Sparmaßnahmen überall. Sparen ist längst Volkssport. Der Kunde knausert mit dem Geld und der Lieferant mit dem Inhalt. Bei einer neuen Verpackung zum alten Preis darf man hundertprozentig sicher sein, dass man weniger bekommt als vorher. So funktioniert es bei Lebensmitteln und Drogeriebedarf.

Bei anderen Artikeln werden keine Batterien mehr mitgeliefert. Oder es fehlen Schrauben und Dübel, falls man die Wetterstation doch lieber an die Wand hängen möchte. Das war doch früher anders, oder? Gut, alles kein Beinbruch; eine passende Schraube wird sich schon finden. Vielleicht reicht auch ein Nagel, dann spart man das Bohren.

Natürlich ist auch die Textilbranche betroffen; der Preiskampf ist vermutlich gerade dort mörderisch. Man spart an Produktionskosten und am Material. Eine der größten und bekanntesten Kleidergeschäfte in England ist Marks & Spencer. Jeder kennt die Abkürzung M&S, man darf es mit H&M oder C&A übersetzen. Bei der Kette handelt es ich um Britain’s biggest high-street clothing retailer.

 

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Neben Kleidung bietet Marks & Spencer auch Lebensmittel

 

Dort kam man jetzt auf die Idee, die Reißverschlüsse der Herrenhosen zu kürzen. Um ein volles Inch, also 2,5 cm, wurden die Zipper kürzer. Das mag wenig sein, aber die Menge macht es. Kürzere Reißverschlüsse bedeuten auch kürzere Nähzeit und also doppelte Ersparnis: weniger Material- und Arbeitskosten. Dabei hat man aber wohl nicht bedacht, das es Leidtragende gibt, nämlich die englische Männerwelt.

Mit kürzeren Zippern kann man die Hose weniger weit öffnen. Das gefällt den Herren gar nicht. Nach ersten schmerzhaften “Unfällen” wurde der Protest laut: “We will zips back to the standard length“. Was bei mir sofort die Frage aufwirft, was ist denn die Standardlänge? George ist aber nicht zu Scherzen aufgelegt, das Thema ist zu wesentlich. Betrifft es doch eine Zone, wo es weh tut. Er nörgelt also weiter: “I have been wearing the same chinos for 20-odd years with no problems, so who decided to make the change? Male or female? Sadly, nobody seems to have considered the implications.” Du trägst deine Hosen zwei Jahrzehnte lang??? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. “Of course not, it was only the same type.”

 

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Das Quäntchen fehlt zum Glück. Leider einen Inch zu kurz.

 

Auf den Herrentoiletten muß in letzter Zeit das große Leiden beheimatet sein. Die verkürzten Reißverschlüsse machen den Männern das Leben am Urinal schwer. Nun was soll ich dazu sagen? Mir fehlt die Erfahrung, aber ich könnte mir vorstellen, dass es helfen könnte, wenn man das Beinkleid ein kleines Stück runterzieht. Um keinen falschen Ratschlag in dieser delikaten Situation zu geben, -George hat eh schon schlechte Laune-, frage ich also lieber noch mal nach, wo es denn konkret klemmt. “What shall I say? We have ‘logistical’ difficulties in the loo after buying the £30 trousers.” Okay, vielleicht geben wir £20 mehr aus und alles ist wieder in Ordnung? “Brilliant idea!”

Das wäre doch jetzt wirklich am falschen Ende gespart. Wenn ich mir vorstelle, ein Unfall würde eine längere Unpässlichkeit nach sich ziehen, und das nur um lausige £20 zu sparen, wäre ich am Boden zerstört. – Das scheint George nun wiederum zu gefallen, sein Lächeln kehrt zurück.