Heute geht es um die London Underground, die sogenannte Tube und natürlich auch um die Overground, denn bis auf eine Linie kommen alle Züge irgendwann auch wieder aus dem Tunnel heraus. Glaube ich jedenfalls, die Ausnahme ist die Waterloo & City Line. Fangen wir doch mal mit ein paar Zahlen an, die beindrucken können aber bitte keine Ängste vor der Benutzung wecken sollen. Der erste Zug rollte vor 154 Jahren durch London. Inzwischen werden jährlich 1,4 Milliarden (!) Menschen befördert, davon nutzen 100 Millionen jährlich den Bahnhof Waterloo, was sogar für London ein Rekord ist. Dort können Sie übrigens unter 23 Rolltreppen wählen. Die längste ist im Bahnhof Angel zu finden, sie überwindet 60 Meter. Am tiefsten liegt der Bahnhof in Hampstead, deshalb unbedingt den Lift nutzen, der Sie 55 Meter hoch bzw. tief befördert. An einer Station wie Baker Street müssen Sie sich zwischen 10 Bahnsteigen entscheiden und wenn Sie von Leicester Square zum Covent Garden wollen, dann lohnt sich der Einstieg in die Piccadilly Line nicht, sie fährt nämlich nur 300 Meter weit zwischen den beiden Bahnhöfen.

 

Typisches Beispiel: Von der Station Covent Garden nach Green Park braucht man knapp 20 Minuten zu Fuß. Die Piccadilly Line fährt zwischen diesen Bahnhöfen auch noch die Stationen Leicester Square und PiccadillyCircus an. Das ist also keine Option, falls es nicht gerade schüttet.

 

Wir Hamburger haben einen Vorteil in London, die U-Bahnsysteme sind sich in beiden Städten sehr ähnlich. Da fühle ich mich gleich wie zu Hause. Die Linie werden konsequent in unterschiedlichen Farben auf den Plänen gekennzeichnet. Um Abfahrtzeiten muß man sich nicht kümmern, die Londoner Underground fährt im Minutentakt. Und schwindelig wurde mir auch noch nie, denn die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 33 km/h. Immerhin sind die Züge damit doppelt so schnell unterwegs, wie der Autoverkehr in der City.

Man sitzt bequem nebeneinander, mit einer Armlehen links und rechts. Die wird von dem höflichen Londoner nie benutzt, also kann ich mich breit machen. Dann wird der Nebenmann noch ‘dünner’, weil er Angst hat wir könnten uns berühren. Also bitte Rücksicht auf die sensiblen Briten nehmen.

 

 

Die Londoner Züge sehen unterschiedlich aus, je nach Baujahr aber auch nach Linie. Man kann also mit etwas Erfahrung schon bei der Einfahrt in den Bahnhof erkennen, um welche Linie es sich handeln muß. Aufpassen muß man bezüglich des Fahrtzieles. Viele Strecken haben verschiedene Endhaltestellen und wenn man dann den falschen Zug erwischt, dann biegt der unerwartet in eine Richtung ab, in die man gar nicht will. Aber das ist einfach herauszufinden, denn es steht deutlich an der Anzeigetafel. Dort findet man numerierte Hinweise, im Stil wie 1.) Camden Town, Edgware 2.) Camden Towen, High Barnet 3.) Camden Town, Mill Hill East. Dazu werden die Minuten bis zur Abfahrt angezeigt und so weiß man genau wann der ‘richtige’ einfährt. Wenn ich nach East Finchley will, dann geht das nur mit der Northern Line, die nach High Barnet fährt. Ich habe es durch try & error gelernt und dabei Londons Norden besser kennengelernt.

In den Bahnen sind meistens zwei lange Sitzreihen, entlang der beiden Wände. Dazwischen ist viel Platz beipielsweise für einen Koffer. Aber bitte nicht in der Peak Time, denn dann sind die Züge voller Menschen und die brauchen jeden Zentimeter Raum. Von jedem Sitzplatz kann man eine die digitale Anzeige sehen, die genau Auskunft gibt, wie die nächste Station heißt. Übrigens nutzen die vielen Linien streckenweise dasselbe Gleis, halten dann aber nicht an allen Stationen. Also keinen Schreck bekommen, wenn die Underground gleich mehrere Bahnhöfe ungebremst durchfährt. Das ist in Ordnung, der Zugführer lebt noch. In allen U-Bahnen sitzt man bequem auf Polstern. Plastiksitze gibt es nicht. Die Stoffe sind auffällig gemustert, sie gefallen dem Engländer wirklich (!) gut. Wir finden sie vielleicht ein bißchen bunt. Aber in England werden diese Stoffe und Muster gerne für Möbel verwendet, die gar nicht billig sind. Auch als Teppiche oder Sofakissen werden die sogenannten ‘Moquettes’ angeboten. Für den Passagier hat das Polster noch einen anderen Vorteil, es ist nämlich eine gute Hilfe die Linie zu erkennen. Alle Züge einer bestimmten Linie haben dasselbe Sitzmuster. 

