… das ist alles was gerufen wird, dann knallt der Hammer auf das Eichenpad und der Handel gilt. Auktionen machen dem Engländer Spaß und werden oft für wohltätige Zwecke abends im Pub veranstaltet. Genau wie beim Pub-Quiz hat man Gesellschaft, Jux und bekommt die neuesten Witze erzählt. Dabei lässt sich ungeniert ein Bier nach dem anderen trinken. Ich will das nicht beschönigen. Wer es ruhiger schätzt, besucht Sotheby’s in der New Bond Street. Das ist im hochfeinen Mayfair und einen Besuch wert. Gucken kostet nichts und es gibt viel zu entdecken. Das fängt schon in der Old Bond Street an, wie der erste Teil, an der Kreuzung Piccadilly, noch heißt. 

 

Old Bond Street. Gleich am Anfang sind die Juweliere zu finden. Auch hier flattert der Union Jack alle paar Meter quer über die Straße gespannt.

 

Etwas später taucht dann Sotheby’s auf. Ich war dort noch nie, habe aber mal den Katalog studiert. Das Kleingeschriebene braucht ein gutes Dutzend Seiten. Man erfährt alles worauf man beim Steigern zu achten hat. Ohne Anmeldung kein ‘Paddle’ und keine Nummer. Ohne diesen Lollipop kann man kein Gebot abgeben und darf nicht mitbieten. Wer den Zuschlag bekommt, hat umgehend zu zahlen. Manche haben wohl wirklich Bargeld bei sich, und zwar bitte nur in Sterling Cash, andere zahlen mit Scheck oder Kredit Karte. Wir bleiben lieber Zuschauer und schlendern einfach die Luxus Verkaufsmeile hoch und runter. Wer mit dem Auto kommt muß sich entscheiden. Die Nahtstelle zwischen Old- and New Bond Street ist für den Verkehr gesperrt. 

 

Gassen führen zu den Hinterhöfen. Dort ist es oft ziemlich gemütlich. Im Mews kann man essen und trinken. Aber wie die Bierfässer antransportiert werden, ist mir ein Rätsel.

 

Am Anfang sind die Juweliere Tür an Tür zu finden, und Cartier ist nur einer darunter. Dann kann man sich Accessoires ansehen, beispielsweise bei Dolce & Gabbana oder Gucci. Sobald einem ein Duft in die Nase steigt, ist man schon in der New Bond Street angekommen. George sagt: ‘Something between vanilla and rotten socks’, aber das darf man nicht ernst nehmen. Ich glaube der Mann kann gar nicht riechen, das ist bei ihm berufsbedingte Voraussetzung. Dior und Channel und wie sie alle heißen, bieten die teuren Flacons an. Auch ihre Shops liegen nahtlos nebeneinander, fast wie auf dem Wochenmarkt. Irgendwann entdeckt man dann eine erste Galerie, dann noch eine und schon sieht man das Auktionshaus Sotheby’s auf der anderen Straßenseite. – Unbedingt sollte man die Hinterhöfe besuchen. Die sind voller Leben, da kann man eine Pause einlegen. ‘Eat, drink and be merry’, heißt das Motto. Es ist gar nicht so einfach, die oft nur türbreiten Zugänge zu finden. Die Gassen sind wirklich eng und ziehen sich kilometerweit durch die Stadt. – Zu Sotheby’s werden wir jetzt aber doch einmal gehen. Vielleicht schon am Sonntag, denn nächste Woche werden viele Keramiken versteigert, die von Pablo Picasso bemalt worden sind. Seit gestern kann man sich die Stücke schon mal ansehen, um dann das Schönste zu ersteigern. Das geht dann ab Montag mittag, denn dann heißt es wieder: “One, two, three.”

 

Zwei Picasso-Teller werden zur Ansicht hochgehalten. Ich glaube die Auktion könnte ganz lustig werden.