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“Every time someone says ‘deficit’ we eat a hot cross bun, and every time they say ‘NHS’ we eat a cream egg.”

Nachtrag: Na sowas! Von Zeit zu Zeit schaut George doch mal in diesen Blog. Heute morgen hat er nämlich reagiert und mir den aktuellen Cartoon seiner Zeitung gemailt. Dazu den Kommentar: “Is it really just three month ago when you got your foot in the door?  It seems you have come home.” Na, dann liege ich wohl nicht ganz falsch mit meiner Oster-Beschreibung.

Nur schade, daß ich es diesmal aus der Ferne betrachten muß. Das sollten wir nächstes Mal besser machen.

Matt spielt auf die TV-Duelle an, die wegen der anstehenden Parlamentswahl im Mai gerade täglich gesendet werden. ‘NHS’ ist das Gesundheitssystem; ein ‘major issue’.

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Ostern wird in England ganz ähnlich wie hier gefeiert. Man ist froh über die beiden bank holidays, die das Wochenende verlängern. Mit solchen gesetzlichen Feiertagen wird der Engländer nicht gerade verwöhnt. Wenn ich George richtig verstanden habe, gibt es weder zu Pfingsten noch an Himmelfahrt einen freien Tag. Das sind alles ganz reguläre Arbeitstage.

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“Hot cross buns” werden nur In der Osterzeit gebacken. Sie sind den Heißwecken ähnlich. Ehemals gab es die Rosinenbrötchen nur am Karfreitag, der in England merkwürdigerweise “Good Friday” heißt.

Und wenn man dann noch weiß, daß der Jahresurlaub nur vier Wochen beträgt, -selten wird mehr gewährt-, dann kann man die Euphorie der Leute verstehen. Sie wollen Ostern nutzen, um einen Ausflug an die See zu machen. Da ist dann der Bereitschaftsdienst, wie bei George üblich, eine ungeliebte Aufgabe und also hat der “Boss” selbst übernommen. – Etwas überrascht war ich aber, dass George mich um meine Zustimmung bat! Wir waren für das Osterwochenende gar nicht verabredet. Irgendwie nett von ihm.

Mal ganz unter uns gesagt, er liebt diese round-the-clock-readyness. Schliesslich ist er im Sternzeichen des Widders (Feuer) geboren und mag, -nein braucht-, die Überraschung. Je größer die Hektik, desto ruhiger wird der Mann.

Nun, mit einer big surprise konnte auch ich gestern Abend dienen, als wir unser tägliches, oder besser nächtliches Telefonat führten. Meistens endet es nicht vor Mitternacht, aber Greenwich Time!  – Ganz ungeplant war ich nachmittags nach Wohldorf gefahren, um mir das neue Häuschen anzusehen. Ich war noch nie dort, denn ich hatte im Traum nicht daran gedacht, dass George selbst dort einziehen wird und deshalb hielt ich mich bisher fern.

Die Strasse hatte ich schnell gefunden und dann sah ich es auch schon. Ein Feuerwehrfahrzeug stand mitten auf der Straße. Irgendwie war ich mir sicher, das ist das Haus. Weniger klar war ich mir darüber, ob es nun klug oder blöd war gerade jetzt hier aufzutauchen. Schließlich habe ich noch nicht einmal einen Schlüssel.

Aber die Frage war schnell beantwortet. Es war natürlich ein glücklicher Zufall. Denn so konnte ich aus erster Hand erfahren, was passiert war und den Leuten für ihre Hilfe danken. Sturm Niklas hatte mehrere wohl an die 12 Meter hohen Tannen in gefährliche Schieflage gebracht. Eine war bereits auf einen anderen Baum gestürzt, der dann selbst in’s Kippen kam. Zum Glück wurde niemand verletzt und es entstand auch kein Sachschaden.

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Die Feuerwehrmänner hatten die Bäume ruckzuck mit der Motorsäge in Teile zerlegt, nun müssen sie nur noch abtransportiert werden. Gut, dass es Menschen gibt, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. 

Ironie an der Sache ist, dass Sturm Niklas nunmehr das Hindernis entfernt hat, das einen Anbau oder Neubau des Hauses verhindert hatte! Einer der Bäume war als schützenswert eingestuft worden und durfte nicht gefällt werden. Nun hat Niklas Platz geschaffen und ich schwöre, wir hatten die Finger nicht im Spiel.

Abends berichtete ich George per Skype von der neuen Lage. Zwei Handyfotos hatte ich für ihn gemacht. Aber ich hatte mir auch etwas überlegt, das ihn ganz schnell wieder lächeln lassen sollte. Ich schlug ihm vor, wir könnten jetzt einen Wintergarten anbauen. So etwas kennt der Engländer nicht, aber er liebt es. Da war ich mir sicher.

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Eine “Posh Shed” zum stolzen Preis von 3.400 € (!) zu haben. Größe: 1,20 m x 1,85 m. Der Engländer ist in seinen Ansprüchen bescheiden, akzeptiert aber hohe Preise.

Wer irgendwie kann, hat in England einen Garten. Egal wie klein der sein mag. Dieser wird mit einem hohen Zaun blickdicht eingefasst. Und immer steht mitten auf diesem grünen Fleck eine Gartenlaube. Dieser “shed” ist das Heiligtum des Hausherrn. Man kann nur darüber spekulieren, was sich in diesen Schuppen verbirgt bzw. abspielt. Die Männer halten sich dort stundenlang auf.

Und so war natürlich für George die Ankündigung eine Laube mit direkten Hauszugang zu bekommen, eine mehr als verlockende Idee. Und wenn ich ihm dann noch einen Elektro-Kamin dort hineinstelle, dann wird er seinen Rückflug mit Sicherheit vergessen. So gesehen hatte Niklas eine ganz nette Überraschung für uns im Gepäck.

Frohe Ostern – happy Easter! 

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Ostern ist in England ein Schokoladenfest. Selten findet man Schoko-Hasen, dafür aber umso öfter faustgroße Schoko-Eier. Sie werden gerne genascht. Die Schokolade schmeckt mir nicht. Sie ist extrem süß. Das können die Engländer nicht. Und die beliebten und begehrten Cadbury Easter Eggs haben auch noch eine massive Zuckerfüllung, wie wir es von den Fondanteiern kennen. Wer es nicht mag, kann die Variante mit einer suppigen Cremefüllung wählen. Beides ist nicht meine Sache.