Sommerzeit ist auch Festivalzeit. In Hamburg geben sich die Musikstars die Klinke in die Hand. In England ist es nicht anders, wer kann tritt irgendwo im Freien auf und feiert mit den Fans durch die Nacht. Ein Star wird aber besonders viel Eindruck machen, denn er ist ein wahrer Gigant. Sein Name ist Dippy und seine UK-Tour startet in diesen Tagen. Zunächst muß er sich aber demontieren lassen. Hoffentlich vergisst man nicht seine Knochen zu numerieren. Sonst sehe ich schwarz. DIY*) ist zwar Volkssport, aber zur Meisterschaft hat es noch keiner gebracht. – Das war jetzt eine gewagte Einleitung und natürlich spreche ich längst nicht mehr von Rockstars, sondern vom Londoner Dinosaurier Dippy. Übrigens ein Mädchen. Sie stand bis Anfang des Jahres in der Eingangshalle des Natural History Museums in Kensington und begrüßte die überraschten Besucher. Wer zum ersten Mal hereinkam, hatte ein staunendes ‘wow’ auf den Lippen.

*) Do it yourself

 

 

Dippy war hochbetagt, was man ihr allerdings nicht ansah. Sie wurde schon 1898 in Wyoming (USA) gefunden. Beim Bau der Eisenbahn stießen Arbeiter auf das fast vollständig erhaltene Skelett und gruben es kuzerhand aus. Das Original landete dann bei Andrew Carnegie, einer der reichsten Männer des Landes, mit schottischer Herkunft. Als dann eines Tages der britische King Edward VII bei ihm zu Besuch war, war der von dem Dino so begeistert, dass er Carnegie um einen Nachbau für das Natural History Museum bat. Natürlich wurde sein Wunsch erfüllt und inzwischen gibt es sogar schon zehn Replikate, die auf der ganzen Welt zu bestaunen sind. Unter anderem auch in Paris, Berlin und eben in London. Dort wurde er dann am 12. Mai 1905*) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Am 4. Januar 2017 hieß es Abschied nehmen; Dippy wurde reisefertig zerlegt. Es gab Unterschriftenaktionen, damit der Dino den Londoner erhalten bleibt, aber sein Umzug war beschlossene Sache. Nun tourt er bis 2018 durch das Vereinigte Königreich und soll anschließend wieder nach London zurückkehren. Dann aber, wenn ich es richtig erinnere, im rückwärtigen Garten des Museums. Also sozusagen im ‘Außengehege’.

*) Anfangs war der Dinosaurier unter den vielen anderen Exponaten, in einer der Nebenabteilungen untergebracht. Man konnte ihn nur teilweise sehen und er wirkte bei weitem nicht so gigantisch, wie dann später in der Mitte der Eingangshalle. Während des 2. Weltkrieges brachte man ihn im Keller unter, man fürchtete Schäden durch Bombenangriffe, und erst danach zog Dippy dann in die Hintze Hall ein. Das war erst Ende der 70-er Jahre.

 

Dippy hat die Koffer gepackt. Genau genommen sind es 36, denn sie muß immerhin 292 Knochen einpacken. Dann geht es nach Birmingham, dann Schottland, Wales und Nordirland.

 

Die Londoner waren über Dippys Demontage traurig, aber als jetzt der Ersatz einzog, war alles wieder in Butter. Everything is fine again. Ab sofort schwebt in der Hintze Hall ein 25 Meter langer Blauwal. Es ist wieder ein Weibchen, diesmal ein Original und ganz schön alt. Die Dame wurde 1891 gefangen/gefunden (?) und sie war lange Zeit im South Kensington Museum aufgestellt. Jetzt hat man das Skelett, mehr als wirkungsvoll, unter die Decke der Eingangshalle des Natural History Museum gehängt. Wenn man in die Halle kommt, glaubt man der Wal würde aus der Tiefe auftauchen. Stellt man sich unter das Tier, erfährt man hautnah seine gewaltige Größe.

 

Das ist ‘Hope’, die Neue. Sie ist ein mehr als Ersatz. Der Blauwal ist ein Schwergewicht. Beim Zusammenbau hatte ein Stahlkabel fast nachgegeben. Aber jetzt ist alles fest und die Besucher dürfen hautnah an das Skelett heran.

 

Die ‘Neue’ hat natürlich auch einen Namen bekommen, man nennt sie ‘Hope’ also ‘Hoffnung’. Damit ist der Wunsch verbunden, dass wir uns bewußt werden, dass wir nur ein kleiner Teil der Schöpfung sind. Blauwale waren wegen intensiver Bejagung fast ausgestorben, langsam erholen sich die Bestände. Das ganze Projekt steht unter dem Schutz von HRH Kate, Duchess of Cambridge, und dem Naturforscher Sir David Attenborough. Er erklärte den geladenen Gästen bei der  Einweihungsfeier: “Putting our blue whale, Hope, at the centre of the Museum, between living species on the West (part) and extinct species on the East, is a powerful reminder of the fragility of life and the responsibility we have towards our planet.”

Wenn Sie in London sind, dann besuchen Sie das Natural History Museum. Wie gesagt kostet es keinen Eintritt aber wahrscheinlich einen Urlaubstag. Ich war schon einige Male dort und jedes Mal vergehen die Stunden wie im Flug. 

 

Das ist das Natural History Museum an der Cromwell Road. Der Haupteingang liegt zwischen den beiden Türmen. Rechts sieht man die Exhibition Road mit dem Rautenmuster in der Pflasterung. Dort ist das London Science Museum zu finden.

 

Bis September kann man auch noch die Wildlife Photographs of the Year im Museum ansehen. Das interessiert mich immer besonders und es sind ganz wunderbare Aufnahmen darunter zu finden. Braucht man eine Pause, dann geht man ins Coffee House. Oder in eines der anderen Cafés und Restaurants. Eines davon heißt T.rex Grill. Ich hoffe es hat mit Dippys Verschwinden nix zu tun. Wir waren dann, bei unserem letzten Besuch, noch im Dino Shop, schließlich brauche ich ein Andenken. Zwei Varianten standen zur Wahl: Plüsch oder lieber Gummi? Der Rubber Dino gefiel mir besser, also landete der orange T-Rex in meiner Tasche. George grinste und klärte mich erst auf der Heimfahrt darüber auf, dass es sich um einen Rubber-Teether handelt. Mit anderen Worten, eine Beisshilfe für zahnende Babies. Was soll ich denn nun damit? “Perhaps it’s helpful for the false teeth.” Von wegen, noch ist mir kein Zahn ausgefallen oder gar gezogen worden. So soll das auch bleiben. Aber vielleicht kann man mit dem Gummi-Dino kleine Flecken von der Tapete wegradieren? So it’s a good buy from every point of view.