstag: “I remember thinking, Wow! I can see everything!”

 

Aufgenommen von der Mounted Police London. So sieht es aus, wenn man auf dem Pferderücken sitzt und Fußballfans im Auge behält.

 

Es gibt acht Pferdeställe für die Polizeipferde, die rund über das Stadtgebiet verteilt sind. Manchmal sehen wir die Tiere über die Hampstead Heath gallopieren. Das ist ihr Freizeitprogramm, denn der Arbeitstag ist lang und anstrengend. Sie würden lieber in Bewegung sein als immer ruhig und gelassen abzuwarten. Auch Pferden fällt es schwer stundenlang dizipliniert zu sein. Im West Hampsteader Stall, -ich glaube er wurde letztes Jahr samt Wache geschlossen-, war auch Gladstone zu Hause. Einer der vielen vierbeinigen Stars. Ganz Hampstead platzte vor Stolz als das Pferd aus der Nachbarschaft seinen großen Auftritt vor dem Buckingham Palace hatte. ‘Gladstone escorted the Royal carriage on Kate and Wills’ big day’. So stand es in der Zeitung und Millionen Zuschauer habe es live am TV gesehen.

Gladstone machte TV Karriere

Ungefähr 120 Pferde sind für die MET im Einsatz. Sie werden von rund 150 Polizeioffizieren geritten. Einige trifft man regelmäßig vor dem Buckingham or Kensington Palace, wenn sie die Royal Guards beim Wachwechsel eskortieren. Und das ist das Stichwort für George, der gerade eine Schreckensmeldung erfahren hat. Es ist nämlich fraglich, ob das  bunte Spektakel in Zukunft stattfinden kann! Changing the Guards lockt täglich tausende von Londonern und Touristen an und gehört zu den beliebtestens Attraktionen der Stadt. Leider aber auch zu den gefährlichsten. Das wurde uns allen bewußt, als im Dezember der Berliner Weihnachtsmarkt von einem Attentäter angegriffen wurde. Ein Lastwagen oder ein Auto als Waffe gegen versammelte Menschen ist kaum abwehrbar. Deshalb reagierte man in London sofort mit drastischen Maßnahmen und sperrte schon am nächsten Tag alle Straßen rund um den Palast während des Wachwechsels komplett ab. Das heißt, dass für 90 Minuten der Verkehr in Westminster quasi zum Erliegen kommt. Jetzt, in den Wintermonaten, findet die Zeremonie nur jeden zweiten Tag statt, aber im Sommer, passiert das dann täglich und es werden noch sehr viel mehr Menschen unterwegs sein. Auf Dauer kann man es den Londonern nicht zumuten. Also arbeitet man an einer alternativen Lösung, die ja eigentlich nur bedeuten kann, dass man den Wachwechsel an einen geschützten Ort verlegt. Aber das macht natürlich wenig Sinn. Es wäre wirklich schade, wenn die Parade nicht mehr täglich gezeigt werden kann. Ich fürchte es fast, werde natürlich am Ball bleiben und Sie informieren.

 

Vor ein paar Tagen in Islington (Nord London) von Simon Crowcraft fotografiert. Ein berittener Polizist mußte einen Passagier der Buslinie 43 kontrollieren. Sein Pferd weicht nicht von der Stelle. Gut das die Tür etwas zu schmal ist, sonst hätte man wohl ein PS mehr an Bord gehabt.