Eigentlich war heute etwas ganz anderes geplant, aber der Reihe nach.

Seit dem Sommer arbeitet George ernsthaft an seiner work-life balance. Er ist  wirklich bemüht den Schwerpunkt stetig in Richtung Freizeit zu verschieben. Trotzdem will er auf eine Herausforderung (noch) nicht verzichten: er mag Bereitschaftsdienste. Letztlich ist das genau sein Ding. Diese Arbeit fordert und fasziniert ihn. Alles andere ist mehr oder weniger Routine. Einen vermeintlichen Tatort zu untersuchen, dort einen verdächtigen Todesfall zu bewerten, die Arbeit vor Ort, die niemals gleich abläuft, das mag er. Wenn er dann nach Hause kommt, merke ich ihm an, dass das Gesehene nicht spurlos blieb. Mal ganz abgesehen davon, das bei echten Verbrechen, -sie kommen nicht allzu oft vor-, durchaus körperliche Kondition gefragt ist. Mörder legen ihre Opfer selten am Strassenrand ab. Sie suchen Verstecke, wie Tümpel, einsame Wälder, Moore und Steinbrüche. Ohne gute körperliche Fitness wäre er da wohl schon manches mal buchstäblich stecken geblieben.

Als George diesmal am frühen Morgen wieder nach Hause kommt, scheint etwas anders als sonst gewesen zu sein. Er verschwindet sofort im Bad, duscht lange und entsorgt schließlich sein Hemd im Mülleimer. Statt einer Leiche fand er einen Schwerverletzten vor. Eigentlich trägt er Schutzkleidung, aber das hilft nicht immer. Details will er mir nicht nennen, mir reicht allerdings auch die Kurzfassung: He was spewing blood across the carpet like a haemorrhagie geyser. Das war wohl ein ziemlich dramatischer Einsatz, trotzdem kann ich mir kaum ein Schmunzeln verkneifen. Die Wortwahl ist mal wieder sehr englisch. Er will gar keine Informationen mitteilen, sondern Bilder im Hirn des Zuhörers erschaffen. Bei mir hat er das erreicht. Wie sieht es bei Ihnen aus?

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Ein Bangbüx, aber lieb. Nicht der Kleine, hinten der Große!

Obwohl er eine kurze Nacht hatte, legt er sich nicht noch einmal hin. Jetzt ist er froh, wenn ein neuer Tag beginnt und je normaler der startet umso besser. Ein XXL-Frühstück ist angebracht und während er sich den Sportteil der Zeitung vornimmt, schaue ich aufmerksam den Rest durch. Wäre doch gelacht, wenn nicht ein gute-Laune-Beitrag zu finden wäre. Schon werde ich fündig. Ein englischer Hund namens Presley macht Schlagzeilen. Der Rüde ist riesig, fast 85 kg (!) schwer. Schon als Welpe kam er in die Familie und offensichtlich wird er noch immer so behandelt. Er ist ein Riesenbaby mit Löwenappetit. Wahrscheinlich weiß er gar nicht um sein Kraft. Sowas soll es ja auch im Menschenreich geben. 

Presley soll ein sehr geduldiger Kamerad sein. Er hat ein Gemüt wie ein Lamm und eignet sich gut zum Spielen mit kleinen Kindern. Allerdings hat er auch seine Schwächen und die größte ist sein Ängstlichkeit. Er ist so schreckhaft, dass man ständig achtgeben muß seine Gemütsruhe nicht zu stören. Röhrt der Staubsauger verkriecht sich der vierbeinige Held. Beim Gassigehen wird es kritisch sobald ein Artgenosse auftaucht. Egal wie klein der andere auch ist, Presley versteckt sich erst mal hinter Frauchens Bein. Soweit das bei seiner Körperfülle möglich ist. Auch als der Fotograf kam um das Sensibelchen zu knipsen, lugte Presley erst mal vorsichtig um den Türrahmen.

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Die Story muntert George sofort auf. Für menschliche Schwächen ist er immer zu haben, auch wenn ein Hund diese zeigt. Noch lieber lacht er über sich selbst und seine teeny-weeny Fehler. Auch eine typisch englische Eigenschaft, die mich nach fast einem Jahr Annäherung noch immer begeistert. George can laugh at himself and has a smile to light up the darkest room. Den Satz soll er verstehen, deshalb auf Englisch. Damit aber genug Applaus für heute; Liebeserklärungen muß man dosiert verwenden.

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Größe alleine ist nicht alles. Wer beschützt hier eigentlich wen? – Presley ist ein echter Skooby-Doo.

Als Notarzt betätigt er sich selten, wenn es aber blöd läuft wird er vielleicht bald schon -mehr als ihm lieb ist- damit zu tun haben. Die Ärzte wollen streiken und zwar noch vor Weihnachten. Eigentlich war schon der 1. Dezember auserkoren, konnte aber gerade noch vom Gesundheitsminister per Verhandlungen abgebogen werden. Es geht natürlich um die Bezahlung und das Streitthema liegt schon lange auf dem Tisch. Jetzt will man ernst machen und zwei volle Tage plus Nächte die Arbeit niederlegen. Betroffen sind dann nicht nur alle geplanten Operationen sondern auch Notfälle. Das ist natürlich unverantwortlich und deshalb wird ernsthaft nachgedacht, wer im Fall des Falles einspringen könnte. George ist ziemlich verärgert, kann die ultimative Ansage seiner Kollegen nicht billigen: The strike is gratuated from being a national joke to becoming a national desaster. Das droht tatsächlich.

Während ich noch den Küchentisch abräume, ist George im Haus unterwegs. Das geplante Programm habe ich schon auf einen der nächsten Tage verschoben. Heute bleiben wir zu Hause. Wenn der Partner einen so unplanbaren Job hat, funktioniert es nur, wenn ich mich genauso spontan anpasse und den Tagesablauf umstelle. Aber ich muß mir gar nicht überlegen, was jetzt wohl das Richtige wäre, denn als ich ins Wohnzimmer komme, finde ich George laut schnarchend auf dem Sofa. Gut so, sleep well. Dann setzte ich mich eben an seinen Schreibtisch und fange an einen Blog-Beitrag zu schreiben:

Eigentlich war heute etwas ganz anderes geplant. aber der Reihe nach …