Sorry, ich war lange nicht hier. In den letzten Wochen habe ich einige neue Blogs erstellt, darunter auch eine Geschichte über London. Ausserdem war ich mit meiner Kamera dort und habe viele Fotos mitgebracht. Natürlich auch ein paar neue Erfahrungen gesammelt, beispielsweise über das korrekte Verhalten in der Underground. Es ist ganz einfach, wenn man die drei wichtigsten Regeln beherzigt. 1.) Niemals jemanden ansprechen, 2.) immer den eigenen Sitzplatz anbieten, falls ihn jemand dringender benötigt und 3.) niemals Augenkontakt zu anderen Fahrgästen herstellen. So weit so gut, in der Theorie. Praktisch ist die Sache verzwickter. Wie kann ich jemanden meinen Platz anbieten, wenn ich mit ihr/ihm nicht sprechen darf. Und woher weiß ich überhaupt dass sie/er eine Sitzgelegenheit braucht, wenn ich niemanden ansehen darf? George ist ein U-Bahn Veteran und kann hier sicherlich als Vorbild dienen. Er weiß wie er sich auf der Fahrt zu verhalten hat und teilt sein Insider Wissen gerne mit mir und allen anderen: “I sink so deeply into my seat that I barely get concious of the surroundings at all. That’s the only way to make it through rush hour with my mental faculities intact. It’s a kind of self-hypnosis, with the help of headphones, a swinging pocket watch and the Daily Telegraph.”

Ich finde es ziemlich schwierig ohne jeden Augenkontakt eine längere Bahnstrecke zu bewältigen, denn egal wo man hinsieht, irgendein Kopf ist im Wege. Also starre ich auf meine Schuhe oder die des Gegenübers, hoffentlich ist das erlaubt, und verpasse auf diese Weise regelmäßig die Station an der ich aussteigen muß. Dabei wird sie laut und deutlich über Lautsprecher angesagt, aber irgendwie hat das bei mir eine einschläfernde Wirkung und schon nach drei Stops höre ich nicht mehr zu. “Kann ich denn wirklich keine kleinen Freundlichkeit austauschen? Ein nonverbales Lächeln? Oder ein verständnisvoller Blick?” “No never, not in London, and definitely not if you’re a woman.” Frauen lernen in der U-Bahn schnell, dass jeder Augenkontakt gerne missverstanden wird. “Eye contact is an invitation as unequivocal as writing your phone number in lipstick on the window.” Ich gebe nach und verspreche künftig niemals auch nur die Lider zu heben.

 

 

Zum Glück bin ich nicht die einzige U-Bahn Nutzerin, die sich unsicher ist, wie sie anderen Leuten ihren Platz anbieten soll (siehe Regel zwei). Es fängt ja schon damit an, dass man schlecht erraten kann, ob der andere denn wirklich um einen Platz verlegen ist. Vielleicht ist die dicke Frau ja gar nicht hochschwanger und was ist mit dem alten Mann? Würde er sich freuen oder wäre er schwer beleidigt, dass ich ihn gerade auf ‘on the last leg’ eingeschätzt habe? Probleme über Probleme und alles nur, weil man aus Höflichkeit schweigt. Anstatt mal eine paar Worte zu tauschen, so würde ja auch die gefühlte Fahrtzeit schneller vergehen, nein, da bleibt man stumm wie ein Fisch. Ein klassisches Kommunikationsproblem. Aber das wurde nun gelöst und zwar auf englische Weise. Ab sofort trauen sich alle Sitzbedürftigen ihren Wunsch lautstark, -das ist jetzt ein nicht ganz passendes Wort-, kundzutun. Sie tragen nämlich einen Button an der Kleidung, darauf steht: Please offer me a seat. Was für eine elegante Lösung. Man muß nicht reden und weiß doch was man zu tun hat. George strahlt, denn er findet es perfekt. Ich überlege noch, dann habe ich den wunden Punkt gefunden: “Was ist mit Regel Nummer drei???” “You’re right. Perhaps we need a more fundamental change to the culture. So next time someone will offer me a seat I will accept without quibble. I will not start to check out the passengers next to me, in search of someone fatter od older. I say thank you and sit down.” So ist es recht, das Wagnis solltest du eingehen. Blöd nur, wenn du dann sitzt und endlich mitkriegst, dass hinter dir ein Mann mit Krücken stand. Dann hilft dir nur noch eins, nämlich die Anwendung aller drei Grundregeln des U-Bahnfahrens.  

 

Kein Witz, die Aktion gibt es wirklich. Ganz offiziell von Transport of London ins Leben gerufen. Dort bekommt man den Button oder die Karten ohne Angabe von Gründen ausgehändigt. Und schon kann man sich in der U-Bahn wortlos verständigen. – Irgendwo muß noch mein Antwort-Button herumliegen. Darauf steht: Please wake me up when a dog enter the Tube.

 

 

 

 

Nachtrag

Das darf doch wohl nicht wahr sein. Endlich gibt es in der Londoner U-Bahn was zu gucken und schon wird das Plakat wieder verboten! Ex-Football Spieler Gary Lineker hat sich mit nackten Oberkörper fotografieren lassen um für was auch immer Reklame zu machen. Der 57-jährige macht eine gute Figur, ich schaue ihn mir jedenfalls gerne an. Und was passiert? Man verlangt dass er sich sofort etwas anzieht. Wenigstens ein Unterhemd. Und weil sich auch Transport for London der Meinung anschließt, sind die Plakate schneller verschwunden als aufgehängt. Bei spärlich bekleideten Frauen reagiert der Engländer anders. Obwohl, das muß ich zugeben, man in der Öffentlichkeit sehr darauf achtet, dass niemand in irgendeiner Weise anzüglich gezeigt wird. Es gibt klare Richtlinien: ‘TfL’s guidelines prohibit advertisements which depict men, women or children in a sexual manner or display nude or semi-nude figures in an overtly sexual context.’ Im TV allerdings zeigt man mehr Fleisch und so könnte es sein, dass Gary doch noch all abendlich halbnackt vorbeischaut. Oder hat er womöglich auch keine Pants an???