Ich bin gar nicht so sportbegeistert, gucke zur Zeit aber trotzdem jeden Abend zu, wenn die Leichtathletik Weltmeisterschaft in ARD und ZDF übertragen werden. Mein Grund ist banal, das Großereignis findet in London statt. Leider sind nur Bilder aus dem Stadion zu sehen, trotzdem tut es mir irgendwie gut. Früher bekam ich Heimweh, wenn ich unterwegs war. Heute stellt sich das ziehende Gefühl ein, sobald ich wieder zuhause in Hamburg bin. Verkehrte Welt. 

 

Ich glaube es war die Fußball WM 2006 in Deutschland, die Leo ins Leben rief. Ein freundlicher Löwe ohne Unterhosen. Inzwischen sind es die beiden Herren im dunklen Anzug, die die Hosen fallen lassen mußten.

 

Das Sportlerleben ist hart. Nur die Sieger ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich. Schon der Zweitplatzierte steht ein wenig verloren herum, wenn die Fotografen dem Gewinner auf seiner Ehrenrunde folgen. Einer aber kümmert sich um alle und Sie haben ihn sicherlich auch schon gesesehen. Ich spreche von Hero the Hedgehog, eines der beiden offiziellen Maskottchen der World Championship 2017. Hero trägt ein lustiges Kostüm und ist wahrscheinlich froh, dass keine Augusthitze herrscht. Ihm dürfte im Webpelz ganz schön warm sein. Er gehört immer zu den ersten Gratulanten, tröstet aber auch die Verlierer. Mir ist das Igel-Maskottchen schon bald aufgefallen, weil er sich typisch englisch verhält. Das macht er besonders in Situationen, in denen er sich wahrscheinlich von Kameras unbeobachtete fühlt. Dann packt er seinen ganzen Witz aus, wie es eigentlich nur ein Engländer perfekt improvisieren kann. Beispielsweise in den ‘Katakomben’ des Stadions, wo die Atheleten sich sammeln, um sich dann als Team den Zuschauern zu präsentieren. Da sieht man dann Hero vorneweg gehen, plötzlich abbiegen und ungebremst gegen eine geschlossene Tür laufen. Er spielt die Szene perfekt, als hätte er es tagelang geübt. Ich bin mir aber sicher, dass ihm die Sache spontan in den Sinn gekommen ist. 

Meine Lieblingsszene mit Hero the Hedgehog ereignete sich vor dem 100-Meter-Finallauf der Männer. Als die Superstars durch den Gang kamen, stand Hero dort kopfstehend an der Wand. Er rührte sich nicht, stand sicherlich schon einige Minuten kerzengerade da. Keiner schien ihn wahrzunehmen, denn die Sportler sind vor dem Start hochkonzentriert und gedanklich ganz in sich gekehrt. Nur der stets gut gelaunte Usain Bolt, der von den Londoner euphorisch gefeierte wurde, hatte Augen für Hero. Er stupste ihm in die Rippen und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. 

 

Sieger unter sich. Der Jamaikaner Usain Bolt und Hero, der britische Igel, hatten zusammen viel Spaß in London.

 

Bevor ich jetzt gleich abrupt das Thema wechseln werde, -was allerdings nur oberflächlich so aussieht, denn heute geht es um kleinen, aber feinen Humor-, muß ich unbedingt noch kurz auf das zweite Maskottchen der aktuellen Weltmeisterschaft eingehen. Da haben die Londoner sich wirklich was Tolles einfallen lassen. Die zweite Figur, eine Biene, wird von einem behinderten Mann dargestellt. Ihm fehlt ein Unterschenkel und deshalb trägt er eine Prothese. Er scheint damit genau so flink und beweglich wie der ‘Igel’ zu sein. Mir ist der fehlende Fuß erst beim dritten oder vierten Hinsehen aufgefallen. Der Grund für die ungewöhnliche Wahl ist naheliegend. Die Leichtathletik Weltmeisterschaft wird, genau wie die Olympiade 2012, von der Championship für behinderte Sportler nahtlos fortgesetzt werden. Da war es eigentlich naheliegend darauf auch durch die Wahl des Maskottchens aufmerksam zu machen. Und zwar von Anfang an. Eine prima Idee mit zwei Figuren zu starten, die das ganze Spektrum zeigen. Meines Wissens ist das erstmalig so realisiert worden. 

 

 

Nun also der Schlenker, und zwar vor die Tore des Stadions. Dort wo der feine britische Humor an jeder Ecke gelebt wird. Es geht um ein ernstes Thema, nämlich die Fahndung nach Verbrechern. Aber das schreckt den Engländer nicht. Mit viel Kreativität lassen sich auch solche Themen unterhaltsam vermitteln. Allerdings muß ich ein paar Fakten vorwegschicken, denn in England geht man anders als bei uns mit der Fahndung nach gesuchten Personen um. Schon bei dringenden Verdacht, dürfen Foto und voller Name veröffentlicht werden. In Deutschland sind wir damit deutlich zurückhaltender. So kommt es, dass man in England oft Steckbriefe sieht. Und das ist für den Gesuchten sicherlich ein Alptraum, wenn sein Gesicht, sein Name, sogar die Anschrift in der Zeitung stehen. Das versteht auch die Polizei und deshalb gibt man sich Mühe, die Sache ein bißchen freundlicher zu gestalten. Ein Paradebeispiel war jetzt zu sehen. Ein Fahndungsbild in Form einer Postkarte. Schließlich ist Urlaubszeit. Ganz schön witzig, wenn auch mit ernsten Hintergrund. Und ich bin immer sehr angetan von dem souveränen Umgang der Engländer mit heiklen Situationen. Was immer ich da aufschnappen kann, nehme ich dankbar mit. Lebensschule vom Feinsten.

 

Englischer Steckbrief. Kein Witz, die nette Aufforderung ist bitterernst gemeint. Man achte auf die Details, davon können sich unsere Behörden eine ganz dicke Scheibe abschneiden, oder?