 

1. Reihe: Circle, Metropolitan Line (alt) / Victoria Line / London Overground
2. Reihe: Northern Line, Central Line / Bakerloo Line / District Line

 

Übrigens hat mal jemand bei Transport for London angefragt, wie oft diese Polster eigentlich gereinigt werden. Die Antwort war überraschend. Jede Nacht werden die Züge gereinigt und von Müll befreit (aus Sicherheitsgründen gibt es keine Papierkörbe im Zug und im Bahnhof). Ich kann bestätigen, dass bis auf seltene Ausnahmen die Bahnen einen sehr sauberen Eindruck machen. Allerdings werden die Polster nur alle drei Wochen mit dem Staubsauger gereinigt. Und ein bzw. maximal zweimal im Jahr werden sie shampooniert. Das gilt aber nur für die Linien Bakerloo, Central, Victoria, Metropolitan, Circle, District and Hammersmith & City. In der Northern Line, die ich meistens benutze, wurden die Sitze noch nie mit Schaum gereinigt. Das trifft auch auf die Piccadilly Line zu, die die meisten Touristen von Heathrow aus benutzen. Trotzdem sehen die Sitze durchaus manierlich aus, ich habe noch nie irgendwelche großen Flecken entdecken können. Wahrscheinlich ist das eins der Vorteile der auffälligen Muster, dass das meiste unsichtbar bleibt. Wer sich jetzt in der Bahn nicht mehr hinsetzen mag, der sollte bedenken, dass die Poles, also die Haltestangen, auch nur alle zwei bis drei Tage nass gewischt werden. Trotzdem bin und bleibe ich Fan der London Underground, denn sie hilft mir mich in der Stadt sicher zu bewegen. Egal wo ich herumstrolche, ein Bahnhof wird immer ganz in der Nähe sein. Und egal wo ich einsteige, es gibt immer einen kurzen Weg zurück in mein Hotel. Und schließlich ist das Ganze auch noch ziemlich günstig. Also ein Hoch auf die Underground und ihre vielen Mitarbeiter. 

 

Londoner Bahnhöfe sind sauber und sehr gut ausgeschildert. Allerdings sind sie auch oft furchtbar heiß. Da herrschen Temperaturen wie in der Sauna. So war es auch hier in Westminster, ich war sofort nass geschwitzt, aber zum Glück auf dem Rückweg ins Hotel.

 

 

Langeweile in der U-Bahn?

Wenn Sie einen Zug mit dem sogenannten ‘Barman’ Polstermuster besteigen, dann können Sie sich wunderbar die Zeit vertreiben. Denn hier hat der Designer vier Londoner Wahrzeichen verarbeitet oder besser gesagt im Muster versteckt. Man kann beispielsweise das London Eye sehen, das ist einfach, denn es ist natürlich der leuchtend rote Kreis. So sieht das Rad nachts aus, wenn es von Scheinwerfern angestrahlt wird. Gleich da drunter sieht man die Rundkuppel von St Paul’s. Etwas trickreicher wurde Big Ben eingewebt, das sind die braunen Striche. Richtig knifflig wird es aber bei der Tower Brigde, obwohl sie in voller Ansicht mit beiden Türmen erkennbar ist. Allerdings muß man schon lange auf den Sitz starren, bevor dann plötzlich die Brückentürme deutlich vor einem stehen. Wenn Ihnen das gelungen ist, sehen Sie nie wieder etwas anderes in diesem Muster. Die Bildersuche verkürzt auf jeden Fall die gefühlte Fahrtzeit und Sie haben etwas, wo Sie ungeniert hinsehen dürfen. Natürlich nur wenn der Sitz leer ist, denn auch die englischen Männer werden nervös, wenn man Ihnen zu auffällig in den Schritt schaut.